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Einsatz

Abensberger helfen Bäckerei in Nicaragua

Florian Gabelsberger und der Stopselclub unterstützen Bäckerei in Mittelamerika, die der Bäckermeister mit aufgebaut hat.
von Benjamin Neumaier

  • Die Bäckerei Panaderia Pantzin in Nicaragua hat der Abensberger Bäckermeister Florian Gabelsberger mit aufgebaut – auch zweieinhalb Jahre danach engagiert er sich noch. Foto: Gabelsberger
  • Hans Ertl (l.) und Florian Gabelsberger (2. v. r.) übergaben den Spendenscheck an Josef Rappl (2. v. l.) und Hubert Aumer vom Verein Nueva Nicaragua. Foto: Neumaier
  • Gabelsberger (r.) traf in Nicaragua Sepp Bergmann aus Langquaid. Foto: Gabelsberger

Abensberg.Luftlinie sind es von Abensberg nach San Carlos in Nicaragua etwa 10 000 Kilometer – für Florian Gabelsberger aber liegt Nicaragua quasi gleich um die Ecke. Seit der Abensberger Bäckermeister Ende 2014 für drei Monate als Aufbauhelfer nach Mittelamerika reiste, um im Namen der Heiner Kamps Stiftung „Brot gegen Not“ die Bäckerei Panaderia Pantzin aufzubauen, hat ihn das Land nicht mehr losgelassen.

Ständiger Kontakt und Hilferufe

Mindestens einmal im Monat erhält er Nachrichten oder Anrufe aus San Carlos –und wird darin meist um Hilfe gebeten. So auch Anfang des Jahres, als ihn Hilde Düvel, unter deren Stiftung, der Fundacion San Lucas, die Panaderia Pantzin läuft, aufgelöst kontaktierte. „Es war etwas undurchsichtig“, sagt Gabelsberger, „denn einmal sprach Hilde davon, dass die Maschinen der Bäckerei weggenommen würden dann plötzlich blieben die Maschinen doch da – es war schwierig nachzuvollziehen.“ Doch nur kurz darauf kam doch die Hiobsbotschaft: Der Backofen gibt den Geist auf, läuft schon nicht mehr richtig. Reparatur hinfällig.

Der Backofen der Bäckerei ist in einem schlechten Zustand. Foto: Gabelsberger
Der Backofen der Bäckerei ist in einem schlechten Zustand. Foto: Gabelsberger

„Es war schon zu meiner Zeit in Nicaragua so, dass der Ofen gefährlich war“, sagt Gabelsberger. „Erst recht als er repariert worden war. „Denn das könne man sich nicht so vorstellen, wie in Deutschland, „dass ein Elektriker kommt und den Ofen repariert. In Nicaragua sucht man sich irgendwie passende Teile zusammen, die der Elektriker dann irgendwie einbaut.“ Die damalige Reparatur bezahlte „Brot gegen Not“, nun lohne sich das nicht mehr. „Es muss ein neuer Ofen her. Am besten ein einfacher Ofen – ohne Schnickschnack, aber schon mit Standardtechnologie“, sagt Gabelsberger.

Nun sei ein Ofen gefunden „und am liebsten würde ich rüberfliegen und das Teil selbst begutachten, aber das ist utopisch“, sagt der Abensberger. Stattdessen will er bei der Finanzierung helfen zusammen mit dem Verein Nueva Nicaragua, der vom ehemaligen Langquaider Bürgermeister Sepp Bergmann gegründet wurde. Bergmann lebt selbst in San Carlos, seine Frau arbeitet in der Fundacion San Lucas, die die Bäckerei mit betreut. „Ich habe also einen Ansprechpartner vor Ort und weiß auch, wem ich das Geld gebe und wohin es anschließend fließt“, sagt Gabelsberger.

Diese Projekte werden unterstützt

  • Frauenhaus Arete:

    Das Zentrum Arete der Stiftung San Lucas in San Carlos ist ein Zentrum zur psychosozialen Betreuung von Frauen. Seit April 2008 werden hier Opfer häuslicher und sexueller Gewalt, sowie Menschhandels integral betreut. Die Mitarbeiterinnen betreuen die Opfer, erstellen dazu auch gerichtspsychologische und sozialpsychologische Gutachten und halten Vorträge in Schulzentren.

  • Werkstatt Tallercito Tipico:

    Im Jahr 2004 gründeten neun Frauen in San Miguelito ein Nähprojekterrichteten 2007 ein eigenen Werkstattgebäudes, da die provisorischen Räume bald zu klein waren. Die Schneiderwerkstatt erhält Aufträge aus der ganzen Region. Hergestellt wird vor allem traditionelle nicaraguanische Mode. Seit der Gründung der Nähkooperative werden außerdem Nähkurse für Frauen auf dem Land angeboten, die mit selbstgenähter Kleidung ihre Haushaltskasse aufbessern.

  • Wasserversorgung der Elendsviertel:

    Sepp Bergmann baute, mit Hilfe der Abensberger Unternehmer Michael Gammel und Fritz Zeilbeck in Nicaragua Wasserleitungen in zwei Elendsvierteln, versorgte so knapp 1000 Menschen mit fließendem Wasser. Die lebten bisher vom Wasser, das wöchentlich mit Tankwagen gebracht wurde. Diese Arbeit will Bergmann fortsetzen, weitere sogenannte Barrios an die Wasserversorgung anschließen. Dafür tritt er mit seinem verein Nueva Nicaragua ein. (nb)

Mit einer Fastenbrot-Aktion sammelte er für Nicaragua und wie schon im vergangenen Jahr stockte der Stopselclub Abensberg, bei denen Sepp Bergmann mit einem Vortrag die Probleme in Nicaragua schilderte, den Betrag auf. So übergaben Florian Gabelsberger und Stopsler-Chef Hans Ertl nun einen Spendenscheck in Höhe von 2500 Euro an Nueva Nicaragua-Kassier Josef Rappl und 2. Vorstand Hubert Aumer. Die waren außer sich vor Freude: „Wir sind ein kleiner Verein und so viel Geld auf einen Schlag bekommen wir nur sehr selten. Außerdem ist der Betrag in Nicaragua etwa das zehnfache wert“, sagte Josef Rappl. „Neben der Unterstützung für den Ofen der Bäckerei soll das Geld in drei weitere Projekte fließen.“ Das ist das Wasserversorgungsprojekt von Sepp Bergmann, an dem sich die Abensberger Firmen Gammel und Zeilbeck maßgeblich beteiligen (wir berichteten), das Frauenhaus Arete von Hilde Düvel (wir berichteten) sowie die Werkstatt „Tallercito Tipico“ in San Miguelito, in der nicaraguanische Frauen Arbeit finden.

Eines der ärmsten Länder der Welt

„„Es ist mittlerweile sehr schwierig geworden, Hilfen für Nicaragua anzuleiern, weil es nicht mehr so im Medienfokus steht, wie vor der Jahrtausendewende. Dennoch ist es noch immer eines der ärmsten Länder der Welt“, sagte Rappl.

Dabei wäre die Spende beinahe gar nicht zustande gekommen. Sepp Bergmann war in Nicaragua nicht zu erreichen und Florian Gabelsberger wusste nur den Namen des Kassiers: Josef Rappl. „Ich habe ihn im Telefonbuch gesucht und zwei im Landkreis gefunden. Der erste, den ich anrief, legte sofort auf. Beim zweiten Telefonat ging eine Frau ran. Als ich ihr eröffnete, ich hätte eine Spende für Josef Rappl von Nueva Nicaragua hat sie mir geantwortet, sie habe schon von diesem Enkeltrick gehört und falle darauf nicht herein. Dann hat sie aufgelegt.“

Dann kam der Kontakt und damit die Hilfe für Gabelsbergers Herzensprojekt, aber doch noch zustande. „Nicaragua lässt mich einfach nicht los und die Menschen in der Bäckerei sind mir richtig ans Herz gewachsen. Irgendwann packe ich von einem Tag auf den anderen meinen Koffer, setze mich in den Flieger und stehe am nächsten Tag vor der Panaderia“, schwelgt Gabelsberger in Zukunftsträumereien.

Bis es aber soweit ist, will er weiter per Telefon und E-Mail helfen „so gut es eben geht“.

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