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Entwicklungshilfe

Absichtserklärungen sind nicht genug


Von Manfred Forster, MZ

2012 war für die Kirchmann-Stiftung ein Jahr der Weichenstellung. Der Grundstein für den Erweiterungsbau am Gesundheitszentrum Maximilian Kolbe in Sabou im westafrikanischen Burkina Faso wurde gelegt, und Hanns-Peter Kirchmann hat in der Botschafterin Burkina Fasos, Marie-Odile Bonkoungou-Balima, eine wichtige und prominente Mitstreiterin gefunden.

Was wird 2013 bringen? „Ein hartes Stück Arbeit auf jeden Fall“, antwortet Kirchmann auf diese Frage. Dieses Fazit zog er nach seinem jüngsten Baustellenbesuch in Sabou, bei dem er auch Botschafterin Bonkoungou-Balima das Projekt der Stiftung vorstellen konnte. Verzögerungen beim Bau sind das Eine und für Kenner Afrikas nicht unbedingt überraschend, ausstehende Personalentscheidungen beim Staat Burkina Faso beziehungsweise dem Franziskaner-Orden, der das Gesundheitszentrum betreibt, das Andere – und das durchaus größere Problem.

Ein schwieriger Part

Zum gleichen Zeitpunkt waren die kirchlichen Träger des Krankenhauses in Sabou, die Ordensprovinziale der Franziskaner aus den Provinzen Warschau und Pescara vor Ort. Dazu kamen noch Andreas und Stephanie Eckl, zwei deutschlandweit bekannte Krankenhausspezialisten des gleichnamigen Büros aus Regensburg, die kurzfristig mit Kirchmann nach Burkina Faso gereist waren. Das Büro unterstützt die Stiftung bei der Lösung der planerischen und baulichen Probleme im Krankenhaus.

Eines der Hauptthemen des Gespräches war der zukünftige Betrieb des erweiterten Krankenhauses. „Die Fördermittel der Bundesrepublik sind unter der Voraussetzung über die Stiftung an die Franziskaner weitergeleitet worden, dass sich auch der Staat Burkina Faso zu rund einem Drittel an diesem Projekt beteiligt“, erklärt Kirchmann. Der von den Franziskanern dazu abgeschlossene Vertrag sehe aber entgegen den Vorschlägen von Kirchmanns Stiftung nur unverbindliche Absichtserklärungen des Staates vor. „Die Stiftung muss jetzt mit Hilfe der Botschaft von Burkina Faso in Deutschland einerseits und in Kooperation mit dem Franziskanerorden eine schriftliche Konkretisierung der staatlichen Verpflichtung erreichen“, erläutert Kirchmann. Dies geschehe vor allem vor dem Hintergrund, dass die Entwicklungshilfe aller EU-Staaten an die Beteiligung der Partnerstaaten gebunden ist. „Das wird noch ein hartes Stück Arbeit“, meint Hanns-Peter Kirchmann, „weil diese Art der ,Einmischung‘ dem Orden natürlich nicht behagt und man jeder nichtkirchlichen Kontrolle von außen reserviert gegenübersteht. Auch der Staat Burkina Faso hat kein großes Bedürfnis, sich in das Projekt mit festen finanziellen Verpflichtungen einbinden zu lassen.“ Hier wird Kirchmanns Einschätzung nach viel Diplomatie und tatkräftige Hilfe der Botschafterin vonnöten sein, um alle zusammen zu bringen. „Das ist vielleicht noch schwieriger als einen Bau zu errichten!, “meint Kirchmann.

Rohbau vor Vollendung

Ein weiteres Thema war es, die organisatorische und technische Weiterentwicklung des Krankenhauses zu definieren, um auf dieser Basis einen Masterplan für die Anordnung der Gebäude erstellen zu können.

Mit dem Fortschritt der Bauarbeiten sind alle Beteiligten nur bedingt zufrieden, die Schalung der Betondecke wurde unglücklich eingerichtet, dass sie das Hochziehen der Lateritwände unmöglich gemacht hat. Seit einigen Tagen sind die Handwerker wieder vor Ort, um den Rohbau endlich zu beenden. Inzwischen hat Kirchmann den Bauzeitenplan nach hinten korrigiert: „Mit einer Fertigstellung ist nicht vor Ende März 2013 zu rechnen“, sagt er jetzt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass aufgrund der wenig konkreten Formulierung der Konvention der Staat dem Krankenhaus noch keinen Chirurgen und keine Hebamme in Aussicht gestellt hat und die Stiftung Main dans la Main sich scheut, Bestellungen für die medizinische Ausrüstung ohne fachliche Beratung aufzugeben.

Das wird die nächste Aufgabe der Franziskaner sein, die Ärzte, die vom Staat Burkina bezahlt werden sollen, zu engagieren. Einen Notfallplan hat Kirchmann sich schon gemacht, er hat Verbindungen zu Ärzteorganisationen, die eine Interimslösung garantieren könnten. Immer wieder betont Kirchmann, dass Entwicklungshilfe viel weniger eine Frage der notwendigen Geldmittel als vielmehr eine Frage des intelligenten Einsatzes des vorhandenen Kapitals ist. Kompetente Leute sind deshalb auch besonders in der Krankenhausverwaltung gefragt, was den Provinzialen wohl erst bei diesem Besuch so richtig klar geworden ist. „Ein langer Weg steht uns noch bevor“, seufzt Kirchmann, bis die Menschen hier auf eine optimale Versorgung vertrauen können. Marie-Odile Bonkoungou-Balima, die Botschafterin des afrikanischen Staates Burkina Faso, kümmert sich seit ihrem Amtsantritt ganz besonders um die Stiftung Main dans la Main. Kennengelernt haben sich Felicitas und Hanns-Peter Kirchmann und die Botschafterin bei einem Besuch des burkinischen Staatspräsidenten Blaise Compaoré im vergangenen Sommer in Berlin. Sie war Schirmherrin der Benefiz-Ausstellung der Stiftung in Siegen im September 2012. Hanns-Peter und Felicitas Kirchmann haben ihre Stiftung „Main dans la main – Kirchmann für Afrika“ 2009 gegründet und bündeln in ihr ihr Engagement für Westafrika, speziell für das Gesundheitszentrum Maximilian Kolbe in Sabou, Burkina Faso.

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