MyMz

Das Jahn-Gen lag schon in der Wiege

Die Rothosen und ihr Comeback in Liga zwei: Jack Diewald blickt mit seinen Söhnen auf ein „sensationelles“ Jahr zurück.
Von Norbert Lösch

Kein Heimspiel verpasst: Jack Diewald mit seinen Söhnen Vincent (10, links) und Louis (11) Fotos: Lösch
Kein Heimspiel verpasst: Jack Diewald mit seinen Söhnen Vincent (10, links) und Louis (11) Fotos: Lösch

Regensburg.„Mein Puls ist immer noch auf 180“, postete Johann „Jack“ Diewald Stunden nach dem knappen 1:0-Erfolg seines Herzensvereins in Darmstadt. Zwei Wochen und ein Sieg gegen Arminia Bielefeld später ist der Jahn-Fan mit Leib und Seele dagegen relativ gelassen: „Man sieht jetzt doch tatsächlich die Chance, die Klasse endlich mal halten zu können.“ Mit 25 Punkten auf dem Haben-Konto sind seine Rothosen zum Jahreswechsel gut unterwegs, auch wenn es noch ein harter Weg sein dürfte bis zu diesem Ziel. Die Bilanz von Trainer Achim Beierlorzer, wonach das Jahn-Team ein „sensationelles“ Jahr hinter sich habe, teilt Diewald aber voll und ganz.

In der Familie ist nicht nur der Vater „jahnsinnig“. Auch die beiden Söhne Vincent (10) und Louis (11) sind stolze Dauerkarten-Besitzer – und nicht etwa im gemäßigten Familienblock zuhause, sondern mittendrin im Getümmel, bei den Ultra-Fans. Da, wo die Musik spielt in der Continental Arena: auf der Hans-Jakob-Tribüne. Dort kleben sie regelmäßig am Zaun, während hinter ihnen das Fahnenmeer tobt.

Die Söhne fanden einiges „cool“

„Cool“ finden sie die Stimmung bei den Ultras, am besten noch in einem ausverkauften Stadion. Und das 4:0 gegen Duisburg sei heuer so ziemlich das Abgezockteste gewesen, schreiben die Jungs in einem kleinen Erlebnisaufsatz für die MZ. Cool sei natürlich auch der Aufstieg gewesen, als sich der Jahn beim Rückspiel in München die Fahrkarte Richtung 2. Liga sicherte „und die Sechzger-Fans vor lauter Frust Sitzschalen auf das Spielfeld geschmissen haben“.

Urgroßvater Karl Eckl hätte sich sicher darüber gefreut, dass seine Nachkommen so überzeugte Anhänger des Jahn sind, beide Buben beim TSV Großberg Fußball spielen und Vincent zudem ins Talent-Training beim Nachwuchs der Rothosen geht. Vor 90 Jahren war Eckl knallharter Verteidiger beim Jahn, später auch Trainer. Das Jahn-Gen liegt also in der Familie, schon in dritter und vierter Generation.

Was ist 2017 in Regensburg passiert? Klicken Sie sich durch unsere Chronologie:

Vorsicht bleibt dennoch die Mutter der Porzellankiste. „Am 30. Mai sind wir nicht nach München gefahren, weil ich abergläubisch bin und schon zu viele Niederlagen live erlebt habe“, erinnert sich Jack Diewald an den Tag, an dem der Durchmarsch von der Regionalliga in Liga zwei gelang und Fußball-Regensburg kopfstand. Er und seine Söhne verfolgten das Spiel der Spiele am Bildschirm im heimischen Keller und konnten es kaum fassen, dass auf ihren nächsten Dauerkarten das Logo der Zweiten Fußball-Bundesliga aufgedruckt sein sollte. Jedenfalls war der zweite Aufstieg in Folge das prägende Erlebnis des Jahres 2017: „Ich hab das Spiel auch noch nicht gelöscht auf dem Rekorder“, hält Jack Diewald an dieser Erinnerung fest.

„Das war eindeutig das Highlight. Die rote Wand in der Allianz Arena war gigantisch“, schwärmt er noch heute. Dabei war er vorher eher skeptisch. „Dass die tatsächlich aufsteigen, hab ich bis zum Schluss nicht geglaubt. Als feststand, dass es gegen Sechzig geht, hab ich gedacht: prima, volles Stadion, aber das wird schwer.“ Selbst nach dem 1:1 im Hinspiel überwogen Zweifel. „Gerade auswärts ist so etwas ja oft schiefgegangen. Man kennt ja den Jahn.“

Fan bis hin zum Kennzeichen: Die Eins von „Jahn Regensburg 1889“ fehlt nur, weil es keine vierstelligen Ziffern gibt.
Fan bis hin zum Kennzeichen: Die Eins von „Jahn Regensburg 1889“ fehlt nur, weil es keine vierstelligen Ziffern gibt.

Wie intensiv die männlichen Diewalds mitgefiebert haben, zeigt eine Episode aus dem Sommer. „Da waren wir im Urlaub im Chiemgau“, erzählt Jack, der selbst nie Fußball gespielt, es aber als Volleyballer bis zur Landesliga gebracht hat. „Zum Heimspiel gegen Kiel sind wir extra raufgefahren und anschließend wieder zweieinhalb Stunden zurück an den Chiemsee.“ Geholfen hat die Urlaubsunterbrechung nicht: Der Jahn „spielte grottenschlecht“ und verlor die Heimpartie mit 1:2.

Die zwei Gesichter des Jahn

„Das zweite Gesicht des Jahn“ habe man dabei gesehen, wie etwa auch im Pokalspiel gegen Heidenheim oder im Punktspiel gegen St. Pauli. Ganz anders bleiben beim Fan-Trio aus dem Stadtsüden dagegen andere Spiele in Erinnerung: „Vielleicht nicht unbedingt fußballerisch, aber kämpferisch waren das Spiel in Ingolstadt (4:2 für den Jahn) und das Pokalspiel gegen Darmstadt (3:1) herausragend.“

Unter dem Strich sei 2017 ein tolles Jahr für den Jahn und seine Anhänger gewesen. Und es habe sich auch gezeigt, wie wichtig das neue Stadion für den Profifußball in Regensburg ist. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die zwei Aufstiege hintereinander im alten Jahnstadion geklappt hätten“, hält Diewald der leiser werdenden Kritik am neuen Fußballtempel im Süden der Domstadt entgegen. Der habe „eine unglaubliche Euphorie entfacht“. Zusammen mit den deutlich professionelleren Klub-Strukturen sei man auf einem guten Weg. „Und wenn das Operetten-Publikum auf der Promi-Tribüne auch noch mitmachen würde, wäre auch die ohnehin schon gute Stimmung noch besser.“

Opa war ein Weggefährte von Hans Jakob

  • Die Jahre von 1926 bis 1945

  • werden in der Historie von Jahn Regensburg als die Ära von Hans Jakob geführt. Heute ist die Südtribüne der Continental Arena nach dem ehemaligen Rekord-Torhüter der Nationalmannschaft benannt.

  • Einer von Jakobs Vorderleuten

  • war in den späten 20er- und frühen 30er-Jahren Karl Eckl. Den darf man auch als Urgestein bezeichnen, hatte er doch zusammen mit Hans Jakob und dem zweiten Innenverteidiger Josef Eichhammer jahrelang die als „Regensburger Trio“ gefürchtete Defensive der Rothosen gestellt.

  • Karl Eckl

  • bildete nach seiner Zeit als Spieler zusammen mit seinem Weggefährten Hans Jakob auch ein Trainerduo. Von der Saison 1935/36 bis 1944 war Eckl Cheftrainer, Jakob nach seiner Karriere als Nationalspieler zeitweise Co-Trainer beim Jahn. Und nach dem Krieg übernahm Eckl, der Großvater von Jack Diewald, erneut Verantwortung – als Trainer in der Spielzeit 1946/47.

  • Diewald erinnert sich:

  • „Ich habe ihn leider nicht mehr erlebt. Aber von meiner Oma, Luise Eckl, bin ich mit Geschichten und Fotos aus seiner Zeit beim Jahn versorgt worden.“(nl)

Bei den Erwartungen an das Saisonende gehen die Meinungen dann aber doch auseinander. Vincent hofft unbekümmert auf einen weiteren Aufstieg ins Oberhaus, Louis wäre mit einem Platz unter den ersten sechs zufrieden, der Vater bleibt vorsichtig: „So schnell wie möglich 40 Punkte sammeln und mit dem Thema Abstieg nichts zu tun haben.“

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht