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Wehmut

Ahoi Renate, mach’s guat!

Seit 30 Jahren war das Kelheimer Passagierschiff unterwegs. Am Mittwoch legte die MS Renate offiziell zum letzten Mal ab.
Von Roland Kugler

  • Die Renate am Mittwoch bei ihrer offiziell letzten Fahrt durch den Donaudurchbruch Foto: Manfred Forster
  • Bastian Schweiger, zweieinhalb Jahre jung, mit seiner Oma Renate an Bord der MS Renate – er ist die vierte Generation der Kelheimer Schifffahrtsfamilie. Foto: Kugler
  • Kapitän Andreas Schweiger steuerte die Renate am Mittwoch zum offiziell letzten Mal durch den Donaudurchbruch Fotos: Roland Kugler

Kelheim.Die Dame hat Traummaße: Sie ist 295 Tonnen schwer, 48 Meter lang und neun Meter breit. 30 Jahre lang ist das Motorschiff Renate ungezählte Male auf der Donau zwischen Kelheim und Weltenburg unterwegs gewesen. Am Mittwochvormittag brach das Schiff zu seiner letzten Fahrt auf.

„Es ist schon ein sehr emotionaler Moment“, sagt Renate Schweiger. Sie ist die Chefin des Kelheimer Schifffahrtsunternehmens, das im vergangenen Jahr sein fünfzigjähriges Bestehen feierte. „Dieses Schiff ist nicht nur ein Gegenstand. Wir sind 30 Jahre lang zusammen durch dick und dünn gegangen“, sagt sie, als es in Kelheim zum letzten Mal ablegt. „Deshalb hab’ ich heute schon ein weinendes Auge. So ein Schiff ist wie ein Zuhause, fast wie ein Kind. 1988 haben wir es gekauft, vorher geplant und bauen lassen. 30 Jahre lang haben wir es gehegt und gepflegt. Jetzt ist es Zeit geworden, Abschied zu nehmen.“

Renate kam in die Jahre

Modern und zeitgemäß ist das Passagierschiff aufgrund des Alters nicht mehr. „Die Wartungsarbeiten und Reparaturen haben in den letzten Jahren schon sehr zugenommen“, sagt Benjamin Kitzmann. Er ist gelernter Automechaniker, und als Maschinist, Matrose und Mädchen für alles an Bord. Er ist draußen, wenn es heißt „Leinen los“ oder anlegen, und legt Hand an, wenn es etwas zu reparieren gibt. Wenn seine fleißigen Kolleginnen in der Küche oder beim Ausschank Unterstützung brauchen, ist er auch zur Stelle. „Ich könnte mir keine schönere Arbeit vorstellen“, schwärmt er von seinem Job.

Auch für Renate Schweiger ist Kapitänin noch immer ihr Traumberuf. 1984 hat sie ihr Patent gemacht, und liebt es heute noch, auf der Donau unterwegs zu sein. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man auf dem Steuerstuhl sitzt und wegfährt“, sagt sie im Gespräch. „Egal welchen Stress man vorher hatte, das fällt alles von einem ab.“ Heute sitzt sie nicht am Steuer. Heute kümmert sie sich um die zahlreichen Freunde und Gäste die zur letzten Fahrt an Bord gekommen sind.

Mehr Bilder von der Fahrt sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Abschied von der "MS Renate" in Kelheim

Das Kommando auf der Brücke hat ihr Sohn Andreas Schweiger. Er ist die dritte Generation und seit fünf Jahren Kapitän. Ebenfalls mit Leib und Seele: „Es ist nie langweilig, es ist nie dasselbe, auch wenn man 500 Mal im Jahr die Strecke fährt“, sagt er in der Kapitänskabine mit seinem kleinen Sohn auf dem Schoß.

Auch bei ihm schwingt eine Portion Wehmut mit: „Ich kenne die Renate seit meiner Kindheit“, erzählt er. Aber er freut sich – wie alle Mitarbeiter an Bord – natürlich auf das neue Schiff.

„Leider verzögert sich die Ankunft etwas“, berichtet Renate Schweiger. „Statt, wie geplant am 8. April wird es erst Anfang Mai kommen.“ Schuld daran ist der späte Wintereinbruch, die letzten Anstriche verzögern sich deshalb. Und bis 30. April gibt es diverse Schleusensperrungen.“ Das neue Schiff kommt von einer Werft bei Bonn den Rhein herunter. Dorthin geht dann auch die alte Renate. „Wir haben sie für die neue dran gegeben. 2,2 Millionen Mark hat die Renate vor 30 Jahren gekostet, etwa vier Millionen Euro wird das neue Schiff kosten.“

Wehmut bei den drei Gästeführerinnen Foto: Ledutke
Wehmut bei den drei Gästeführerinnen Foto: Ledutke

Verschrottet wird die Renate nicht. Die Werft wird sie herrichten und weiter verkaufen. Wo sie in Zukunft fahren wird, ist allerdings noch nicht klar. Möglicherweise bei Berlin.

Schöne Zeiten

  • Leo Janchik, Elfriede Reiche und Lisa Tutsch blicken mit ein bisschen Wehmut auf ihre Zeit mit der MS Renate zurück. Zwei von ihnen waren früher Gästeführer auf dem Schiff. Aber es komme ein neues Schiff, sagten sie. Dieses sei dann auch barrierefrei. Janchick und Tutsch haben auf dem Personenschiff viel Schönes erlebt, sagen sie. Und sie erinnern sich an die Zeit ohne Tonband zurück – damals, als die Ansagen noch persönlich gemacht wurden. „Einmal hatte ein Gast Geburtstag und alle Besucher wurden aufgefordert, Happy Birthday zu singen“. Das habe nicht nur dem Gast eine große Freude gemacht, „sondern auch wir hatten Freude dabei“, erzählten die ehemaligen Gastführerinnen unserem Reporter Maximilian Ledutke.

Topmodern wird das neue Passagierschiff sein, mit allem erdenklichen Komfort. Und auch sparsamer und umweltfreundlicher. Der neue Antrieb wird mit Diesel und elektrisch sein – wie bei einem Hybridantrieb im Auto. Über Generatoren wird Strom erzeugt und so etwa 30 Prozent weniger Kraftstoff verbraucht.

350 000 Gäste befördern die Kelheimer Schiffe jährlich auf der Donau, etwa 70 000 davon die Renate. Zugelassen ist sie für 600 Personen, im Sommer wird sie oft voll besetzt sein.

Ein persönliches Band

Viele Kelheimer haben einen ganz persönlichen Bezug zur Renate. „Ich bin schon vor 30 Jahren auf ihr gefahren“, erzählt Bernd Lotter und genießt die Sonne an Deck und den Blick in den Donaudurchbruch. Er kennt die Familie Schweiger seit langem, und schätzt ihren Unternehmergeist. Die ganze Familie arbeitet mit, Mutter und Sohn als Kapitäne, die Schwiegertochter hilft im Büro mit, ihre Mama im Kartenverkauf. Auch Bastian, der Sohn von Andreas und die vierte Generation im Familienunternehmen, ist von den vielen Knöpfen am Steuerpult begeistert.

„Wir haben gesagt, zum Abschied laden wir unsere Freunde ein, das sind wir dem Schiff schuldig“, sagt Renate Schweiger. Aber nicht nur Einheimische waren zur letzten Fahrt am Mittwoch willkommen, jeder, der wollte, durfte an Bord.

„Ich habe davon einen Flyer auf der Freizeitmesse gesehen. Und weil ich eine Namensvetterin bin, hab’ ich mir gedacht, fahr’ ich mit“, sagt Renate Bilska. Sie ist zum ersten Mal in Kelheim und war bis aus Nürnberg gekommen, um dabei zu sein. Als nach dem Klösterl die Befreiungshalle auftauchte, stand sie an Deck – und staunte: „Es ist wunderschön hier.“

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