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Innovationspreis

Auszeichnung für Hightech aus Kelheim

Mit einem Innovationspreis würdigt die Wirtschaftszeitung besondere Ideen. Diesmal gewinnt die PCO AG.
Von Bettina Mehltretter, MZ

Regensburg.Der Gewinner des dritten Innovationspreises der Wirtschaftszeitung war bis Donnerstagabend ein gut gehütetes Geheimnis: Neun Unternehmen aus Ostbayern waren nominiert, ein Handwerksbetrieb genauso wie IT-Dienstleister, Online-Händler oder Hightech-Unternehmen. Exakt um 21.15 Uhr verkündete Juror Otmar Ehrl, Gründer des Querdenker-Clubs, im Regensburger Cinemaxx den Sieger: das Hightech-Unternehmen PCO AG, das Kameras für extreme Anforderungen entwickelt.

Sogar die US-Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa haben die Kelheimer schon überzeugt. Mit einem ihrer Kamerasysteme lieferten sie beeindruckende Bilder vom Start eines Spaceshuttles. Auch Mercedes und VW nutzen die Kelheimer Technologie: Mit bis zu 3000 Bildern pro Sekunde halten PCO-Kameras den exakten Ablauf von Crashtests fest. Ehrl zeigte sich in seiner Laudatio erstaunt über die Zahlen, die PCO Ende 2012 vorgelegt hatte. Allein in jenem Jahr verkaufte das Unternehmen 5000 Kameras. Eines dieser Systeme ist 80 Kilogramm schwer und 140 000 Euro teuer.

Jury trauert um Dr. Terhart

An Otmar Ehrls Stelle hätte am Donnerstagabend eigentlich Dr. Peter Terhart auf der Cinemaxx-Bühne stehen sollen, der Vorstandschef der Sparkassen-Beteiligungsgesellschaft S-Refit AG und ein Mitglied in der Jury des Innovationspreises. Doch Terhart war am Wochenende plötzlich verstorben. Zu Beginn der Gala betonte Moderatorin Jeannine Tieling, dass es wohl in Terharts Sinne gewesen wäre, die Gala rund um die Verleihung des Innovationspreises trotzdem stattfinden zu lassen. Die Gäste im Saal standen einen Moment lang auf. Unternehmer, Wirtschaftsförderer und die Präsidenten der ostbayerischen Hochschulen und Universitäten hielten genauso inne wie die Vertreter der Kammern und Verbände, die nominierten Unternehmen und die Kandidaten für den Studentenpreis.

Die Entscheidung für den diesjährigen Innovationspreisträger hatte die Jury am Ende zwischen Hightech und Handwerk gefällt. Schreinermeister Manfred Philipp aus dem Dorf Riglasreuth (Kreis Tirschenreuth) rangierte knapp hinter PCO. Seine Erfindung war der Jury einen Sonderpreis wert. Philipp hatte nach zweijähriger Tüftelarbeit mit seinem Sohn Roman, der an der OTH in Regensburg Medizintechnik studiert, ein barrierefreies Kochsystem präsentiert. „Der Herd ist normalerweise zu hoch“, erklärte Philipp in einem Einspieler. Behinderte kämen meist nicht an die hinteren beiden Platten heran, in die Töpfe könnten sie sowieso nicht schauen. Philipps Erfindung, die sich aktuell im Prototypen-Status befindet, löst beide Probleme: Seine Herdplatten sind ausziehbar; Menschen mit Handicap können mit ihrem Rollstuhl darunter fahren. Christine Hochreiter, Leiterin der MZ-Wirtschaftsredaktion, begeisterte diese Idee. „Ich würde mir viel mehr solcher Bewerbungen aus dem Handwerk wünschen“, erklärte sie.

25 Studenten reichten Arbeiten ein

Premierensiegerin des mit 5000 Euro dotierten Studentenpreises war Simone Pfeifle aus Neukirchen (Kreis Amberg-Sulzbach). In einer knappen Abstimmung hatte sie sich mit ihrer Masterarbeit, einem Employer-Branding-Konzept, gegen Johannes Höcherl, Daniel Lammering (beide OTH Regensburg) und Claudius Löhnert (Universität Passau) durchgesetzt.

Laudator Peter Walser, Personalleiter bei Osram Opto Semiconductors, der Simone Pfeifle gemeinsam mit Continental-Personalchef Michael Staab auszeichnete, war besonders deren tiefgehende Recherche aufgefallen: „Ich war beeindruckt von ihrer Leistung.“ Insgesamt hatte die Jury 25 Abschlussarbeiten unter die Lupe genommen.

Bei der Wirtschaftszeitungs-Gala bekam auch Nicolas Maier-Scheubeck eine Bühne, der Geschäftsführer der Maschinenfabrik Reinhausen, die im Vorjahr den Innovationspreis gewonnen hatte. „Unsere Erfindung des regelbaren Ortsnetztransformators ist tatsächlich zur Innovation geworden“, sagte er. „In der Branche ist sie jetzt Standard.“

Unterdessen forderte Juror Ehrl in seinem Impulsreferat ein radikales Umdenken in den Unternehmen: Um Innovationen voranzutreiben, müsse eine neue Ideen- und Fehlerkultur etabliert werden. „Es gibt niemanden, der nicht kreativ ist“, sagte er und empfahl, auch die Damen vom Empfang oder den Hausmeister an den runden Tisch zu holen. Schließlich seien das die Mitarbeiter, die das Unternehmen am besten kennen.

Die Bewerbungsfrist für den Innovations- und den Studentenpreis 2014 läuft bereits. Bewerbungen nimmt die Wirtschaftszeitung entgegen.

Die Kameras des Kelheimer Hightech-Unternehmens PCO fangen beeindruckende Bilder ein:

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