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ÖPNV

Bahnfahrer brauchen Geduld

Wird der RVV-Tarif bis Münchsmünster ausgeweitet? Das Landratsamt Kelheim lehnt die Forderung nicht mehr strikt ab.
Von Jochen Dannenberg

Fahrgäste am Bahnhof in Neustadt: Seit fünf Jahren wird über eine Ausweitung des RVV-Tarifgebietes bis Münchsmünster diskutiert. Foto: Dannenberg
Fahrgäste am Bahnhof in Neustadt: Seit fünf Jahren wird über eine Ausweitung des RVV-Tarifgebietes bis Münchsmünster diskutiert. Foto: Dannenberg

Neustadt. Seit Jahren hoffen die Bürger im Neustädter Ortsteil Schwaig auf eine Ausweitung des Tarifgebietes des Regensburger Verkehrsverbundes (RVV) bis nach Münchsmünster (Landkreis Pfaffenhofen). Die Ausweitung von Niederbayern nach Oberbayern – es geht um eine Strecke von fünf Kilometern – würde bedeuten, dass die Schwaiger im fußläufig erreichbaren Bahnhof Münchsmünster in den Zug steigen könnten, wenn sie in Richtung Regensburg fahren wollten und dafür nur ein Ticket lösen müssten. Bisher waren die Stellungnahmen aus dem Landratsamt Kelheim zu dem Thema ablehnend. Doch jetzt scheint sich was zu bewegen.

Der Bahnhof Münchsmünster ist für die Bürger von Schwaig bequem fußläufig erreichbar. Foto: Dannenberg
Der Bahnhof Münchsmünster ist für die Bürger von Schwaig bequem fußläufig erreichbar. Foto: Dannenberg

Wie Heinz Müller, Pressesprecher des Landratsamts auf Anfrage der Mittelbayerischen nämlich mitteilt, sei allerdings nicht mehr in diesem Jahr mit einer Ausweitung des RVV zu rechnen. „Die Stabsstelle ÖPNV, Schülerbeförderung und Mobilität informierte zuletzt am 14. März den zuständigen Ausschuss für Fragen des ÖPNV und kommunale Verkehrsplanung über die Voraussetzungen für die Ausweitung des RVV-Tarifs bis Münchsmünster“, sagt Müller. „Der Vorteil wäre, dass die Fahrgäste aus Schwaig den naheliegenden Bahnhof in Münchsmünster kostengünstiger nutzen könnten, um in Richtung Regensburg zu fahren.“ Bisher müssen die Schwaiger Bürger erst nach Neustadtfahren, um den RVV-Tarif zu nutzen, da dieser bisher nur bis bzw. ab Neustadt Gültigkeit besitzt. Weiter weist Heinz Müller darauf hin, dass die Ausweitung des RVV mit Kosten verbunden sei. Auf die wurde auch in früheren Stellungnahmen hingewiesen.

Die Kosten zählen

„Der Landkreis Kelheim müsste bei einer Anbindung von Münchsmünster auch die Kosten für diese Fahrgäste übernehmen, da sich nach derzeitigem Stand der Landkreis Pfaffenhofen, in dem sich Münchsmünster befindet, finanziell nicht beteiligen wird“, sagt Müller. Auch die INVG (Ingolstädter Verkehrsgesellschaft) würde sich ebenfalls mittelfristig nicht an diesem Projekt beteiligen, da erst eine neue Verkehrsgesellschaft gegründet wurde.

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Auf den Kosten für den Ausbau des RVV-Tarifgebietes würde also der Landkreis Kelheim allein sitzen bleiben. Im vorigen Herbst hatte das Landratsamt dazu mitgeteilt, die Anbindung Münchsmünsters sei „aus wirtschaftlicher Sicht nicht vertretbar“. Tatsächlich kostete die RVV-Ausweitung im Landkreis Kelheim, die 2009 vollzogen wurde und mit der Neustadt und Abensberg ans RVV-Gebiet angeschlossen wurden, das Landratsamt 70000 bis 80000 Euro jährlich. Dafür war für Landkreis-Bürger mit RVV-Ticket aber auch nicht mehr in Bad Abbach, Painten bzw. Langquaid Endstation. Die Kosten für eine Ausweitung des RVV-Tarifgebietes nach Münchsmünster dürften danach einige Tausend Euro pro Jahr betragen.

Ein Zug fährt am Bahnhof Neustadt ein. In Neustadt endet das Tarifgebiet des RVV:  Foto:Dannenberg
Ein Zug fährt am Bahnhof Neustadt ein. In Neustadt endet das Tarifgebiet des RVV: Foto:Dannenberg

Die Mehrkosten macht der RVV unter anderem für die Differenz aus dem Fahrpreis des Bahnunternehmens und dem RVV sowie Mehrkosten für Marketing und Verkaufsstellen geltend. Der genaue Betrag wird errechnet anhand von Fahrgasterhebungen. Für den Ausgleich der Kosten kommt regelmäßig die jeweilige Gebietskörperschaft auf, in deren Gebiet die Haltestellen liegen. Im Fall der Schwaiger, die von Münchsmünster in den Landkreis Regensburg oder nach Regensburg fahren wollen, ist das eigentlich der Landkreis Pfaffenhofen, doch der will nicht zahlen.

Am Ball bleiben

Ein Zug fährt am Bahnhof Neustadt ein. Foto: Dannenberg
Ein Zug fährt am Bahnhof Neustadt ein. Foto: Dannenberg

Landrat Neumeyer betont: „Es ist notwendig, das Ergebnis der Ermittlung der anfallenden Kosten durch die Unternehmen Agilis und den Regensburger Verkehrsverbund (RVV) abzuwarten. Dann wird der ÖPNV-Ausschuss über den Sachstand informiert. Eine RVV-Ausweitung im Kalenderjahr 2019 ist jedenfalls nicht realisierbar. Wir bleiben am Ball.“

Der Neustädter Stadtrat Günter Schweiger kämpft seit fünf Jahren für die Tarifausweitung. Er sagt: „Die Nachricht aus dem Landratsamt kann ein Signal sein.“ Er betont, es gehe um nicht wenige Bürger aus dem Neustädter Ortsteil. Kinder führen mit dem Zug zur Schule, Studenten zum Studium nach Regensburg. „Und immer mehr Menschen kommen mit der Bahn nach Schwaig und Münchsmünster zur Arbeit.“

Günter Schweiger setzt sich für die Ausweitung des RVV-Tarifgebietes ein. Foto: Dannenberg
Günter Schweiger setzt sich für die Ausweitung des RVV-Tarifgebietes ein. Foto: Dannenberg

Günter Schweiger erläutert: „Unsere Bahnhaltestelle ist Münchsmünster. Als Schwaiger können wir von dort aber nicht mit dem RVV-Tarif fahren.“ Um bei Fahrten in Richtung Regensburg nicht zusätzlich noch ein Ticket für die Strecke von Münchsmünster nach Neustadt zu kaufen, würden die Zugfahrer per Pkw zum Neustädter Bahnhof gebracht. Deshalb habe zwischen dem Ortsteil Schwaig und der Neustädter Kernstadt bereits ein regelrechter Shuttle-Verkehr eingesetzt. Im übrigen stellt der Stadtrat fest: „Auch die Menschen aus Schwaig gehören zum Landkreis Kelheim.“

Kommentar

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Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer, der sich ebenfalls über eine Ausweitung des RVV-Tarifs freuen würde, äußert sich gegenwärtig vorsichtig. „Bestimmte Dinge müssen reifen“, sagt der Bürgermeister, „aber möglicherweise ist bei der Tarifausweitung ja doch in absehbarer Zeit was machbar.“

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