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Jubiläum

Abenteuer, Lernen und Kameradschaft

Die Saaler Pfadfinder feiern ihr 60-jähriges Bestehen. Fünf Tage, mit einem Zeltlager, großem Programm, und vielen Freunden.
Von Roland Kugler

Nach strömendem Regen kam die Sonne raus: Gemeinsam wurde das Lagertor aufgestellt. Foto: Kugler
Nach strömendem Regen kam die Sonne raus: Gemeinsam wurde das Lagertor aufgestellt. Foto: Kugler

Saal.Das Wetter stellte Naturverbundenheit, Zusammenhalt und Optimismus der Pfadfinder erstmal auf die Probe. Der Sturm in der Nacht zuvor hatte zwei große Zelte zerstört. Beim Einzug ins Zeltlager am Montag regnete es den ganzen Tag. Die Wiese an der Donau zwischen Saal und Lengfeld war mehr Sumpf als grün, die Stimmung von Jung und Alt war trotzdem gut. Was dann folgte, war ein großartiges Zeltlager – und eine Zeitreise durch die vergangenen 60 Jahre: vom Donnerbalken bis zum Dixi-Klo.

„Mein Hemd ist von 1959“ erzählt Harald Schmid. Und das ist kein Scherz, er trägt seine Kluft – wie ihre Kleidung heißt – von vor 60 Jahren. Damals gründete er die Saaler Pfadfinder und war ihr erster Stammesvorsitzender. Als Schüler war er im Internat in Niederalteich, dort bereits bei den Pfadfindern, und brachte die Idee in seinen Geburtsort Saal mit. Er sitzt mit vielen anderen Ehemaligen, aktuellen, und neuen Mitgliedern auf der Wiese an der Donau.

Es ist Mittwochabend, Saals Pfarrer Norbert Große hatte am Nachmittag eine Messe unter freiem Himmel gefeiert. Mit vielen Pfadfindern aus nah und fern, Eltern, Bekannten und Freunden. Die Abendsonne scheint, Kinder drehen sich auf einem selbstgebauten Karussell, auf dem Grill dreht sich „a ganze Sposau“. Die Stimmung ist entspannt und gut: ein echtes Pfadfinder-Zeltlager, wie es nicht schöner sein kann.

Segen und Fluch zugleich

Zelte, Lagerfeuer, die Kluft und ihre Einstellung – das Wichtigste hat sich bei den Pfadfindern in Jahrzehnten, in der sich die ganze Welt vollkommen verändert hat, nicht geändert. Und es gibt die Werte von früher, die heute altmodisch erscheinen oder verloren gegangen sind: anderen helfen, jeden Tag eine gute Tat tun.

Saaler Pfadfinder mit ihrer Fahne Foto: Rappl
Saaler Pfadfinder mit ihrer Fahne Foto: Rappl

Aber auch bei den Pfadfindern hat die Moderne Einzug gehalten: „Die neuen Medien sind Segen und Fluch zugleich“, sagt Stefan Seifried. Er ist Stammesvorstand, zusammen mit Amelie Knittl. „Es ist schon schwer, gegen das Handy anzukämpfen“, sagt Stefan. „Wenigstens ist hier auf der Wiese bald der Akku leer“, sagt Amelie. Manche vermissen es aber auch gar nicht, weil sie hier im Zeltlager mehr bekommen und lernen als sonst. „Wir wollen die klassischen Pfadfinderthemen vermitteln: Knoten lernen, Zelt aufbauen, Erste Hilfe, sich mit Karte und Kompass in der Natur zurecht finden“, erklärt Stefan.

Die Pfadfinder

  • Aufteilung:

    Es gibt vier verschiedene Altersgruppen bei den Pfadfindern: Wölflinge sind die Pfadfinder von 7 bis 9 Jahren, Jungpfadfinder bis 13 Jahre, Pfadfinder nennen sie sich bis 16 Jahre und Rover bis 18 Jahre.

  • Leitung:

    Jede Altersgruppe der Pfadfinder wird extra betreut. Saal sucht für diese Aufgabe dringend engagierte Gruppenleiter, vor allem für die Jüngsten. Die Interessenten müssen übrigens keine Pfadfinder sein, interessierte Quereinsteiger werden eingearbeitet.

Darüber hinaus sind die Pfadfinder aber auch ganz aktuell. Sie fahren ins Deutsche Museum nach München, machen eine Kräuterwanderung oder erfahren die Geschichte des Saaler Konzentrationslagers am Ringberg, der keine 200 Meter entfernt ist.

Alles ist altersgerecht aufgeteilt, und von geschulten Gruppenleitern betreut. Dieses Engagement der Erwachsenen spiegelt sich in der Begeisterung der Kinder wieder. „Heute haben wir Stühle gebaut“, erzählt die neunjährige Paula Betzold. „Und wir sitzen jeden Abend am Lagerfeuer, und dürfen länger auf bleiben.“ Nur wenn dann am nächsten Morgen das ganze Lager durch die Trompete geweckt wird, das gefällt ihr nicht so gut.

Auf Kommando umgedreht

„Wir machen coole Aktionen“, meint der elfjährige Jakob Engelbrecht. „Schlauchboot fahren, und am Lagerfeuer zusammen Lieder singen.“ Das war schon immer so, und manches früher noch ursprünglicher. „Wir haben auch Zeltlager gemacht“, erzählt Willi Ziegler. Er ist als Neunjähriger zu den Saaler Pfadfindern gekommen, im Gründungsjahr 1959. „Damals sind wir zu Fuß gegangen oder mit dem Rad gefahren, und haben alles selbst transportiert. Kochtöpfe, Zeltplanen, jeder hat etwas mitgenommen.“ Auch sonst war der Komfort geringer als heute, es gab keine Luftmatratzen, manche hatten nicht mal einen Schlafsack. „Wir haben auf der Erde geschlafen, mit einer Decke. So eng aneinander gedrückt im kleinen Zelt, dass wir nur seitlich liegen konnten. Auf Kommando haben sich dann alle gleichzeitig umgedreht“, erinnert sich Willi Ziegler und lacht. „Später sind wir dann mit einem VW Käfer ins Zeltlager gefahren. Da passten 12 Kinder rein, aber das erzählt man heute besser nicht mehr.“

Auch sonst hat sich einiges geändert. „Ich habe über das Stromaggregat und das Dixi-Klo im Zeltlager gestaunt“, sagt Josef Rummel. Er ist Saals zweiter Bürgermeister, und vor vierzig Jahren zu den Pfadfindern gegangen. „Wir hatten damals ein Plumpsklo im Wald. Eine Grube, selbst ausgegraben, mit einem Donnerbalken darüber.“ Und Strom gibt es heute für die Küche.

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