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Erntestart

Abensbergs Spargel schwitzt bei 20 Grad

Unter Folien muss das Edelgemüse aufpassen, dass es ein kühles Köpfchen behält. Das Saison-Programm wird mitunter kriminell.
Von Beate Weigert

  • Da ist er ja endlich: Stefan Blümel und Töchterchen Ramona waren erfolgreich. Betriebe, die wie Blümel auf Dreifach-Folientunnel setzen, können in die Ernte starten. Erzeuger, die auf wenig bis gar keine Folie setzen, dürften erst in etwa drei Wochen Spargel verkaufen. Foto: Weigert
  • Seit 2012 ist Abensberger Qualitätsspargel eine geografisch geschützte Marke. Foto: Weigert/Archiv

Abensberg.Stefan Blümel sieht rot. Der Spargelbauer aus Sandharlanden muss streng genommen gar nicht raus aufs Feld, um zu sehen, dass die Sonne seinem Edelgemüse ganz schön einheizt. Die Frage beantwortet eine App auf seinem Handy. Für den Acker bei Mühlhausen meldet das Smartphone in Rot „46,1 Grad Celsius“. So warm ist es dem Spargel im Bifang unter dreifachem Folientunnel. Kein Wunder – die Sonne nimmt die weißen Stangen seit Dienstag sprichwörtlich in den Schwitzkasten.

Der Selbstläufer bleibt heuer aus

Doch auch wenn es dem Gemüse schon fast wieder zu heiß ist, will der 36-jährige Spargelerzeuger nicht jammern. Er freut sich, wie alle Helfer, dass es nun endlich losgeht mit der Ernte. Denn aus dem traditionellen Ostergeschäft – das üblicherweise ein Selbstläufer ist – wurde heuer nichts. Dank ordentlicher Schneepackung samt satter Minusgrade kurz zuvor. Aber da erging es Stefan Blümel so, wie nahezu allen seinen Kollegen in der Abensberger Erzeugergemeinschaft.

Mehr über erste Stangen und Spargel-Mythen sehen Sie in unserem Video:

Video: Beate Weigert

Deren Vorsitzender Martin Neumeyer ist ebenfalls bester Laune. Nicht nur, weil er zu Ostern seinen ersten Spargel am Kügelhof ergattern konnte. Er hatte am Dienstagnachmittag auch die druckfrische Spargelzeitung mit allen Veranstaltungen der Saison dabei. Einige Neuerungen inklusive. Während es für Stefan Blümel und seine 24 Kollegen der Erzeugergemeinschaft in den vergangenen Tagen hektisch geworden ist, weil plötzlich alles auf einmal zu erledigen ist, steht das Saisonprogramm für die Spargelfans. Zum ersten offiziellen Stich kommt am 14. April Kabarettist Wolfgang Krebs. In welcher seiner Paraderollen wird vorab nicht verraten.

Ohne Kostüm und Perücke erkennt man Wolfgang Krebs kaum. Doch keine Sorge – zum offiziellen Spargelstich kommt er in einer seiner Paraderollen. Foto: Krebs
Ohne Kostüm und Perücke erkennt man Wolfgang Krebs kaum. Doch keine Sorge – zum offiziellen Spargelstich kommt er in einer seiner Paraderollen. Foto: Krebs

Neu in diesem Jahr ist etwa jazziger Auftakt am Kügelhof am Samstag, 7. April, dass Freunde des Edelgemüses ein Stech-Zertifikat ergattern können oder ein Spargeldinner, dass zum Krimi wird.

Das Programm der neuen Reihe „Abensberger Spargellust“ finden Sie hier.

Programm zur Abensberger Spargellust

Spannung hatten die Spargelbauern bereits durch die jüngsten Wetterkapriolen bereits mehr als genug. Sie sind nun „heiß“ auf die Ernte. Und die Kunden auch. Jeden Tag rufen bei Blümel dieselben Leute an. Abensberger, Gastronomen und Großhändler – alle wollten wissen, wann es endlich Spargel gibt. Denn üblicherweise gibt es so ab 20. März die ersten Stangen in Handel und heimischer Küche. Und die Helfer, die am Blümelhof größtenteils aus Rumänien stammen, fragten sich – ob sie in diesem Jahr wohl nicht mehr kommen dürften. Doch dürfen sie – ab sofort.

Gerade lag noch Schnee

Auch wenn Stefan Blümel klar stellt: „Ein oder zwei Tage mit 20 Grad machen noch keine perfekten Erntebedingungen.“ Man dürfe nicht vergessen, dass noch vor eineinhalb Wochen 20 Zentimeter Schnee auf knackig kalten Erddämmen lagen. Zum Wachsen brauchen die Spargelpflanzen konstante zehn bis zwölf Grad. Und zwar auch nachts und in 40 Zentimetern Tiefe. Nicht nur oben am Damm. Dort wo Stefan Blümels App am Dienstagnachmittag mehr als 46 Grad meldete.

Spargelerzeuger Stefan Blümel setzt auf technische Unterstützung. Mit der Feld-App hat er alle Temperaturen auf seinen Feldern immer im Blick. Dafür sind in jedem Acker an je vier Mess-Stellen mit unterschiedlicher Tiefe Sensor und Sender verlegt. Foto: Weigert
Spargelerzeuger Stefan Blümel setzt auf technische Unterstützung. Mit der Feld-App hat er alle Temperaturen auf seinen Feldern immer im Blick. Dafür sind in jedem Acker an je vier Mess-Stellen mit unterschiedlicher Tiefe Sensor und Sender verlegt. Foto: Weigert

Auch wenn das dem Spargel eigentlich zu heiß ist, alles, weil er sich bei allem, was über 40 Grad liegt, das Köpfchen verbrennt. Bis 30 Grad ganz oben im Bifang ist ideal, und 17 Grad ganz unten. Aber wenn jetzt die Ernte angelaufen ist, können die Landwirte die Temperaturen wieder über die Zahl und Art der Folien steuern. Denn die Temperatursteuerung ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Für schöne weiße Stangen mit perfekten Köpfen.

Martin Neumeyer, Vorsitzender der Abensberger Erzeugergemeinschaft, mit Spargelhoheit Corinna Foto: Heike S. Heindl/Archiv
Martin Neumeyer, Vorsitzender der Abensberger Erzeugergemeinschaft, mit Spargelhoheit Corinna Foto: Heike S. Heindl/Archiv

Selbst wenn es zum Donnerstag nochmals eine Wetter-Delle gibt. Spätestens zum Wochenende dürfte die Saison auf den meisten Betrieben im Raum Abensberg angelaufen sein. Auf circa 300 Hektar wird hier weißer, grüner und violetter Spargel angebaut.

Pioniere, eine Krone und moderne Technik

  • Der Erntehelfer im Smartphone:

    Spargelerzeuger Stefan Blümel setzt auf technische Unterstützung. Mit der Feld-App hat er alle Temperaturen auf seinen Feldern immer im Blick. Dafür sind in jedem Acker an je vier Mess-Stellen mit unterschiedlicher Tiefe Sensor und Sender verlegt.
    Seit 2012 ziert ein blau-gelbes Logo die Verpackungen des Abensberger Qualitätsspargels. Das Edelgemüse ist seither „geografisch geschützt“. 2018 listet der Freistaat Abensberg als einen von insgesamt 100 Genussorten Bayerns.

  • Die Königin der grünen und weißen Stangen:

    Corinna Limmer aus Siegenburg repräsentiert laut Martin Neumeyer (li. im Bild) den Abensberger Spargel in der dritten Saison. Wer in ihre Fußstapfen treten möchte, kann sich für 2019 bei ihm melden: buero@neumeyer-martin.de
    Vor etwa 90 Jahren brachte die Familie Salleck den Feldspargel-Anbau nach Abensberg. Unsere Aufnahme zeigt die Ernte um 1930. Auch wenn belegt ist, dass die Karmeliter bereits um 1730 Spargel anbauten, war der mit dem heutigen Gemüse nicht vergleichbar. (re)

Die Sache mit null Kalorien

Martin Neumeyer freut indessen, dass der Pro-Kopf-Verbrauch bei Spargel steigt. Bei ihm zu Hause lag der schon immer hoch. Denn wie soll man die vielen Varianten bis 24. Juni sonst auch durchbekommen? Mit Sauce Hollandaise und Schinken, mit Schnitzel, im Salat mit gehackten Eiern und Radieserln oder Hollandaise mit Parmesan überbacken. Dass der Spargel kaum Kalorien hat, stimmt freilich nur ohne Butter...

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