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Historie

90 Jahre Motorsport-Liebe pur

Schwierigen Anfängen folgten goldene Jahre – der MSC Abensberg feiert 90. Geburtstag. Vor allem Speedway prägt den Verein.
von Benjamin Neumaier

  • Gerade in den 60er und 70er Jahren war das Speedwayrennen in Abensberg ein Publikumsmagnet – es kamen bis zu 20 000 Zuschauer. Foto: Chronik MSC Abensberg
  • Mehrmals betrieb der MSC auch eine Kart-Abteilung – durchaus auch mit Erfolg. Foto: Chronik MSC Abensberg
  • Mehr als 6000 Schüler haben mit dem MSC-Fahrradturnieren Verkehrssicherheit geübt. Foto: Chronik MSC Abensberg

Abensberg.Die Liebe zum Kraftfahrzeug, Aufgeschlossenheit für Technik, Begeisterung für den Motorsport und kameradschaftlicher Geist sind die Gesinnung, die unsere Mitglieder verbinden“. So formulierten die Vorsitzenden Max von Braunmühl und Bernd Gleich die Triebfedern des MSC Abensberg in der Festschrift zum 60 Jubiläum des Vereins im Jahr 1988.

An diesem Statement habe sich auch 30 Jahre später – der MSC begeht heuer sein 90. Jubiläum – nicht viel geändert, sagt MSC-Funktionär Bernhard Härtinger. „Gerade in den Wochen vor dem Speedwayrennen – dem Jahreshöhepunkt – ist bemerkbar, wie gefestigt der MSC ist. Da packen viele Hände mit an. Kameradschaftlich stimmt es. Aber wir sind natürlich in erster Linie alle motorsportnarrisch – sonst könnten wir ja auch im Schachklub sein.“ Härtinger fügt dem Statement aber noch einen Satz hinzu: „Wir sind aber vor allem Idealisten.“

Stadion in Windeseile gebaut

Besonders 1949 trat der überdeutlich ans Tageslicht. Am 27. Januar 1949 riefen 41 Mitglieder den Verein wieder ins Leben – in den Wirren des Zweiten Weltkriegs war das Vereinsleben zum Erliegen gekommen. Gleich in ihrer ersten Sitzung setzten sich die Neugründer um Senator Josef Stanglmeier ein Denkmal: Sie beschlossen, den Abensberger Sportplatz in eine Sandbahn umzubauen, „auf der Motorradrennen durchgeführt werden können“. Dazu planten sie eine Steh- und Sitzplatztribüne. Doch der Verein stand ohne Vermögen da. Man ging in Vorleistung. Dann ging alles ganz schnell: Bereits für den 28./29. Mai war die erste Rennveranstaltung angesetzt. „Alle wußten, daß von der Wetterlage an den Renntagen die Finanzierung abhing. Sogar der 100-jährige Kalender wurde befragt. Am Freitag vor dem Rennwochenende kam dann die erhoffte Wetterprognose ,trocken und heiter‘“. Tags darauf füllten mehr als 10 000 Zuschauer das neue Abensberger Stadion.

Die beiden Abensberger Josef „Wack “ Hofmeister (Nr. 6.) und Karl Kiendl (Nr. 8) beim ersten rennen in Abensberg 1949. Foto: Chronik MSC Abensberg

Einer, der sich daran noch erinnert, ist MSC-Mitglied Emil Alkofer. „Die Stimmung war gigantisch – es war etwas Neues, Aufregendes, das wollte jeder in der Region sehen. Besonders auch, weil einige Abensberger am Start waren“, sagt der 83-Jährige. Karl Kiendl, Franz Gebendorfer, Georg Schart und Josef „Wack“ Hofmeister waren die Lokalmatadorren. Und Hofmeister sollte schnell für Furore sorgen. „Schaug hi, da Wack nimmt in da Kuavn koa Gramm Gas weg, der traut se!“ Das raunten sich die Zuschauer beim ersten Sandbahnrennen anerkennend zu. Hofmeister hatte im Jugendrennen einen vielsagenden Auftritt – und wurde schon bald zur Legende. „16-Jähriger begeistert 16 000“, lautete die Schlagzeile im Jahr darauf. Später holte Hofmeister drei Europameistertitel. „Es herrschte Aufbruchstimmung beim MSC – Josef Stanglmeier hatte Kontakte, Wack war das Zugpferd“, erinnert sich Alkofer. Peu a peu entwickelte sich Abensberg zum Speedway-Mekka, trug viele bedeutende Rennen aus. „Er hat den MSC Abensberg in die Welt hinausgetragen und bekannt gemacht“, sagt Alkofer. Härtinger nickt und erzählt: „Das ist noch heute so, der MSC ist bekannt und beliebt. Wir wurden bei Speedway-Reisen zigfach angesprochen – und nach unseren MSC-Shirts gefragt. Mit denen laufen jetzt Dänen, Polen oder Schweden rum.“

Zahlreiche Unterstützer

Der MSC strahlte, richtete 1964 die Team-WM aus, war 1973 Gastgeber für das Continental-Finale richtete 1985 das EM-Finale aus. Dazu war der Verein zig Jahre in der Verkehrserziehung mit sogenannten Fahradturnieren aktiv, organisierte Motoradvielseitigkeitswettbewerbe, hatte mehrmals eine Kartabteilung oder war durch Manfred Hofmeister im Rallyesport erfolgreich. „Es waren die goldenen Jahre des MSC, an denen viele mitgewirkt haben“, sagt Alkofer. „Josef Stanglmeier, Gerd und Christ Mühlhäuser, Otto Kneitinger, Bernd und Helga Gleich, Wolfgang Glas, Max von Braunmühl und noch viele mehr.“

Das Pfingstrennen

  • 1949:

    Auf der frisch installierten Sandbahn findet das erste Speedwayrennen der Geschichte in Abensberg statt. Dabei fährt neben anderen Abensbergern auch der junge Josef „Wack“ Hofmeister mit, eine spätere Speedway-Legende, mit.

  • 1964:

    In Abensberg steigt das WM-Team-Finale der Herren. Es ist der erste Finallauf auf deutschem Boden.

  • 1995:

    Am 8. Juli 1995 steigt das bisher größte Speedway-Spektakel in Abensberg: Das Grand Prix-Finale. Damals wurden Zusatztribünen und zusätzliches Flutlicht aufgebaut, die Speedway-Welt schaute auf Abensberg.

  • 2018:

    Am 21. Mai findet im Abensberger Stadion ab 14 Uhr ein Qualifikationslauf für den Speedway Grand Prix statt.

1995 zog der MSC das Speedway-Event schlechthin an Land: Das Grand-Prix-Finale. „Das war schon unglaublich“, sagt Alkofer, „sportlich das beste, das ich in Abensberg je erlebt habe. Die besten der Welt waren hier. “

Die kommen auch heute noch zu den Quali-Läufen, die der MSC ausrichtet, einen Grand-Prix wird er aber nicht mehr veranstalten können. Unerfüllbar sind die Auflagen – besonders wegen des Stadions, in dem die Zeit stehen geblieben war. „In den 70ern wurde modernisiert, die Sand- in eine Aschenbahn umgebaut“, sagt Alkofer, „aber danach hat sich nicht mehr so viel getan“. Das Zuschauerinteresse am Speedway schwand und damit auch das Interesse am MSC. Ein Katalysator hätte die multifunktionale Sportarena zwischen Abensberg und Offenstetten werden können, die aber mit dem Tod von Josef Stanglmeier Geschichte war. Aktiver Sport war schon länger nicht mehr möglich, eine Jugendarbeit vor Ort damit beinahe ausgeschlossen.

Der Verein war immer lebendig

„Aber der Verein war immer lebendig, die Vorstandschaft immer aktiv“, sagt Alkofer. „Wir haben mit mehr als 300 aktuell mehr Mitglieder als je zuvor – da sieht man, dass gute Arbeit geleistet wurde – und eine junge, sehr aktive Vorstandschaft.“ Härtinger beschreibt zudem „eine Aufbruchstimmung. Gerade der Umbau im Stadion mit dem Neubau der Tribüne, der Verlegung des Starts, der Erneuerung der Bahn und womöglich auch des Fahrerlagers bringt uns infrastrukturell nach vorne.“ Begonnen werden soll sofort nach dem Rennen am Pfingstmontag.

Zudem habe die Begeisterung, der Idealismus für den MSC nie nachgelassen, wie Alkofer versichert. „Ich merke das bei mir. Mittlerweile bin ich nicht mehr so gut zu Fuß. Schwere Arbeiten bei der Rennvorbereitung oder während des Rennens kann ich nicht mehr machen. Dafür mache ich kleine Dinge, zusammenkehren oder sowas. Denn wenn ich die Motoren höre, dann will ich nicht nur dabei, sondern mittendrin sein. Wir leben für unser Sport und für unseren MSC.“

90 Jahre MSC Abensberg

Hier gehts zum Rennvorbericht „Speedway-WM-Quali in Abensberg“.

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