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Rückblick

Allein geht als Bürgermeister nichts

Neustadts Bürgermeister Reimer ist seit 40 Jahren im öffentlichen Dienst. Er spricht über seine Wünsche und Erfahrungen.
Von Jochen Dannenberg

Bürgermeister Thomas Reimer in seinem Büro: Von hier hat er auch einen Blick auf den „Storchenwirt“, eines seiner Lieblingsprojekte. Foto: Dannenberg
Bürgermeister Thomas Reimer in seinem Büro: Von hier hat er auch einen Blick auf den „Storchenwirt“, eines seiner Lieblingsprojekte. Foto: Dannenberg

Neustadt.„Öffentlicher Dienst“. Für viele Menschen ist das ein Synonym für Routine und Sicherheit. Oft verknüpft man mit dem Begriff klischeehaft sogar ein Bild von Langeweile. Die Realität sieht zumindest für Thomas Reimer anders aus. Er ist seit 40 Jahren im Öffentlichen Dienst beschäftigt – erst als Lehrer, dann als Bürgermeister.

1978, nach dem Studium an der Pädagogischen Hochschule in Regensburg, trat er seine erste Stelle als Lehrer an. Im ersten Jahr war er viel unterwegs. „Ich hatte zehn verschiedene Stellen im ersten Jahr“, sagt Reimer. Wann immer irgendwo ein Lehrer an einer Grundschule fehlte, mussten Nachwuchskräfte wie Thomas Reimer ran. Den Begriff „Mobile Reserve“ gab es damals zwar noch nicht, aber die Realität war für junge Pädagogen dieselbe wie heute. Der Start im Öffentlichen Dienst führte für Thomas Reimer zu einem sehr bewegten und keineswegs langweiligen Leben.

„Was Vernünftiges rüberbringen“

Dabei war der junge Lehrer mit hohen Erwartungen an seinen Beruf gestartet. „Meine Intention war es, mit jungen Menschen zu arbeiten und zu versuchen, was Vernünftiges rüberzubringen“, sagt er. Das war ein hohes Ziel, denn es bedeutete mehr als die Vermittlung von Wissen. Es verknüpfte sich damit auch die Vorstellung, Menschen helfen zu können. Rückblickend, räumt der Bürgermeister ein, habe auch er lernen müssen. „Man kann nicht alles geradebiegen, was in Familien passiert ist, die nicht so gut funktionieren“, sagt er. „Aber man kann das eine oder andere Defizit bei den Kindern ausgleichen.“ An die Menschen, wo es gelungen ist, denkt er gerne zurück.

 In Kindergärten und -krippen sowie Schulen und Ganztagsbetreuung wurden in Reimers Amtszeit viele Millionen Euro investiert. Das Angebot ist dem Bürgermeister auch deshalb wichtig, weil es für ihn um die Chancengleichheit geht. Foto: Pieknik
In Kindergärten und -krippen sowie Schulen und Ganztagsbetreuung wurden in Reimers Amtszeit viele Millionen Euro investiert. Das Angebot ist dem Bürgermeister auch deshalb wichtig, weil es für ihn um die Chancengleichheit geht. Foto: Pieknik

24 Jahre lang war Thomas Reimer Lehrer – erst an der Grund-, dann an der Hauptschule. „Von den Kleinen bis zu den Großen“, sagt er. „Ganz wichtig ist bei allen Schülern, dass sie fühlen, dass man sie mag. Das ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, dass man die Kinder respektiert und mag. Und von daher ist auch der Unterschied zur Arbeit mit erwachsenen Menschen gar nicht so groß.“ Diese Erfahrung begleitet Reimer, der 1966 mit seiner Familie von Gelsenkirchen aufgrund des Raffineriebaus nach Neustadt gezogen war, inzwischen ein Leben lang. Egal, ob er sich in der Evangelischen Pfarrgemeinde, im Stadtrat oder in seiner Partei, der SPD, engagiert.

Bürgermeister seit 2002

„Der Mensch ist, wie er ist“, sagt Reimer. „Ob er nun 15, 25 oder 45 Jahre alt ist – gewisse Dinge ändern sich nicht.“ Das erlebte er auch, nachdem er 2002 zum Bürgermeister von Neustadt gewählt worden war. Auch hier hatte er seine persönlichen Hoffnungen und Wünsche, die sich für ihn mit dem Amt des Bürgermeisters verknüpften. Tatsächlich aber geht das Leben oft andere Wege.

Vielleicht ist man anfangs bisweilen zu optimistisch. „Es kommen im Laufe der Jahre viele Dinge dazu, die man zu Beginn nicht gesehen hat“, sagt der Bürgermeister, der inzwischen 16 Jahre im Amt ist. „Manchmal muss man sehr schnell reagieren und Chancen ergreifen, die sich ergeben.“

 2002 wurde Thomas Reimer erstmals zum Bürgermeister von Neustadt gewählt. 2008 setzte er sich gegen Max Saliger und Peter Stieber und 2014 gegen Herausforderer Werner Reichl durch. Foto: Dannenberg
2002 wurde Thomas Reimer erstmals zum Bürgermeister von Neustadt gewählt. 2008 setzte er sich gegen Max Saliger und Peter Stieber und 2014 gegen Herausforderer Werner Reichl durch. Foto: Dannenberg

Ein Beispiel dafür ist der Neubau des Kindergartens St. Laurentius. „Wir wussten, dass der alte Kindergarten in der Fröhlichstraße saniert werden musste“, erklärt Reimer. „Aber die Situation war beengt, auch von der Anfahrt zum Kindergarten her.“ Eine befriedigende Lösung war damit am alten Standort nicht zu erreichen. „Dann ergab sich aber durch den Abriss der Sander-Siedlung an der Regensburger Straße die Möglichkeit, dass man ein großes Grundstück erwerben konnte, dass die Voraussetzungen für den Kindergarten erfüllt.“

Jonglier-Künste gefordert

Glücksfälle und Mehrheiten allein helfen nicht immer. Bisweilen müsse man Projekte auch gegen Widerstände durchsetzen. „Wie schwierig und mit viel Ärger war die Gestaltung des Römerkastells Abusina verbunden“, erinnert der Bürgermeister.

Projekte aus der Arbeit des Bürgermeisters zeigt die Bildergalerie

Lehrer und Bürgermeister

„Das sind Situationen, wo man mit vielen Bällen jongliert. Und die Erfahrung, die man dabei macht, ist die, dass man plötzlich Mitstreiter findet, die sagen, ’ich unterstütze dich‘.“ Das sei der Schlüssel, mit dem auch schwierige Projekte gelingen könne. „Allein bist du ein Depp. Auch als Käpt’n musst Du ein Teamplayer sein. Ohne das Team geht es nicht.“ Und so dankt Thomas Reimer am Tag seines Dienstjubiläums, der für ihn „so etwas wie ein runder Geburtstag“ ist, all jenen, die ihn unterstützt haben. „Ich habe mit meinen politischen Weggefährten unheimliches Glück gehabt, auch mit meinen Stellvertretern. Das ist auch nicht selbstverständlich“, sagt er. „Auch die eigene Familie war immer wieder gefordert.“

Respekt ist wichtig

Reimer dankt auch den Mitarbeitern der Stadtverwaltung. „Wichtig ist der Respekt voreinander“, sagt er gegenüber den Mitarbeitern noch. Und stellvertretend für die Mannschaft gibt Reimers Sekretärin Annita Eisenschenk den Dank zurück. „Wir haben Freud‘ und Leid miteinander geteilt“, sagt sie.

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