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Kirchenmusik als pastorale Aufgabe

Diakon Thomas Steffl entwickelt in der Regensburger Pfarrei St. Franziskus Projekte: Orgelspiel wird künftig zentral sein.
Von Roland Ebner

„FranzBrass“ mit Thomas Steffl (links), Julia Specht und Simon Bauch beim großen Jubiläums-Auftritt im Alten Rathaus. Foto: Stadt Regensburg, Effenhauser
„FranzBrass“ mit Thomas Steffl (links), Julia Specht und Simon Bauch beim großen Jubiläums-Auftritt im Alten Rathaus. Foto: Stadt Regensburg, Effenhauser

Regensburg.Jetzt ist er nicht mehr ganz so neu, der neue Diakon von St. Fanziskus und Harting. „Vielseitige Begabung“ hat Pfarrer Franz Ferstl dem Thomas Steffl schon bei Amtsantritt vor gut zwei Jahren bescheinigt (wir berichteten). Und genau das hat der jetzt 52-Jährige inzwischen unter Beweis gestellt – nicht zuletzt auf musikalischem Gebiet.

Neben dem eigentlichen Altardienst „kann Kirchenmusik nämlich durchaus zur pastoralen Aufgabe eines Diakons zählen“, freut sich Steffl im Gespräch mit der MZ. Verpflichtend sei diese zwar nicht, für ihn jedoch ein Anliegen, dem er sich mit Hingabe widmet. Als „großes Vorbild“ in dieser Hinsicht nennt er Ephräm den Syrer, einen Heiligen des dritten Jahrhunderts, der als Diakon Frauenchöre gegründet habe.

Über Religionsgrenzen hinweg

Und just diesem morgenländischen Musikus folgt Thomas Steffl. Allerdings beschränkt sich sein Wirken nicht nur auf die weiblich-musikalische Komponente. Er hat sich diesbezüglich der „klassischen Chorgemeinschaft von Männern und Frauen“ verschrieben. Einen „Kirchenchor“ gab es in St. Franziskus zwar „schon seit vielen Jahren“. Steffl jedoch hat ihn jetzt umbenannt in „FranziskusSingers“, wegen des deutlichen Anklangs zum Namen der Pfarrei.

„13 Menschen, die gerne singen“, gehören ihm an. Den gemeinsamen Gesang versteht Steffl auch als „Wiederentdeckung von Musik als universeller Sprache über die Religionsgrenzen hinweg und so als Beitrag zur Ökumene“. „Wenn der Sänger einmal begeift, weshalb ein Komponist genau so und nicht anders komponiert hat, wenn Text und Musik eine Einheit bilden, dann kann der Sänger seine Musikalität passend umsetzen.“

In diesem Sinne widmet Steffl sich auch der Jugendband von St. Franziskus: „Effata“ (Öffne!) musiziert ebenfalls schon seit längerer Zeit vor Ort. Jugendliche und junge Erwachsene üben sich hier in Chor- und Instrumentalmusik bei der Gestaltung von Gottesdiensten. Vor allem neues geistliches Lied, sogenannte Lobpreislieder, stehen auf dem Notenblatt.

„Der Herrgott hat mir musikalisches Talent geschenkt“

Diakon Thomas Steffl

Der Klage über „Auflösungserscheinungen der Chöre im Bistum Regensburg“ (wir berichteten kürzlich) möchte sich Diakon Steffl keinesfalls anschließen angesichts der „kirchenmusikalischen Landschaft in Burgweinting“. Der nach wie vor starke Zuzug in den Stadtteil sichere ihm genügend „Nachschub“. So will er zum Beispiel gleich im Januar mit den „FranziSingers“ einen neuen Kinderchor ins Leben rufen. „Singen mit religiösem Tiefgang“ ist angesagt im neuen Jahr. Aber der „Spaß am gemeinsamen Musizieren“ soll für die Grundschüler im Vordergrund stehen. Bei der Gestaltung von Gottesdiensten dürfen die kleinen Goldkehlchen dann mitwirken.

Nun ja, mit all dem fühlt sich der hauptamtliche Diakon offensichtlich noch nicht ausgelastet. Zu seinem Amtsantritt vor zwei Jahren hat er der Pfarrei die „FranzBrass“ geschenkt. Dieses Blechbläserensemble erfreut mit einem Baritonhorn (Simon Bauch) und zwei Trompeten (Julia Specht und eben Thomas Steffl selbst). Unter anderem umrahmten die drei den Festakt anlässlich „40 Jahre Eingemeindung von Burgweinting in das Stadtgebiet Regensburg“.

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All dies wird „geleitet durch ein Team professioneller Musiker“, lacht Thomas Steffl und erklärt: „Das Team besteht aus meiner Frau und mir.“ Das reicht wohl auch: Die Ursula ist studierte Kirchenmusikerin mit den Fächern Orgel und Gesang und unterrichtet an der Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg. Der Thomas ist unter anderem Absolvent des Richard-Strauss-Konservatoriums in München mit Trompete als Hauptfach. Bei den Regensburger Domspatzen unterrichtete er die Fächer Trompete, Klavier, Blechbläser und Orgel. Als Berufsmusiker war er ebenfalls unterwegs, war auch Mitglied und künstlerischer Leiter verschiedener Ensembles.

Orgel als Kristallisationspunkt

Und immer wieder Orgel: Die hat‘s dem Steffl besonders angetan. Ein „Orgelprojekt“ will er aus der Taufe heben, „die Königin der Instrumente in Burgweinting neu definieren“. Hintergrund ist der diözesanweite Orgel-Schnuppertag gewesen, der im Herbst 2016 stattfand. Thomas Steffl hat sich mit verschiedenen Angeboten beteiligt. Allerlei Interessenten haben seinerzeit das Instrument ausprobiert. „Ein Mädchen ist sogar bis heute dabeigeblieben“, freut sich Steffl.

Und weil das Bistum jetzt auch die Orgel-Ausbildung fördert, sieht Steffl hier Potenzial für sein Projekt. Überdies soll St. Franziskus in zwei bis drei Jahren eine neue Orgel erhalten. Bis dahin will Steffl eine „neue Struktur des kirchenmusikalischen Schaffens“ erstellt haben, „weil ja die Orgel wesentlicher Mosaikstein in der Kirchenmusik ist, quasi ihr Kristallisationspunkt“. Als Ziel schwebt ihm „die lebendige kirchenmusikalische Pfarrei“ vor. Und damit schließt sich der Kreis zu den pastoralen Aufgaben eines Diakons.

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Das alles erfordert Einsatz. Über große Arbeitsbelastungen möchte der Diakon dennoch nicht klagen: „Ich bin leidenschaftlicher Musiker und betreibe seit 40 Jahren Kirchenmusik.“ Steffl versteht sein Engagement so als „Ausgleich zu den alltäglichen Berufsanforderungen wie zum Beispiel den Schulunterricht“. Sein Engagement erlebe er „als missionarische Aufgabe hinsichtlich kultureller und somit zivilisatorischer Vergesellschaftung“. Dies ist für ihn auch Verpflichtung: „Der Herrgott hat mir gleich zwei Talente geschenkt – freudiger Einsatz im Diakonat und meine Musikalität.“

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Predigt und Musik

  • Die Diakone

    assistieren dem Priester bei der Eucharistiefeier, verkünden hier das Evangelium und dürfen auch predigen.

  • Sie können

    taufen, Trauungen und Begräbnisfeiern leiten aber auch Wortgottesdienste feiern und Kommunion und Segnungen spenden.

  • Pastorale Aufgabe

    kann auch die Kirchenmusik sein, ist aber nicht verpflichtend. (Quelle: Wiki/er)

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