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Schicksalsjahr für Regensburgs Politiker

Die Bürgermeisterin arbeitet für Drei. Dr. Astrid Freudenstein erlebt eine Enttäuschung und drei Männer ziehen nach Berlin.
Von Marion Koller

Beinahe rund um die Uhr im Rathaus: Gertrud Maltz-Schwarzfischer Fotos: Petra Schmid, altrofoto.de (3)
Beinahe rund um die Uhr im Rathaus: Gertrud Maltz-Schwarzfischer Fotos: Petra Schmid, altrofoto.de (3)

Arbeitsreiches Jahr: Gertrud Maltz-Schwarzfischer

Gertrud Maltz-Schwarzfischer hat das wohl entscheidendste Jahr ihres politischen Lebens gemeistert. Im Januar sprang die Sozialbürgermeisterin für den in der Korruptionsaffäre suspendierten OB Joachim Wolbergs ein, im Juli übernahm sie wegen der Krebserkrankung von Jürgen Huber auch dessen Umwelt-Direktorium. Seitdem hat sich die Mutter zweier erwachsener Söhne nur kurze Auszeiten gegönnt. Sie gilt als disziplinierte Arbeiterin. Im Stadtrat umschifft sie Angriffe der CSU, indem sie erst gar nicht darauf eingeht, sondern ihre Referenten mit Sachargumenten zu Wort kommen lässt. Die Regensburger schätzen ihre unprätentiöse Art. Gertrud Maltz-Schwarzfischer ist keine Sonnenkönigin, der es vorrangig um die Karriere geht, sondern sie erfüllt ihre Pflicht. Jetzt eben an der Spitze der Stadt.

Mit entspannter Miene erlebt man die 57-Jährige nur auf Festen. Bei der Blauen Nacht der Rewag gab es so einen Moment. Sie lehnte plaudernd und rauchend an der Theke des „Parkside“.

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Für 2018 hofft sie, dass die Stadt bei den Planungen für das Areal zwischen Hauptbahnhof und Ernst-Reuter-Platz einen entscheidenden Schritt geht. Die Bürgermeisterin nimmt sich – nach heftiger Kritik an der Bürgerbefragung – vor, die Regensburger so einzubinden, dass sie sich ernstgenommen fühlen. Ein „Maßnahmenpaket soll die Stadt in ökologischer Hinsicht fit für die Zukunft machen“. Das soziale Klima ist ihr wichtig. Egal, ob es um Familien, um ältere Menschen, Migranten oder Studierende geht. Die Wünsche für 2018: Gertrud Maltz-Schwarzfischer hofft, dass sich Umweltbürgermeister Jürgen Huber erholt.

Für die Stadt wünscht sie sich, dass diese weltoffen und erfolgreich bleibt. Dass sie sich in Sachthemen vertiefen und eine Verwaltung leiten kann, hat die Sozialdemokratin gezeigt. Noch fehlen Visionen für Regensburg.

Enttäuschung: Astrid Freudenstein

Kehrt zurück an die Universität Regensburg: CSU-Stadträtin Dr. Astrid Freudenstein
Kehrt zurück an die Universität Regensburg: CSU-Stadträtin Dr. Astrid Freudenstein

Schon am Wahlabend ahnte der Shooting Star der Regensburger CSU, dass es auf dem Listenplatz diesmal nicht klappen würde mit dem Bundestagsmandat. Der Wahlkampf ihrer Partei sei nicht gut gelaufen, sagt Dr. Astrid Freudenstein. „Traurig ist es aber schon, dass vor allem weibliche Abgeordnete der Union ihr Mandat verloren haben und dafür jetzt die Herren der AfD und FDP im Parlament sitzen.“ Die kümmerten sich kaum um Behinderten- und Kulturpolitik wie sie selbst. „In Regensburg sagen mir viele Menschen, wie schade sie es finden, dass ich nicht mehr in Berlin bin“, erzählt die 44-Jährige. Sie wusste, dass ihr Mandat nicht sicher war. Doch für sie als Frau aus einer Großstadt und ohne Parteilaufbahn, sei es doppelt schwer, ein Mandat zu erringen. Freudensteins will sich auf das Stadtratsmandat konzentrieren. Bei einem früheren Interview hat sie zum Thema OB-Wahl gesagt, in der Domstadt sei die Zeit wieder reif für eine Frau. Doch auch das Türchen in den Bundestag könnte sich noch öffnen. Da Joachim Hermann als Abgeordneter und Minister in Bayern bleiben will, wäre Freudenstein die erste Nachrückerin, falls ein MdB der CSU ausscheidet. Sie sagt: „Über meine weitere politische Laufbahn mache ich mir keine Gedanken. Eine politische Laufbahn ist nicht planbar. Ich nehme es, wie es kommt.“ Zurzeit „sortiert sie so ein bisschen“ ihr Leben und liest sich wieder in ihr Fach, die Medienwissenschaft, ein. Zum Sommersemester wird die Mutter eines 13-Jährigen als Akademische Rätin an den Lehrstuhl für Medienwissenschaft zurückkehren. „Ich war vorher gerne an der Uni und werde wieder gerne dort sein.“

Abschied und Neuanfang: Peter Aumer

Wechselt zum zweiten Mal in die Bundeshauptstadt: Peter Aumer (CSU) aus Ramspau
Wechselt zum zweiten Mal in die Bundeshauptstadt: Peter Aumer (CSU) aus Ramspau

Der CSU-Abgeordnete hat das Jahr 2017 als spannend und schnell erlebt. Jetzt belastet ihn die ungewisse Situation in Berlin. Er hofft, dass eine stabile Regierung zustande kommt. „Dass wir für unser Land etwas erreichen, ist das Wichtigste“, sagt der 41-Jährige. Jeder infrage kommende Koalitionär müsse sich der Verantwortung bewusst sein, auch die SPD. Im Alltag reist Peter Aumer zwischen dem Wohnsitz in Ramspau, dem Regensburger Wahlkreisbüro und Berlin hin und her. „Ich richte meine Büros ein“, erklärt der ledige Diplom-Betriebswirt. Als kleinen Erfolg auch für sich verbucht er die Baufreigabe für die sechsspurige Autobahn A 3. „Verkehrsthemen werden Schwerpunkt der Legislaturperiode sein“, kündigt Aumer an, dem der Abschied von seinem Arbeitgeber, dem Bayernwerk, schwer fiel, auch wenn er sich auf die neuen Aufgaben freut.

Zwei Neuanfänge: Stefan Schmidt

Hat nach vierjähriger Arbeit für Abgeordnete den Sprung in den Bundestag geschafft: Stefan Schmidt
Hat nach vierjähriger Arbeit für Abgeordnete den Sprung in den Bundestag geschafft: Stefan Schmidt

Für den 36-Jährigen war 2017 wegen der knappen Wahl in den Bundestag ein aufregendes Jahr. Aufregend wird wohl auch 2018 werden, denn der Grünen-Abgeordnete und seine Frau erwarten das erste Kind. Der Mittelschullehrer, der die letzten vier Jahre für Bundestagsabgeordnete seiner Partei tätig war, ist jetzt selbst ins Jakob-Kaiser-Haus gleich neben dem Berliner Reichstag gezogen. „Ich versuche, möglichst viel Zeit im Wahlkreis zu verbringen, aber ich muss auch hier Mitarbeiter einstellen und das Büro einrichten“, erklärt er. Zurzeit setzt sich Schmidt mit der bayerischen Drogenpolitik, mit Verbraucherschutzthemen wie dem Kita-Essen und mit besseren Bahnverbindungen nach Prag und Hof auseinander. Die Prag-Strecke soll schneller, die nach Hof elektrifiziert werden.

Überraschungserfolg: Ulrich Lechte

Hat es zu seiner eigenen Überraschung nach Berlin geschafft: Ulrich Lechte (FDP)
Hat es zu seiner eigenen Überraschung nach Berlin geschafft: Ulrich Lechte (FDP)

Der FDP-Politiker hat das Jahr als „Achterbahn“ erlebt. Zunächst die Freude über den überraschenden Einzug in den Bundestag, dann starb im November seine 85-jährige Mutter. „Das hat das Jahr sehr getrübt“, sagt Lechte (40). Seine Wahlkreisbüros hat der Berater einer Rechtsanwaltskanzlei in der Regensburger Spiegelgasse, in Schwandorf und Weiden eingerichtet. Zurzeit baut er Kontakte zu den Verbänden auf. „Von den Gewerkschaften bis zum Deutschen Zweiradverband: In Berlin gibt es so viele Lobbyisten.“ Die Situation der Flüchtlinge liegt ihm am Herzen, deshalb hat er eine Bundestagsanfrage zum UNHCR (UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge) gestellt, der sich weltweit um Flüchtlingslager kümmert. Die Organisation soll die Mittel erhalten, um die Camps gut zu versorgen. Im Januar werden die Ausschusssitze im Parlament vergeben. Lechte strebt den Auswärtigen Ausschuss an.

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