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Baustelle

B16: Stauende ist langsam in Sicht

In drei Wochen soll der Verkehr bei Saal wieder fließen. Die Felssicherungsarbeiten dort sind aufwändiger als gedacht.
Von Beate Weigert

  • Mit Hochdruck arbeitet die Felssicherungsfirma an der Fertigstellung. In die Einbuchtung im Vordergrund kommt ab 9. April ein drei Meter hoher Steinschlagzaun. Fotos: Weigert
  • Oft ist es nötig, dass die Arbeiter von oben her direkt im Hang arbeiten. Foto: Weigert
  • Zahlreiche Bäume mussten für die Arbeiten gefällt werden. Ihre Stümpfe zu entfernen, kam nicht infrage. Das hätte das Gelände nur instabilisiert. Foto: Weigert

Saal.Für Pendler und Brummifahrer ist das Nadelöhr an der B16 östlich von Saal seit Monaten eine Geduldsprobe. Doch langsam kommt ein Ende in Sicht. Das zumindest verspricht der für den Kreis Kelheim zuständige Abteilungsleiter beim Staatlichen Bauamt in Landshut, Tobias Lindner. Bis Ende April sollen die Arbeiten abgeschlossen, die den Verkehr regelnden Baustellen-Ampeln verschwunden sein.

Wie ein Schweizer Käse

Ein Hangrutsch im Februar 2017 hatte die Arbeiten nötig gemacht. Seit Ende Oktober wird gearbeitet. So lange schon ist die B16 halbseitig gesperrt. Dass sich die Maßnahme zieht, hat nicht nur mit Wetterwidrigkeiten wie 15 Zentimeter Schnee oder Dauerregen zu tun. Der felsige Hang an sich ist die Herausforderung, sagt Lindner.

Wie es auf der Baustelle zugeht, sehen Sie in unserem Video:

Video: Weigert

Die verkarsteten Jurafelsen seien von ihrer geologischen Zusammensetzung her noch problematischer als von den Experten gedacht. Das habe sich aber erst nach der Beräumung des Geländes so richtig gezeigt.

Um den bis zu 55 Meter hohen Nachbarn zur Bundesstraße, der bei genauerer Betrachtung ob der vielen Löcher und Klüfte eher wie ein „Schweizer Käse“ anmutet, verkehrssicher zu bekommen, ist viel Einsatz nötig. Von den Arbeitern, aber auch in Bezug aufs Material.

Meist sind es Industriekletterer, die dem Felsen zu Leibe rücken. Entweder von Arbeitsplattformen aus, die an den Armen von Teleskopstaplern hängen, oder auch von oben her, gesichert an feststehenden Bäumen. Allein 2500 Anker werden auf 500 Metern Länge in den Hang getrieben. Damit sie halten, müssen sie ordentlich tief greifen. Viereinhalb Meter, um genau zu sein.

Noch mehr Impressionen gibt es in unserer Bildergalerie:

Baustellenbesuch an der B16 bei Saal

Schon das Bohren eines Ankerlochs dauert. Und jede Stelle ist anders. Geht es auf den ersten halben Meter rasch durch sehr weiches Gestein, wird das pneumatische Schlagwerk auf die letzten zweieinhalb Meter ordentlich beansprucht, berichtet Michael Müller. Er ist Polier bei der Firma Jähnig. Die Sachsen sind auf Felssicherung spezialisiert.

1,1 Millionen für 500 Meter

Sind die Löcher gebohrt, werden die Anker gesetzt. Jeder hat einen Kompagnon an seiner Seite. Einen Schlauch, der mit Zementsuspension gefüllt und dann mit dem Anker verpresst wird. Alle Anker werden dann noch einmal alle zwei mal zwei Meter mit einem Stahlgeflecht verschraubt. Sieht aus, wie ein eng anliegendes Schutz-Korsett. Hinzukommen 1,80 Meter hohe Geröllfangzäune an der Oberkante der felsigen Böschung sowie ein 50 Meter langer Steinschlagschutzzaun mit gut drei Metern Höhe, der ab dem 9. April unten an der Straße errichtet wird.

Stümpfe hinter Gitter

  • Schwindelfrei

    müssen die Arbeiter sein. Die 16 Industriekletterer arbeiten sonst u.a. an Tunneleinschnitten für ICE-Trassen.

  • Zahlreiche Bäume

    wurden gefällt. Die Stümpfe bleiben im Boden – für die Stabilität des Hangs. Sonst würde das Gestein locker.

  • Einspurig

    wird der Verkehr an der Baustelle vorbeigeleitet. Für Baustellen-Nachschub bleibt den Arbeitern ein Minizeitfenster. (re)

Die Arbeiten sind aufwändig. Auch finanziell, so Lindner. 1,1 Millionen Euro für 500 Meter. Das sei „ein ordentliches Investment“. Doch die ausgewählte sei die bestmögliche Option. Sicher hätten zahlreiche Bäume gefällt werden müssen, doch ohne die Fällung hätte man die Sicherungsarbeiten nicht machen können. Und den Hang nach außen hin optisch mit Sichtbeton zuzukleistern, sei keine Alternative gewesen. Zudem soll nach Fertigstellung die kommenden Jahrzehnte Ruhe sein und das Areal für die Verkehrsteilnehmer so sicher als möglich.

Gebaut wird seit Oktober 2017 bei halbseitiger Sperre. Foto: Weigert
Gebaut wird seit Oktober 2017 bei halbseitiger Sperre. Foto: Weigert

Bis es so weit ist, brauchen Auto- und Lasterlenker noch einmal Geduld. Aber auch für die Bauarbeiter ist die halbseitige Sperre eine Herausforderung. Denn viel Platz, Material zu bunkern, gibt es nicht. So gilt es zwischen den Ampelintervallen den richtigen Moment abzupassen, um Nachschub an Ankern, Zement oder Treibstoff für Kompressoren und Co. anzufahren.

Ein wenig spiegelt die Baustelle auch die grundsätzliche Verkehrssituation wieder: Während der Agilis tagsüber oft leer vorbeifährt, quält sich die Blechlawine über die B16...

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