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Politik

Alt-Landrat greift noch einmal an

Paukenschlag bei den Freien Wählern im Landkreis Kelheim: Dr. Hubert Faltermeier ist Direktkandidat für die Landtagswahl
Von Roland Kugler

Der vermeintliche Polit-Rentner greift wieder ein - für seine Partei, die Freien Wähler, kandidiert Dr. Hubert Faltermeier, der frühere Kelheimer Landrat für den Landtag. Foto: Roland Kugler
Der vermeintliche Polit-Rentner greift wieder ein - für seine Partei, die Freien Wähler, kandidiert Dr. Hubert Faltermeier, der frühere Kelheimer Landrat für den Landtag. Foto: Roland Kugler

Kelheim.Paukenschlag bei den Freien Wählern: Alt-Landrat Faltermeier ist zurück auf der politischen Bühne! Auf ihrer Nominierungsversammlung am Donnerstagabend im Gasthof Frischeisen sorgte der FW-Kreisverband für eine echte Überraschung: als Direktkandidaten für die kommende Landtagswahl präsentierten sie keinen geringeren als Dr. Hubert Faltermeier. Der 68-Jährige war von 1992 bis 2016 Landrat des Landkreises Kelheim.

„Ich weiß, wo den Bürgern in Kelheim der Schuh drückt, und dass man nicht alles schlucken muss, was einem vorgesetzt wird.

Dr. Hubert Faltermeier, FW-Direktkandidat für die Landtagswahl

Nach einer kurzen Pause reizt es ihn wieder Politik aktiv mitzugestalten, wie er bei der Nominierungsversammlung sagte. „Ich weiß, wo den Bürgern in Kelheim der Schuh drückt, und dass man nicht alles schlucken muss, was einem vorgesetzt wird. Ich will im Bayerischen Landtag an den Wurzeln mit ansetzen“ sagt er, „Gesetze sollten dort nicht nur abgenickt werden.“ Faltermeier war, bevor er Landrat wurde, unter anderem juristischer Staatsbeamter im Bayerischen Innenministerium (1975 - 1979) und im Kultusministerium (1987 - 1992). Deshalb möchte er nun in den Staat zurückkehren, und zwar als Landtagsabgeordneter.

Er habe nicht lange überlegen müssen, als er von seiner Partei gefragt wurde, erzählte er voll motiviert vor 50 Anwesenden im Gasthaus Frischeisen, „und meine Frau hat mich auch unterstützt“.

Das sind die Themen:

Seine Motivation, in die Politik zurückzukehren: „Ich möchte eine Alternative bieten, kommunale Kompetenz. Es war lange Zeit meine Aufgabe als Landrat Gesetze umzusetzen. Nicht alle waren immer gut, ich möchte sie mitgestalten“.

Dass er nichts an Kampfgeist verloren hat zeigte er in einer emotionalen und engagierten Rede. Dritter Nationalpark, Krankenhäuser, Bürokratie und Vorschriftenflut – Faltermeier will die Themen des Landkreises in München vertreten und teilte auf der Nominierungsversammlung vor allem gegen die CSU aus. „Ich bin für den Naturschutz“, sagt Faltermeier, ein engagierter Jäger, „aber einen Nationalpark in der Weltenburger Enge brauchen wir nicht. Das Gebiet ist hinreichend geschützt, noch mehr Verbote brauchen wir uns nicht gefallen zu lassen. Wenn der Freistaat Bayern wieder gutmachen möchte, was er an Ufer- und Flussverbauung vermurkst hat, dann soll er Vorschläge erarbeiten, Geld in die Hand nehmen und wir sind dabei.“ Von den Vertretern der Kelheimer Kommunalpolitik forderte er „endlich eine klare Positionierung“: „Ich hör immer nur ein ganz mutiges Jein“, gab er einen Seitenhieb auf Rathaus und Landratsamt.

Weitere Berichte zur Debatte über einen dritten Nationalpark in Bayern finden sie in unserem MZ-Spezial

Anderes Thema: Es dürfe auch nicht sein, dass bei den Krankenhäusern immer nur gespart werden soll, kritisierte er die Landes- und Bundespolitik. „Ich will nicht ins rechte Lager gerückt werden“, so Faltermeier, „aber wenn bei uns ein zweistelliger Millionenbetrag für Flüchtlinge ausgegeben wird, muss das auch für die Krankenhäuser da sein.“ Ebenso prangerte er die Bürokratie an. Es gebe eine Vorschriftenflut an Kontrollen in Gastronomie und Handwerk, bei Lebensmitteln und im Tourismus. „Die kleinen drangsaliert man, und bei Banken und in der Automobilindustrie fließen die Boni, das ist nicht richtig.“

Nerb will in den Bezirkstag

Die Kandidaten der Freien Wähler für die Landtagswahl: Helmut Fichtner (Liste, li.) und Dr. Hubert Faltermeier (Direktkandidat, 2. v. li.) und die Bezirkstagswahl: Ludwig Birkl (Liste, re.) und Christian Nerb ( Direktkandidat, 2. v. re.) – mit im Bild FW-Chef Hubert Aiwanger (Mitte) Foto: Roland Kugler
Die Kandidaten der Freien Wähler für die Landtagswahl: Helmut Fichtner (Liste, li.) und Dr. Hubert Faltermeier (Direktkandidat, 2. v. li.) und die Bezirkstagswahl: Ludwig Birkl (Liste, re.) und Christian Nerb ( Direktkandidat, 2. v. re.) – mit im Bild FW-Chef Hubert Aiwanger (Mitte) Foto: Roland Kugler

Als Listenkandidat für die Landtagswahl wurde Helmut Fichtner aufgestellt. Er ist 47 Jahre alt, Ortsvorsitzender und Stadtrat in Mainburg. Er kritisierte vor allem die Bildungspolitik der bayerischen Staatsregierung: „Sie meint, dass die Schüler schlauer werden wenn man ihnen ein Tablet in die Hand drückt. Dabei wäre es wichtiger, wenn man mehr Lehrer einstellt. Aber dann nicht nur für ein Schuljahr, um sie in den Sommerferien wieder in die Arbeitslosigkeit zu schicken. Das ist kein respektvoller Umgang mit unseren Lehrern“, sagte Fichtner, selbst Lehrer an einer Mittelschule.

Als Direktkandidat für die Bezirkstagswahl wurde der Vorsitzende des Kreisverbandes der Freien Wähler und Bürgermeister von Saal, Christian Nerb, nominiert. Ihm gehe es vor allem um die Sozialpolitik. „Es gibt auch bei uns sozial schwache und arme Menschen“, sagte Nerb auch als ehrenamtlicher Ortsvorsitzender des VdK. Sie zu unterstützen und zum Beispiel mehr Wohnungen für Menschen mit Behinderung zu schaffen ist eines seiner Hauptanliegen. Auch die Probleme der vielerorts unterbesetzten Polizei lägen ihm am Herzen. Nerb war selbst 34 Jahre im Polizeidienst tätig. Ebenso wichtig ist ihm der Erhalt des Brauchtums: „Es ist unsere Kultur, die uns aufrecht hält.“

Auf die Liste zur Bezirkstagswahl kam der Kelheimer Stadtrat und FW-Ortsvorsitzende Ludwig Birkl. Der Diplomingenieur für physikalische Technik ist seit kurzem in Vorruhestand. Er will vor allem die Themen Wohnen, Arbeiten und Tourismus im Landkreis Kelheim optimieren.

Auf der Nominierungsversammlung gab FW Chef Hubert Aiwanger das Ziel für die Landstagswahl vor – „wir wollen ehrliche Politik, nicht die Showpolitik der CSU. Sie darf nicht alleine regieren. Wir biedern uns nicht an, aber wir sind bereit mitzuregieren“ – bevor er zu einem Rundumschlag gegen Söder und die CSU überging.

In seinem Abschlussinterview als Landrat hatte Dr. Hubert Faltermeier Ende Oktober 2016 gegenüber unserem Medienhaus bekannt: „Ich freue mich auf die Zäsur“.

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