mz_logo

Region Kelheim
Montag, 20. August 2018 30° 2

„All-inclusive“

Aus für die Naturpark-Gästekarte

Die Altmühltal-Touristiker scheuen das Finanzrisiko. Nun prüft Kelheims Tourismusverband eine „kleine Lösung“.
Von Martina Hutzler

In Baden-Württemberg gibt es die „Schwarzwald-Gästekarte“; dort lassen sich damit auch die Nahverkehrsangebote nutzen. Die dortige Beraterfirma hat ein solches Modell auch fürs Altmühltal geprüft. Foto: Rolf Haid dpa/lsw
In Baden-Württemberg gibt es die „Schwarzwald-Gästekarte“; dort lassen sich damit auch die Nahverkehrsangebote nutzen. Die dortige Beraterfirma hat ein solches Modell auch fürs Altmühltal geprüft. Foto: Rolf Haid dpa/lsw

Kelheim. Im Naturpark Altmühltal wird es doch keine „All-inclusive“-Gästekarte geben: Zu hoch ist dem Tourismusverband Naturpark Altmühltal das wirtschaftliche Risiko für so eine umlage-finanzierte Karte, mit der Übernachtungsgäste Freizeiteinrichtungen und ÖPNV-Angebote der Region kostenlos nutzen könnten. Nun prüft der Kelheimer Kreis-Tourismusverband (TV), ob er das Projekt – in kleinerer Dimension – selbst stemmen kann. Das gab TV-Geschäftsführer Florian Best am Mittwoch beim Touristikertreffen in Essing bekannt.

Seniorchef Josef Schneider stellte den Touristikern aus dem Landkreis die neue Schaubrauerei des Essinger Familienbetriebs vor. Foto: Hutzler
Seniorchef Josef Schneider stellte den Touristikern aus dem Landkreis die neue Schaubrauerei des Essinger Familienbetriebs vor. Foto: Hutzler

Damit würde das Projekt zu seinen Ursprüngen zurückkehren. Vor zwei Jahren hat der TV ein Leader-Projekt gestartet, um Chancen und Kosten einer umlagefinanzierten Gästekarte auszuloten. Ergebnis der Studie der Firma Wiif: Schön wär’ sie schon, so eine Karte – aber der Landkreis alleine ist zu klein, als dass sich die Karte wirtschaftlich darstellen ließe. Deshalb wandte sich der TV an den Naturpark-Verband (in dem auch Kelheim Mitglied ist) und schlug eine Ausweitung des Projekts auf den gesamten Naturpark, von Kelheim bis Treuchtlingen, vor.

Sechsstellige Investition

Die Beraterfirma Wiif, die in ihren Referenzen unter anderem die Einführung der „Schwarzwald Plus“-Karte auflistet, hat beides grob kalkuliert: Kelheim allein müsste rund 120 000 Euro für die Erstinvestition in die Hand nehmen; bei Ausweitung auf den Naturpark wären rund 156 000 Euro nötig. Jährlich müsse man dann mit rund 250 000 Euro Kosten für Personal, Marketing etc. rechnen.

In Baden-Württemberg gibt es die „Schwarzwald-Gästekarte“; dort lassen sich damit auch die Nahverkehrsangebote nutzen. Die dortige Beraterfirma hat ein solches Modell auch fürs Altmühltal geprüft. Foto: Rolf Haid dpa/lsw
In Baden-Württemberg gibt es die „Schwarzwald-Gästekarte“; dort lassen sich damit auch die Nahverkehrsangebote nutzen. Die dortige Beraterfirma hat ein solches Modell auch fürs Altmühltal geprüft. Foto: Rolf Haid dpa/lsw

Das Prinzip der Karte: Der Gast, der sich in einem der teilnehmenden Beherbergungsbetriebe einquartiert, erhält die Karte kostenlos. Und kann damit zum Beispiel kostenlos oder zumindest vergünstigt ins Schwimmbad, Museum, in die Therme; sie ist Ticket für Busse und Regionalzüge der Region – je nachdem eben, welche touristischen Partner sich beteiligen. Den Einnahmeausfall erhalten sie indirekt von den Hotels und Vermietern rückerstattet. Die kalkulieren in ihre Logis-Preise eine entsprechende Umlage mit ein, die im besten Falle zudem die laufenden Kosten für Karten-Organisation deckt.

Doch genau damit hadern Beherbergungsbetriebe. Vor allem größere Hotels im Altmühltal, insbesondere die in Nähe der A9, verweisen auf ihren hohen Anteil an Geschäftsreisenden, Tagungsgästen, Monteuren unter den Gästen: Denen würde die Karte nichts nützen, deshalb können die Hoteliers sie in deren Zimmerpreise erst gar nicht einkalkulieren. Und private Vermieter im Naturpark fürchten, die für die Umlage nötige Preiserhöhung könnte Stammgäste verprellen.

Prüfauftrag an den Verband

Deshalb hat der Beirat des Naturpark-Verbands bereits Ende Juni beschlossen, das Projekt nicht weiter zu verfolgen, informierte TV-Geschäftsführer Best beim Touristiker-Treff, der diesmal in der neuen Schau-Brauerei Schneider in Essing Station machte. „Natürlich“ sei er enttäuscht über das Aus für eine große Lösung, gesteht Best. Indes auch für ihn überraschend deutlich habe der Beirat des Kelheimer Tourismusverbands gefordert, die Gästekarte noch nicht ad acta zu legen. „Der Beirat hat uns ganz klar den Arbeitsauftrag gegeben zu prüfen, ob man zumindest im Landkreis Kelheim so eine Karte einführen kann“, so Geschäftsführer Best. Im Plenum, also der Mitgliederversammlung, gab es dazu keine Kommentare.

TV-Geschäftsführer Florian Best zeigte sich enttäuscht über das Aus für die Gästekarte im Naturpark. Foto: Hutzler
TV-Geschäftsführer Florian Best zeigte sich enttäuscht über das Aus für die Gästekarte im Naturpark. Foto: Hutzler

Klar ist, dass der Etat der Kreis-Touristiker so eine große Investition nicht hergibt. Aufgabe der TV-Geschäftsstelle wird daher sein auszuloten, ob Vermieter, Gastronomen und sonstige Touristiker für die Erstinvestition mit in Vorleistung zu gehen und womöglich auch bereit sind, die laufenden Kosten, die nicht aus der Umlage gedeckt sind, mit zu schultern.

Warum sich das für die Beteiligten unterm Strich trotzdem lohnen könnte, liegt zumindest für TV-Manager Best auf der Hand: „Wir müssen dem Trend zu immer kürzeren Aufenthaltsdauern entgegenwirken. Die Gästekarte wäre eine große Chance, gerade erholungssuchende Gäste dazu zu bringen, wieder länger bei uns zu bleiben.“

Weitere Themen beim Treffen

  • Naturtourismus:

    Das Wirtschaftsministerium will in Bayern das touristische Leitbild „nah an Mensch und Natur“ etablieren und stockt seine Fördermittel auf 100 Mio. Euro auf: eine Chance für den Kreis Kelheim, so TV-Vorsitzender Thomas Reimer.

  • Schulung:

    Neben den bestehenden Beratungsangeboten für seine Mitglieder will der Kreis-Tourismusverband nach Saisonende ein neues Angebot starten: eine (maximal halbtägige) Schulung für Chefs und Mitarbeiter zu den touristischen Angeboten in der Region.

  • Ansätze:

    Der Kreis Kelheim könne beim Naturtourismus bereits zweifach punkten, darauf wies Vize-Landrat Wolfgang Gural hin: als geförderte Modellregion „Naturtourismus für Alle“ und als Pilotdestination „Reisen für Alle“, beides Inklusions-Projekte.

  • Idee:

    Die Schulung ist vor allem für Beschäftigte mit direktem Kundenkontakt gedacht: Sie sollen gewappnet sein für Fragen von Gästen – sei es nach Klassikern wie dem Panoramaweg, oder nach „Geheimtipps“. Bei der Premiere soll es um Rad- und Wanderangebote gehen.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht