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Freitag, 21. September 2018 28° 3

Unwetter

Angst vor der nächsten Flut

Starkregen und Gewitter haben Siegenburgs Ortsteil Niederumelsdorf sehr mitgenommen. Der Bürgermeister kündigt Konzept an.
Von Wolfgang Abeltshauser

Im hinteren Bereich des Gartens von Petra Klären ist auch mehr als eine Woche nach den Unwettern der Boden noch matschig vom Wasser und vom Schlamm. Fotos: Abeltshauser, Rading, Engel
Im hinteren Bereich des Gartens von Petra Klären ist auch mehr als eine Woche nach den Unwettern der Boden noch matschig vom Wasser und vom Schlamm. Fotos: Abeltshauser, Rading, Engel

Siegenburg.Petra Klären gibt einen Einblick in ihr Seelenleben: „Du hast da schon fast Todesangst“, sagt die Niederumelsdorferin, als sie über die Unwetter in der vergangenen Woche spricht. Sie war wohl diejenige, die am stärksten gelitten hat. Ihr Anwesen in der Siegenburger Straße war nach ihren Worten gleich zweimal betroffen – am 9. und 11. Juni.

Vor allem hätten sich Wasser und Schlamm so rasch ausgebreitet, dass ein Handeln fast nicht möglich war. Ein richtiggehender Schmutzbach habe sich seinen Weg durch ihren Garten gebahnt. Schwere Blumenkübel, die ein erwachsener Mann unmöglich alleine würde bewegen können, schwammen durch ihr Anwesen. Gott sei dank drang die Flut nicht ins Haus ein. Weil ein Nachbar zur Hilfe kam und sie es gemeinsam schafften, die Terrassentür gerade noch rechtzeitig abzudichten. Den hölzernen Terrassenboden hatte die Flut aber fast senkrecht in die Höhe gehoben. So sagt Klären es. In die Nebengebäude bahnten sich die Fluten jedoch einen Weg. Ihr Auto in der Garage war bis zum Auspuff im Wasser, im Brennholzlager stand die Brühe fast einen Meter hoch. Jetzt hat sie diese Räume provisorisch mit großen Brettern gesichert.

Das Ehepaar Limmer/Engel – es wohnt einige Hausnummern weiter – hatte noch weniger Glück. „Wir waren in unserem Hof hüfthoch im Wasser“, klagt Ingrid Engel. Letztendlich drangen das Nass und der Schmutz in den Keller und weitere Räume ein. „Den Zaun hat es samt Fundament teilweise weggerissen“, beschreibt Johann Limmer die Wucht der Flut.

Tägliche Arbeit bis in die Nacht

Derzeit haben die Geschädigten im Dorf noch nicht so recht die Zeit, das Geschehene zu bewältigen. „Wir arbeiten jeden Tag bis 22 Uhr, um aufzuräumen und sauber zu machen.“ Petra Klären geht es nicht anders. All das werde sicherlich noch einige Tage dauern. Sicherlich habe sie eine Elementarversicherung. Immerhin hat es sie jetzt schon das fünfte Mal getroffen, seit sie 1991 nach Niederumelsdorf gezogen ist. Aber könne so eine Versicherung all die Mühe gutmachen, die jetzt nötig sei, um alles wieder zu reparieren?

Ein Blick auf den Garten einen Tag nach dem Unwetter.
Ein Blick auf den Garten einen Tag nach dem Unwetter.

Schon jetzt haben die starken Unwetter der jüngsten Vergangenheit eines bewirkt: „Bei uns hat das so ziemlich alles verändert“, sagt Engel. Der Blutdruck von Klären, Limmer und Engel wird wohl in Zukunft immer steigen, wenn am Horizont dunkle Wolken aufziehen. „Ich traue mich nicht mehr, das Haus zu verlassen“, stellt Klären fest. Derzeit könne sie ihr Daheim nicht einmal stundenweise alleine lassen. Aus Angst, gerade dann kommt wieder ein Gewitter. Ihren Nachbarn geht es nach eigenem Bekunden nicht anders.

Einen Ursprung des Übels vermutet Klären beim Regenrückhaltebecken, das sich einige hundert Meter westlich ihres Anwesens befindet. Es sei zu klein. Außerdem voller Gestrüpp und nicht gesäubert. Siegenburgs Bürgermeister Dr. Johann Bergermeier muss ihr hier durchaus Recht geben. Bei einer kurzfristig anberaumten Bürgerversammlung am Dienstagabend in Niederumelsdorf bekannte das Gemeindeoberhaupt, dass zu klein dimensionierte Rückhalbebecken ein Teil des Problems seien. Dass er jetzt Firmen beauftragt habe, die Becken – wo nötig – auszubaggern, kann Klären wenig trösten. Sie habe schon länger auf den Umstand hingewiesen. Sagt sie zu unserem Medienhaus.

Am 9. Juni hieß es „Land unter“ im südlichen Landkreis. Am schlimmsten betroffen war Niederumelsdorf.

Bergermeier kündigt Maßnahmen an: „Es ist klar, dass in Zukunft mehr gemacht werden muss.“ Allerdings appelliert er hier auch an die Dorfgemeinschaft. Es gehe nur gemeinsam. Der Rathaus-Chef bat darum, notwendigen Grund für Maßnahmen auf Tauschbasis abzugeben.

Ein kleiner Erfolg

Immerhin: Bei der Versammlung im Feuerwehrhaus vermeldete Bergermeier einen Erfolg: Schon länger habe er versucht, im Bereich der Straße nach Neukirchen Grund für einen zweiten Abflussgraben Richtung Schmidbach zu bekommen. Jetzt habe ein Eigentümer eingewilligt, das Projekt auf seinem Grund verwirklichen zu lassen.

Grundsätzlich will Bergermeier ein Konzept abarbeiten, das in den vergangenen Tagen ein Fachplaner erarbeitet habe. Die notwendigen Beschlüsse dafür will sich der Bürgermeister bei der heute um 19 Uhr stattfindenden Gemeinderatssitzung im Rathaus holen

Sowohl im Bereich Flur- und Lindenweg als auch bei der Straße nach Neukirchen sollen weitere Rückhaltebecken gebaut und bestehende vergrößert werden. Ähnliches soll im Norden des Dorfes geschehen. Dazu schlägt der Fachmann vor, einige Straßendurchlässe zu vergrößern. Was die Becken betrifft, müssten einige Niederumelsdorfer Grund abtreten. Das Größte könnte am Lindenweg entstehen. Hier ist aber noch eine Grundsatzentscheidung von Dorfgemeinschaft und Gemeinderat zu treffen. Denn eigentlich soll an dieser Stelle ein Baugebiet entwickelt werden. Bei der Versammlung gab es Stimmen für und wider Becken an dieser Stelle.

Das Anwesen der Familie Limmer/Engel in der Siegenburger Straße stand unter Wasser.
Das Anwesen der Familie Limmer/Engel in der Siegenburger Straße stand unter Wasser.

Helfen könnte darüber hinaus, wenn die Straße von Siegenburg her abgesenkt werde. Auf diese Weise könnte Wasser abgefangen werden.

Nicht immer sind wohl die großen Maßnahmen notwendig. So bekam der Bürgermeister mit auf den Nachhauseweg, er möge dafür sorgen, dass die Gullys auf den Straßen nach Regen regelmäßig sauber gemacht werden. Ähnliches wünscht sich Klären. Sie mahnt an, die Gräben häufiger zu räumen.

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Tipps für den Versicherungsfall

  • Elementarschaden:

    Die übliche Gebäudeversicherung übernimmt keine Überschwemmungsschäden. Dafür ist eine Elementarschadenversicherung notwendig. Sie gibt es in Kombination mit einer Gebäudeversicherung. Der Elementarschutz umfasst in der Regel die finanzielle Absicherung gegen Überschwemmung, Rückstau, Erdrutsch sowie Schneedruck. Schäden durch Grundwasser sind üblicherweise nur versichert, wenn Grundwasser an der Erdoberfläche austritt und eine Überschwemmung verursacht. Sind die Kellerwände infolge eines Grund­wasseranstiegs feucht, springt der Versicherer in der Regel nicht ein. Außerdem ist in den meisten Bedingungen eine Überschwemmung definiert als „Überflutung von Grund und Boden“. Das heißt: Flachdächer, Balkone und Terrassen gehören nicht zu den versicherten Gebäudeteilen.

  • Hausrat:

    Auch die Hausratversicherung – etwa für Möbel – zahlt für Schäden durch Überschwemmung nach Starkregen oder Hochwasser nicht. Ansonsten müssen – analog zur Wohngebäudeversicherung – zusätzlich zur Hausratversicherung Elementarschäden speziell eingeschlossen werden.

  • Voraussetzung:

    Für Hauseigentümer ist der Abschluss einer Elementarschadenversicherung nicht immer einfach. Es gibt enorme Preisunterschiede. Die Versicherer stufen Immobilien nach deren Gefährdungsrisiko für Überschwemmungen ein und orientieren sich dabei an dem Zonierungssystem ZÜRS (Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen). Es gibt vier verschiedene Zonen – je nachdem, wie häufig mit Hochwasser zu rechnen ist. Dabei gilt: Je höher die Zürs-Zone, desto teurer der Versicherungs­schutz. Doch die Datenlage zeigt: Rund 91 Prozent der Häuser liegen in Zürs-Zone 1. Problematisch ist der Schutz für die knapp ein Prozent der Immobilien in Zürs-Zone 4. Das sind beispielsweise Häuser in der Altstadt in Passau oder in Köln am Rhein, wo es oft Überschwemmungen gibt.

  • Pflichten:

    Wenn etwas passiert ist, muss der Hausbesitzer sich kümmern. Ihn trifft die Schadenminderungspflicht. In der Praxis heißt das zum Beispiel, dass er ein durch heruntergewehte Ziegel entstandenes Loch im Dach oder ein eingedrücktes Fenster mit einer Plane abdecken muss. Quelle: Stiftung Warentest.

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