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Bildung

Aventinus für jedermann

Die 7d der Turmair-Realschule hat den Namensgeber der Schule erforscht – und erhält dafür einen Preis vom Kultusministerium.
von Benjamin Neumaier

Die Klasse 7d vor dem Aventinus-Denkmal am Aventinusplatz in Abensberg Foto: Then
Die Klasse 7d vor dem Aventinus-Denkmal am Aventinusplatz in Abensberg Foto: Then

Abensberg.Dieses Projekt war jede Minute wert. Auch wenn durch den Zeitaufwand der Lehrplan ein bisschen vernachlässigt wurde“, sagt Maria Warsitz-Müller, Leiterin der Johann Turmair-Realschule Abensberg. Und fügt augenzwinkernd hinzu: „Jetzt weiß auch ich genauer Bescheid über den Namensgeber unserer Schule.“ Außerdem ist sie stolz: Das multimedial angelegte Geschichtsprojekt rund um Aventinus belegt beim landesweiten Schülerwettbewerb des Kultusministeriums einen Spitzenplatz.

Genaues wissen nicht viele

Aventinus, bürgerlich Johann Georg Turmair, Chronist, Geschichtswissenschaftler, Geograf – so in etwa würde der durchschnittliche Abensberger den berühmtesten Sohn der Stadt wohl beschreiben. Genaueres wissen aber wohl die wenigsten. So ging es auch den Schülern der Klasse 7d, als ihnen Lehrerin Sonja Then zu Beginn des Schuljahres das Geschichtsprojekt rund um den berühmten Abensberger vorstellte. „Ich habe zwar gewusst, dass in Abensberg Gebäude oder Schulen – auch unsere – nach Aventinus benannt sind, aber mehr nicht“, sagt Klassensprecherin Lena Schweiger. „Aber das Projekt klang voll cool, deshalb hat sich eigentlich die ganze Klasse von Anfang an darauf gefreut.“

Thomas Daffner, Lena Schweiger, Christine Korbay und Sonja Then mit der Aventinus-Collage Foto: Neumaier
Thomas Daffner, Lena Schweiger, Christine Korbay und Sonja Then mit der Aventinus-Collage Foto: Neumaier

Ausschlaggebend war anfangs wohl nicht die Figur Aventinus, sondern eher der methodische Ansatz, sagt Then: „Zunächst drängen sich ungleich weniger Projektideen auf, als etwa bei einer Sophie-Scholl-Schule, aber dass wir eine multimediale Homepage erstellen wollten, hat die Schüler sofort gefangen genommen.“ So ging man im Herbst vergangenen Jahres das Projekt Aventinus an – ein Blog sollte entstehen. Doch daraus wurde schnell mehr. Wie Turmair selbst erkundeten die Schüler Archive, werteten historische Quellen aus, durchforsteten die Umgebung, machten Stadtführungen und sponnen so ein immer dichteres Netz an Informationen über Turmair. „Das war schon beeindruckend“, sagt Schülerin Christine Korbay. „Wir haben mehr und mehr bemerkt, wie viel Aventinus geleistet hat und, dass er trotz Widerständen – er wurde sogar ins Exil geschickt – nicht aufgegeben hat. Das war schon beeindruckend.“

Die Homepage der Schüler ist unter www.aventinus.bayern erreichbar. Screenshot: www.aventinus.bayern
Die Homepage der Schüler ist unter www.aventinus.bayern erreichbar. Screenshot: www.aventinus.bayern

„Bei unserer Recherche haben wir festgestellt, dass das Leben unseres Hansi, wie wir ihn zwischenzeitlich nannten, sehr bewegt war. Besonders berührt hat uns die Kluft zwischen Selbstwahrnehmung und Geschichtskultur. Sympathisch war er uns, weil er als Bub eines Wirts so weit in der Welt herumgekommen ist, sich in dieser Zeit traute, offen die Kirche zu kritisieren und schließlich, weil er nie den Kontakt zu den normalen Menschen verlor und er sein Werk durch die Übersetzung in die deutsche Sprache für alle verständlich machte“, sagt Then.

Viel freiwillige Heimarbeit

Die Projektideen sprudelten – das Engagement der Schüler ebenso. In den Schulstunden und teils freiwilliger Hausarbeit bereiteten sie in Kleingruppen Themenblöcke vor, drehten Filme, erarbeiteten Quiz-Blöcke oder Konzepte, wie man das zusammengetragene Wissen nun am besten transportieren und präsentieren könnte.

Mit Dr. Tobias Hammerl studierten die Schüler historische Quellen. Foto: Then
Mit Dr. Tobias Hammerl studierten die Schüler historische Quellen. Foto: Then

Immer an der Seite der Schüler: die Mitarbeiter des Stadtmuseums Abensberg, insbesondere Museumsleiter Dr. Tobias Hammerl. „Ohne diese Unterstützung hätte es sich nicht so entwickelt“, sagt Sonja Then, die als teilabgeordnete Lehrkraft über das Museumspädagogische Zentrum am Herzogskasten tätig ist. „Das hat vieles erleichtert. Während andere mühsam einen Museumsleiter suchen, der dann eine Stunde Zeit hat, waren wir in ständigem Kontakt und arbeiteten viel zusammen. Alleine die technische Umsetzung einer Homepage hätte uns an Grenzen gebracht.“ Die Homepage unter www.aventinus.bayern ist an die Seite des Museums angegliedert und soll auch per Multimediastation im Museum gezeigt werden.

Teils arbeiteten die Schüler mit Originaldokumenten. Foto: Then
Teils arbeiteten die Schüler mit Originaldokumenten. Foto: Then

Doch nicht nur hier soll Turmair mehr ins Zentrum rücken, auch an der Realschule soll das Projekt weiter Kreise ziehen, sagt Konrektor und Geschichtslehrer Thomas Daffner: „Wir werden Aventinus sowohl im Unterricht als auch im Schulhaus mehr in den Mittelpunkt rücken. Alle Klassen arbeiten mit den Ergebnissen der 7d, bekommen im Geschichtsunterricht Arbeitsaufträge dazu, bearbeiten oder erweitern Themenfelder.“ Zudem hat Hermine Speder, Witwe des Abensberger Künstlers Ferdinand Kieslinger, der Schule zwei Kunstwerke dessen über Aventinus und auch Bildrechte an den Werken zur Verfügung gestellt. Sie kommen zusammen mit einer von Then erstellten und betexteten Bildercollage über Aventinus „an einen prominenten Platz in der Aula der Schule“, sagt Daffner.

Die Schüler sind mehr als stolz auf ihr Projekt und, dass es nachhaltig erhalten bleiben. „Es hat total Spaß gemacht, das könnten wir ruhig öfter machen“, sagt Christine Korbay. „Dass wir auch noch einen Preis vom Kultusministerium bekommen, ist schön, viel mehr sind wir aber stolz darauf, dass wir die erste umfassende Homepage über Aventinus erstellt haben. Denn die bleibt für immer.“

Interview: Mit Museumsleiter Dr. Tobias Hammerl:

„Aventinus wäre heute ganz sicher Blogger“

Herr Hammerl, die Realschüler schwärmten von einem „ganz besonderen Projekt“. War es das für sie auch?

Ja, aus zwei Gründen. Das liegt zum einen schon an der Person Aventinus. Er war nicht nur für seine Zeit, sondern darüber hinaus außergewöhnlich. Er hat Geschichtswissenschaft neu gedacht, denkbare Grenzen erweitert. Zum anderen war es der methodische Ansatz. Aus einem Blog wurde ganz schnell eine multimediale Plattform. Die Schüler haben viel eingebracht – unter anderem, wie Aventinus heute gesehen wird.

Wie war die Arbeit mit den Schülern?

Hervorragend. Ich glaube, der multimediale Ansatz hat sie begeistert. Aber auch Dinge wie Urheber- oder Bildrechte, Fragen wie „Was sind Medien?“ oder „Wo kommen Informationen her?“, haben wir behandelt. Das Internet erfindet ja keine Infos, die stellt jemand rein. Das haben wir auf Aventinus heruntergebrochen und die Schüler haben sehr schnell erkannt, dass das alles schon auf ihn zutraf. Er hat, und da war er seiner Zeit voraus, kein copy and paste gemacht, sondern anhand von Originalquellen geforscht. Ich bin mir sicher: 2018 wäre er Blogger gewesen.

Wie geht das dem Projekt weiter?

Ich würde gerne weitermachen. Wegen des Landeswettbewerbs mussten wir aber einen vorläufigen Schlusspunkt setzen. Es gibt aber viele Anknüpfungspunkte: Geographie oder Aventinus‘ Zeitgenossen. Da gab es die Borgia, Martin Luther, Michelangelo. Da steckt viel drin. Langfristiges Ziel ist, dass wer sich über Aventinus informieren will, das zu 99 Prozent über unsere Homepage www.aventinus.bayern tut.

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