MyMz
Anzeige

Radschlacht

Aus dem Regen zum Triumph beim Race24

Das 24-Stunden-Radrennen fordert über 1100 Startern alles ab. Zwei Vorfälle trüben das Fest: Reißnägel und Fahrraddiebstähle.
Von Benjamin Neumaier, Tom Kreidemeier, Manfred Forster und Martin Rutrecht

Vor allem am Samstag goss es teils aus Kübeln, als das Race24 erst wenige Stunden alt war. Foto: Heike S. Heindl
Vor allem am Samstag goss es teils aus Kübeln, als das Race24 erst wenige Stunden alt war. Foto: Heike S. Heindl

Kelheim.Die Worte einer Dame, die 67 000 Follower im Internet zählt, haben Gewicht. „Ich würde allen sagen: Kommt her, nehmt teil, die Atmosphäre ist unvergleichlich!“, sagte Maria Wilke, eine Radsport-„Influencerin“, die im Damen-Einzel Rang drei belegte. Auch die 23. Auflage des 24-Stunden-Radrennens in Kelheim war trotz heftiger Regengüsse ein Erfolg. An die 10 000 Zuschauer schätzte der Veranstalter. Über 1100 Fahrer gingen an den Start – und die lokalen Teams setzten sich durch.

„Es war verdammt anstrengend.“

Philipp Bertsch (Siegerteam IronTrizone)

Mit der Herren-Mannschaft von IronTrizone (56 Runden á 16,4 km) gewann ein Quintett mit teils heimischen Fahrern. „Es war verdammt anstrengend“, gestand der Abensberger Philipp Bertsch. Profi-Triathlet Sebastian Neef hatte am Sonntag gegen 10 Uhr die entscheidende Attacke geritten, als Trizone noch mit dem Team Gaimersheim gleichauf lag.

Der Zieleinlauf im Video:

Die schönsten Momente des Zieleinlaufs in Kelheim

Bei den Damen-Equipen legten die Schneider-Weisse-Bergmädls (48 Runden) aus Kelheim einen Start-Ziel-Sieg hin. Das Team Eurosport (Senioren, 52 Rd.) und xc-ski.de A|N Skimarathon Team (Mixed, 55 Rd.) hießen die weiteren Mannschaftssieger.

Radsport-„Influencerin“ Maria Wilke war trotz eines „schwierigen Rennens“ begeistert.
Radsport-„Influencerin“ Maria Wilke war trotz eines „schwierigen Rennens“ begeistert.

Das Herren-Einzel gewann Björn Fischer aus Gummersbach (45 Rd.) – aber getoppt wurde er vom 52-jährigen Seniorensieger Günter Gartner mit 47 Schleifen. „Ich habe mich gezielt vorbereitet mit 10 000 Kilometern in diesem Jahr“, so der Ingolstädter, der auch die TransAlp fuhr und im Vorjahr Dritter bei den Herren war.

Nägel bei Essing gestreut

Das Frauen-Einzel holte sich Yvonne Margraf (40 Rd.). Das Seniorinnen-Klassement führte Judith Liepold (34 Rd.) an. „Das Wetter war nicht so der Burner, aber die Stimmung wirklich unglaublich“, so die Frankfurterin Margraf.

Heftige Regenschauer vermiesten vor allem das erste Renndrittel, hielten aber die Fans des Spektakels nicht ab. „In Summe mit dem Freitag sind wir bei 10 000 Zuschauern“, meinte Klaus Roithmeier, Vorsitzender des RSC Kelheim. In der Nässe seien die Fahrer sehr vernünftig unterwegs gewesen.

Die Entscheidung beim Race24 in Bildern:

Race24 2019 Kelheim Kurz vor dem Ende

Völlige Unvernunft ließen aber unbekannte Übeltäter walten: „In Essing wurden am Samstagabend Reißnägel auf die Strecke gestreut. Mehrere Teilnehmer hatten einen Platten.“ Zum Glück blieben Stürze durch diese Untat aus. Ein Leidtragender war auch der Mainburger Hubert Liepold, Zweiter im Senioren-Einzel, der wegen eines Nagels im Reifen den Anschluss an Sieger Gartner verlor.

Hier ein Video zum Start am Samstag um 14 Uhr:

Circa 1200 Radler sind beim 24-Stunden-Rennen gest

Zwei Teilnehmer hatten bereits am Samstagmorgen vor dem Rennen ihr Schockerlebnis: Ihre Räder wurden in der Nacht geklaut. Auf den Parkplätzen Niederdörfl und Aumühle – umfunktioniert zu Fahrerlagern – schlugen die unbekannten Täter zu (siehe Info-Kasten). Relativ ruhig blieb es dagegen für die Einsatzkräfte des BRK. Bei einem Sturz bestand Verdacht auf einen Schlüsselbeinbruch. Die übrigen rund 20 Einsätze galten Schnittwunden oder Bienenstichen.

In der Nacht blieb es trocken, doch leichter wurde es nicht. Foto: Heike S. Heindl
In der Nacht blieb es trocken, doch leichter wurde es nicht. Foto: Heike S. Heindl

Der Race24-Triumphator schlechthin schaute auch vorbei: Fünffachsieger Markus Rieber, der im Vorjahr seinen Rücktritt bekannt gab, fand sich als Zuschauer ein. „Ich habe ja versprochen, ich komme zum Eisessen wieder“, lächelte der Champion aus Güglingen bei Heilbronn. Diesmal betreute er einen Einzelstarter und wurde bei der Startnummernausgabe von einem RSC-Mann gelockt: „Willst ned doch starten?“ Rieber gestand: „Eine Runde bin ich mitgerollt, da steigt schon wieder die Lust.“

Portraits

Das sind die acht Sieger des Race24

Nach gebrochener Hüfte bester Solist, ohne Pedale vorne: Die Geschichten rund um die Sieger verraten viel Menschliches.

Auch ein Supersportler keucht

Ein Ultra-Cyclist versteckte sich heuer mit Christoph Strasser im Mixed-Team owayo.com. Der sechsfache Sieger des Race across America gab zu Protokoll: „Hier in Kelheim heißt es 30 Minuten Vollgas geben, Pause machen – und dann wieder Vollgas geben. Beim Race across America kann man sein eigenes Tempo finden und das durchziehen.“ 2006 siegte er in Kelheim. „Da kommt man natürlich gerne wieder.“

Zwei hochwertige Rennräder gestohlen

  • Tatort:

    Zwei hochwertige Rennräder wurden im Umfeld des Race24 in der Nacht auf Samstag im Bereich der Fahrerlager auf dem „Aumühle“-Parkplatz und „Niederdörfl“ gestohlen. Beide Fahrräder waren mit einem bzw. zwei Schlösser gesichert. Die Eigentümer, zwei Rennradler aus dem Raum München und Neustadt an der Aisch bemerkten den Diebstahl, als sie am Samstag ins Fahrerlager kamen bzw. aufwachten.

  • Schaden:

    Die beiden gestohlenen Rennräder haben laut Mitteilung der Polizei einen Wert von 3600 (Marke Rose, Typ Xenon) und 4000 Euro. Bei letzterem Rad (Marke Velo, Typ Keller) handelte es sich um eine Einzelanfertigung. Dessen Eigentümer konnte aber schließlich doch noch beim Race24 starten. Freunde brachten ihm ein Ersatzrad zur Rennstrecke nach Kelheim.

In den Mannschaften und unter den Solisten stachen nicht nur die Könner hervor. Die vielen Freizeitsportler waren das belebende Element, das dieses Race24 ausmacht. Sie glänzten auch mit fantasievollen Namen – von „Gegen uns hätten wir auch gewonnen“ bis zu „Lissy und die wilden Kaiserinnen“. Schwere Beine hatten viele Fahrer in der Nacht. Dem Jugendteam run&bike/RSC konnte das nichts anhaben. „Alles gut“, sagte Moritz Dettenkofer, „nur bei einem Platzregen habe ich nichts mehr gesehen auf der Strecke.“ Auch er fand zum Triumph.

Alle Berichte zum 24-Stunden-Radrennen 2019 finden Sie hier.

Unseren Live-Ticker vom Rennen können Sie hier nachlesen:

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht