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Bledl Bladl

40 Jahre alternative Fakten

Das Bledl Bladl der Jungen Union Abensberg feiert einen runden Geburtstag. Die Faschingszeitung ist eine Erfolgsgeschichte.
Von Wolfgang Abeltshauser

Beim Faschingsgillamoos preisen die Straßenverkäufer das Werk an. Foto: Thaler/Archiv
Beim Faschingsgillamoos preisen die Straßenverkäufer das Werk an. Foto: Thaler/Archiv

Abensberg.Die erste Schlagzeile hatte gleich Sprengkraft. „Alfons Kistler wird Ministerpräsident“ bekamen die Abensberger am Faschingsgillamoos vor 40 Jahren zu lesen. Keine Sorge: Franz Josef Strauß blieb in der Staatskanzlei. Und Kistler Bürgermeister der Babonenstadt. Doch davon später. Auch die Ankündigung, Abensberg dürfe Olympische Spiele ausrichten, erfüllte sich nicht. Es war die Geburtsstunde des „Bledl Bladls“. Die legendäre Faschingszeitung feiert heuer einen runden Geburtstag. Sie hat bis heute viele weitere fantastische Schlagzeilen geliefert.

In den Anfangsjahren war Martin Neumeyer so etwas wie der Chefredakteur des Blattes. Ein Posten, der anscheinend gut ist für die Karriereleiter. Es ist ja bekannt, wohin das den eingefleischten Faschingsfreund letztendlich geführt hat. Seinerzeit gehörte er zum Vorstand der Jungen Union – gemeinsam mit Mitstreiter wie Hans Maier und Bernhard Schretzlmeier.

Manchmal macht die JU sogar mit der Konfettikanone auf ihr Bladl aufmerksam. Foto: JU
Manchmal macht die JU sogar mit der Konfettikanone auf ihr Bladl aufmerksam. Foto: JU

Schon damals war der Faschingsgillamoos ein Selbstläufer. Und viele Organisationen und Vereine waren mit von der Partie. „Wir wollten etwas bieten, was die anderen nicht hatten.“ Also mehr als den Extraschnaps am Verkaufsstand. „Ich hatte die Idee“ – resümiert Neumeyer. Einige Wochen vor dem Termin. Fast schon Tag und Nacht wurde daran gearbeitet. So viel, dass der heutige Landrat nicht an weitere Auflagen dachte. Es kam anders – auch weil die Abensberger scharf darauf waren und sind. Viele würden am frühen Dienstagmorgen schon warten, bis die Bäckereien öffnen. Denn dort wird das Blatt Tag zuerst verkauft.

Die Sache mit dem Druck

Die Premiere war trotzdem fast ein Fiasko. Die Protagonisten kündigten ihre Faschingszeitung an. Wollten sie zur populären Stunde so gegen 22 Uhr am Rosenmontag beim Faschingsball im Hofbräu dem Volk präsentieren. Aber: Erfahrungswerte gab es noch keine. Der Druck, der eben an diesem Abend über die Bühne ging, dauerte länger als gedacht. „Es war dann zwei Uhr am Morgen, aber viele Leute waren geblieben.“ Weil sie so neugierig waren. Was sich seit heute nicht geändert hat.

Ein wenig schien den Jungredakteuren ihr Erfolg in den Kopf gestiegen zu sein. Schickten sie doch eine Ausgabe zum richtigen Ministerpräsidenten. Der zeigte sich aber auch als Faschingsfreund – und schrieb zurück: Er halte nichts von den Abensberger Annektionsplänen. Während der ersten Jahre bestand das Redaktionsteam aus besagten drei Zeitgenossen. Dabei entwickelten sie verschiedene Talente. Während Neumeyer eher der Schreiber war, stellte sich Schretzlmeier als kreativer Kopf heraus. Und bastelte die Fotomontagen. Da kam seinerzeit noch die Rasierklinge zum Einsatz. Verschiedene Papierschnipsel wurden da per Hand zusammengesetzt.

Niklas und Martin Neumeyer beim haben großen Spaß mit den Ausgaben vergangener Jahre. Foto: Abeltshauser
Niklas und Martin Neumeyer beim haben großen Spaß mit den Ausgaben vergangener Jahre. Foto: Abeltshauser

Heutzutage macht das längst moderne Computerttechnik.. Aus der ursprünglichen Auflage von 600 Stück sind über tausend geworden. Nur der „Chef“ heißt immer noch Neumeyer – mittlerweile Niklas mit Vornahmen. Der arbeitet mit einer richtigen Redaktionsmannschaft. „15 Leute sind wir schon.“ Und die betreiben einen deutlich höheren Aufwand als noch die ältere Generation. Nach dem Gillamoos gibt es wöchentlich eine Sitzung. Da geht es um die Werbeanzeigen. Die am besten den Erfolg des Bladls nachzeichnen. Mittlerweile sind in jeder Ausgabe über hundert zu finden. „Die Firmen freuen sich, dabei zu sein“, betont Niklas Neumeyer. Es kämen sogar auswärtige Unternehmer, um ihm ihre Visitenkarte in die Hand zu drücken. Mit der Bitte, in der kommenden Ausgabe ein Plätzchen für ihren Betrieb bereitzuhalten. Es gilt zu betonen: Die Unternehmen zahlen – und geben nur ihr Logo. Auf den Text haben sie keinen Einfluss. Niklas Neumeyer ist da dankbar für das Vertrauen. Und die allermeisten würden sich danach auch freuen.

Ein anderer Komiker

  • Aktuelle Ausgabe:

    Die Schlagzeile für dieses Jahr hat und das Redaktionsteam schon einmal verraten. Und die ist ein Hammer: Der amerikanische Präsident Donald Trump kommt nach Abensberg. Für Niklas Neumeyer ist es eine klare Sache: „Einen Komiker brauchen wir, nachdem Wolfgang Krebs für den Gillamoos abgesagt hat.“

  • Auflage und Preis

    : 1300 Exemplare haben Neumeyer und seine Mannschaft heuer drucken lassen. Der Preis für ein Exemplar ist ein wenig gestiegen. Er steht heuer bei zwei Euro. Aber die lohnen sich! (wo)

Obwohl: Es gibt sie – die Gerüchte, die Bledl-Bladl-Macher standen schon vor Gericht wegen ihrer Texte. „Das stimmt nicht“, betonten die Neumeyers. Wobei es schon Drohungen mit dem Anwalt gab. Bisher habe das aber immer mit netten Telefonaten abgewendet werden können. Und guten Konditionen für die nächste Anzeige..

Die Ausnahme

Jedoch: Einmal war dann doch ein Zeitgenosse so beleidigt, dass er nie wieder mit den Bladl-Machern reden wollte. Es ging um einen Bankenchef und das Thema Schwarzgeld. „Der hat uns nicht mehr angeschaut.“ Auch eine Festkönigin aus einer Nachbarstadt sei da zu nennen. Aber da habe sich der Zorn wieder gelegt. Viel häufiger seien aber diejenigen, die sich freuen. Der Georg Beckenbauer fällt Neumeyer senior da ein. Der sei nie böse gewesen – und habe sich bestens für alle möglichen Situationen geeignet. Bei der Besprechung des Bledl Bladls sind wir im redaktionellen Texten angekommen. Da gebe es keine Vorgaben. Jeder des Redaktionsteams dürfe da laut Neumeyer junior tätig werden.

Die Bledl Bladl Macher sind der Meinung: Satire darf vieles – auch das. Es ist ein Bezug auf Schlagzeilen in Frankreich nach dem Terroranschlag mit vielen Toten auf eine Satirezeitung. Foto: Abeltshauser
Die Bledl Bladl Macher sind der Meinung: Satire darf vieles – auch das. Es ist ein Bezug auf Schlagzeilen in Frankreich nach dem Terroranschlag mit vielen Toten auf eine Satirezeitung. Foto: Abeltshauser

Und so war es auch heuer bei der großen Redaktionskonferenz spannend. Die findet immer am Unsinnigen Donnerstag in den Räumen der Druckerei Kelly statt. Da bringt ein jeder seine Werke mit. Und danach werde gemeinsam entschieden, welche Storys es ins Blatt schaffen. „Im Zweifel wird abgestimmt“, beschreibt es der Chef. Die Namen der Autoren werden auch diesmal wieder anonym bleiben. Von dieser Tradition will niemand abweichen.

Das ist die Schlagzeile für dieses Jahr: Und sie ist wieder einmal ein Hammer. Foto: Abeltshauser
Das ist die Schlagzeile für dieses Jahr: Und sie ist wieder einmal ein Hammer. Foto: Abeltshauser

Ein bisschen was haben uns die Macher schon verraten: Die Schlagzeile für dieses Jahr ist ein Hammer: Sie lautet: „Trump kommt nach Abensberg.“ Für Niklas Neumeyer ist es eine klare Sache: „Einen Komiker brauchen wir, nachdem Wolfgang Krebs abgesagt hat.“ Das Bledl Bladl des Jahres 2018 hat eine Auflage von 1300 Stück und wird zum Einzelpreis von zwei Euro verkauft.

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