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Abensberg/München.

Älteste Miss Germany wird 95 Jahre

Daisy Schlitter, frühere Schlossbesitzerin von Offenstetten, gewann 1931 den Titel.

  • Daisy Schlitter ist die älteste Miss Germany. Foto/Repro: Forster

Von Manfred Forster, MZ

Wer ist die Schönste im ganzen Land? Das Schneewittchen-Motto ist heute beliebt: Miss-Wahlen gibt es am laufenden Band. Ganz anders die Zeiten, als Daisy Schlitter „Miss Germany“ wurde. Man schrieb das Jahr 1931 und dem Titel haftete noch etwas Verruchtes an. Die verwitwete Diplomaten-Gattin von adeligem Geblüt und ehemalige Schlossbesitzerin von Offenstetten (Lkr. Kelheim) ist inzwischen die älteste noch lebende Miss Germany und feiert heute in München ihren 95. Geburtstag.

Sie stammt aus gebildetem, aber im Zuge des Ersten Weltkrieges verarmten und heimatlosen Adelskreisen. Mit 15 Jahren war sie von Regisseur Georg Wilhelm Pabst entdeckt worden. Der große Mann des deutschen Stummfilms hatte Daisy Freiin von Freyberg-Eisenberg auf einem Reklame-Bildchen für Kosmetik („Sei schön durch Elida“) gesehen. Das Mädchen posierte mit langen blonden Zöpfen, trug sein Konfirmationskleid.

Eine Adelige als Filmstar: das ging nicht und die Empörung war groß. Ein Künstlername musste her. Um der Moral und des guten Namens willen wird aus Daisy von Freyberg-Eisenberg die Künstlerin Daisy d’Ora, die „goldene Daisy“. Pabst schrieb seiner Neuentdeckung schließlich eine Rolle ins Drehbuch der 1929 erschienenen Wedekind-Verfilmung von „Die Box der Pandora“. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda ließ 1934 das damals erotische Skandalwerk – heute längst ein Stummfilmklassiker – auf den Index setzen, erinnert sich Schlitter im MZ-Gespräch.

Eher per Zufall war die 18-jährige Schönheit dann an jenem Mai-Abend 1931 im Berliner Hotel Eden auf den Laufsteg geraten. Der Schriftsteller Erich Maria Remarque („Im Westen nichts Neues“) sprach Daisy d’Ora an, an der Wahl teilzunehmen.

„Ich wusste gar nicht, was das ist, dachte mir, das ist doch vollkommener Quatsch.“ Schließlich stieg sie in ihrem blaugeblümten Seidenkleid und mit hochgestecktem, goldblondem Haar auf den Laufsteg – und gewann. Das Preisgeld betrug 1000 Reichsmark. „Da konnte ich mir endlich ein gescheites Fahrrad kaufen“, erinnert sich Daisy Schlitter.

Das Klischee des schönen Dummchens passte nie zu ihr. Vor der Teilnahme an der Miss-Universum-Wahl in den USA schrieb der Kolumnist des Berliner Intelligenz-Blattes „Rumpelstilzchen“: „Daisy von Freyberg hat gute Nerven. Sie bleibt immer Dame. Sie wird auch nicht als Verlobte eines amerikanischen Schweinefleisch-Millionäres zurückkommen.“ In den USA kürte man die Gold-Daisy zur Miss Europe, denn den Universum-Titel mochte man der Deutschen nicht zuerkennen: die Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg waren noch noch zu frisch. Die meisten Bilder aus diese Zeit sind längst vernichtet, ein paar lägen wohl noch oben im Schrank im Gästezimmer ihrer Wohnung im noblen Münchner Stadtteil Bogenhausen, sagt sie. Lediglich in Daisy Schlitters Erinnerung sind sie nicht verstaubt.

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