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Meine Reise in das Jahr 14 277

Ein Wischer über das iPhone und schon ist man in die Zukunft gereist. Und auch in 122 Jahrhunderten lauern Termine.
Ernst Waller

Eine Reise in das Jahr 14 277 ist mit einem Smartphone-Kalender quasi im Handumdrehen passiert. Foto: Grebler
Eine Reise in das Jahr 14 277 ist mit einem Smartphone-Kalender quasi im Handumdrehen passiert. Foto: Grebler

Regensburg.Der Jahreswechsel ist immer auch Gelegenheit, Rückschau zu halten, Bilanz zu ziehen und einen Blick in die nahe Zukunft zu riskieren. Auch ich habe in die Zukunft geblickt. Weit in die Zukunft. Ich wage zu behaupten, ganz weit. Irre weit.

Das kam so: 2018 steht an, da schaue ich doch mal in den Kalender meines iPhones. Auf welchen Tag fällt mein Geburtstag? Wann sind Ferien? Wann ist jetzt gleich noch mal dieser nervige Termin? Solche Sachen halt. Mein Kalender gibt umfassend Auskunft. Danke dafür.

Dann ist es passiert: Ich will ausschalten und schwups wische ich versehentlich übers Display, die Zahlen des Kalenders rauschen nur so über das iPhone-Fenster. Sieht aus wie bei einem Glücksspielautomaten, doch irgendwann herrscht Ruhe auf dem Bildschirm. Ich bin im Jahr 2048 gelandet. Mit einem einzigen Wischer bin ich in die Zukunft geflogen, habe in Sekundenschnelle 31 Jahre überbrückt – Spock und Kirk sind lahme Enten.

Eigentlich habe ich ja zu tun, aber neugierig bin ich auch. Na ja: Ich riskiere noch ein paar Wischer: 3021, 3057, 4012. Wow: Ist mein iPhone vielleicht schlau. Jetzt gibt’s kein Halten mehr, ich will es wissen: 4056, 4088, 5567, 8900, 10 342. Mühelos knacke ich die 10 000-Marke. Himmel aber auch: Ich dachte, spätestens da ist Schluss.

Die Finger schmerzen vom Wischen

Doch mein iPhone macht weiter: 11976, 12 453, 14 277: Jetzt erst mal durchschnaufen. Meine Finger schmerzen vom Wischen. Wir schreiben das Jahr 14 277. Sitzen Sie? Gut. Sie werden es mir nicht glauben, aber es ist wahr: Ich habe Termine im Jahr 14 277. Wirklich und es sind nicht zu wenige. Zum Beispiel am 9. Januar: Themenbesprechung steht da, 11 Uhr, Besprechungszimmer. Oder am 22. Februar: Quartalstreffen mit den Lokalchefs, 10 Uhr. Im Konferenzraum 4, falls Sie dazustoßen wollen. Ach ja und dann der leidige 7. Mai: Da will mein Chef den Monatsbericht. Stopp! Geht nicht, da habe ich einen Arzttermin. Sie glauben mir nicht? Wohl noch nie was von Terminserien gehört.

„August 14 277: Mein Geburtstag fällt auf einen Sonntag. Das trifft sich gut, ich lade Sie ein, außer der Jahn spielt.“

August 14 277: Mein Geburtstag fällt auf einen Sonntag. Das trifft sich gut, ich lade Sie ein, außer der Jahn spielt. Da schaue ich immer zu. Ich feiere übrigens dann meinen circa 12 000. Geburtstag. Und wenn Sie mit mir einen Termin im September 14 277 ausmachen wollen, gerne: Aber bitte nicht am 3., da bin ich turnusmäßig am Stammtisch. Doch sonst hab ich frei, Sie haben die Wahl.

Ich reise weiter in die Zukunft: Geht das jetzt immer so weiter, Jahr für Jahr, Jahrhundert für Jahrhundert, Jahrtausend für Jahrtausend? Oder sagt dann doch irgendwann irgendein Satz aus dem Dschungel der Mathematik „Stopp! Bis hierher und nicht weiter“ so wie Einstein uns mit seiner Relativitätstheorie einfach nicht erlauben will, schneller als mit Lichtgeschwindigkeit zu fliegen? Jetzt muss die Wissenschaft helfen.

Theoretisch könnte der Kalender bis ins Unendliche gehen

Ich greife zum Hörer und rufe an der Uni an. Reicht der Kalender meines Smartphones bis ins Unendliche?, will ich wissen. Bis ins Unendliche nicht, sagt Professor Dr. Helmut Abels von der mathematischen Fakultät. Die Mathematik selbst ist hier zwar sehr generös, setzt dem Ganzen keine Grenzen und theoretisch könnte der Kalender somit bis ins Unendliche gehen. Doch die Speicherkapazität des Smartphones ist irgendwann erschöpft, erläutert der Mathematiker. Auch die Darstellungsmöglichkeiten auf dem Display reichen nicht bis ins Unendliche.

Wobei: Vielleicht könnte man sich da ja mit der Potenzschreibweise behelfen, denke ich, nach dem Muster: Im Jahr 34 596 hoch 12 oder so. Egal: Ich will wieder heim, zurück ins Jahr 2017. Das geht ganz einfach: Einmal auf „heute“ drücken, das war’s dann auch schon.

Morgen mache ich nur eine kurze Reise, schau mich mal im Jahr 2080 um. Bin gespannt: Ob dann der Berliner Flughafen schon eingeweiht ist?

Wollen Sie lieber einen Blick zurück werfen? Dann schauen Sie sich doch in unserer Chronologie zum Jahr 2017 um:

Alle Teile des Jahresrückblicks 2017 aus Regensburg finden Sie hier!

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