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Verkehr

Bahnübergang: Brücke oder Unterführung?

Der Bahnübergang an der Staatsstraße 2144 in Neustadt soll umgebaut werden. Das Projekt erschreckt die Grundstückseigentümer.
Von Jochen Dannenberg

Der Bahnübergang an der Staatsstraße 2144 in Neustadt soll durch eine Brücke ersetzt werden. Kritiker schimpfen ob der Zerstörung des Landschaftsbildes und des Flächenverbrauchs für diese Maßnahme. Foto: Abeltshauser
Der Bahnübergang an der Staatsstraße 2144 in Neustadt soll durch eine Brücke ersetzt werden. Kritiker schimpfen ob der Zerstörung des Landschaftsbildes und des Flächenverbrauchs für diese Maßnahme. Foto: Abeltshauser

Neustadt.Bahnübergänge sind Unfallquellen. Immer wieder kommt es zu Kollisionen zwischen Zügen und Pkw, weil Autofahrer die Geschwindigkeit eines herannahenden Zuges unterschätzen oder technische Anlagen am Bahnübergang defekt sind. Die Lösung ist in den meisten Fällen der Bau einer Brücke, mit der Pkw und Lkw über die Schienen geführt werden. Das ist auch die Absicht beim Neubau des Bahnübergangs an der Staatsstraße 2144 in Neustadt. Landwirte und Grundbesitzer laufen dagegen Sturm.

Auch weil in diesem Zusammenhang bisher niemand auf das „berühmte“ Eisenbahnkreuzungsgesetz hingewiesen hat. Danach sollen nämlich klassischen Bahnübergänge, bei der Kraftfahrzeuge über die Gleise fahren, durch Tunnel oder Brücken ersetzt werden. Gerne wird, um die Notwendigkeit der Maßnahme zu erläutern, auf die Unfallrisiken durch den „höhengleichen“ Übergang hingewiesen. Im Fall des Bahnübergangs an der Staatsstraße 2144 ist das bisher unterblieben. Es wäre auch unzutreffend, denn die Unfälle selten am Bahnübergang, dafür umso öfter auf einem mehrere Hundert Meter langen Teilstück der Straße östlich des Übergangs statt.

Das wussten auch die Landwirte, Grundstückseigentümer und anderen Bürger, die vor wenigen Tagen an einem Treffen mit Vertretern des Bayerischen Bauernverbands (BBV) und Vertretern des Staatlichen Bauamtes Landshut teilnahmen. Dabei sollte nur das Vorhaben des Staatlichen Bauamtes, den bisherigen höhengleichen Bahnübergang durch einen Neubau zu ersetzen, erläutert werden. Das Projekt war seit vielen Jahren bekannt. Die Veränderungen, die der Bau einer Brücke, so will es das Bauamt, mit sich bringen würde, ließen die Gemüter der betroffenen Grundstücksbesitzer in Wallung geraten. Selbst BBV-Geschäftsführer Alois Schweiger, loyaler Vertreter der Interessen der Landwirte, musste sich Kritik von Landwirten gefallen lassen.

Die kurvige Strecke am Bahnübergang überfordert etliche Autofahrer, weshalb es in der Vergangenheit immer wieder zu Unfällen kam. Jetzt soll die Strecke ausgebaut werden. Foto: Pieknik
Die kurvige Strecke am Bahnübergang überfordert etliche Autofahrer, weshalb es in der Vergangenheit immer wieder zu Unfällen kam. Jetzt soll die Strecke ausgebaut werden. Foto: Pieknik

Dabei ist das, was das Staatliche Bauamt Landshut im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland, des Freistaats Bayern und der Deutsche Bahn plant, an vielen anderen Orten längst Praxis. Doch die Abmessungen des Bauwerks ließen Anwohner und Grundstücksbesitzer erschrecken. Die Länge der Überführung liegt bei 500 bis 600 Meter für die Auf- und Abfahrt. Die Brücke selbst ist zehn Meter hoch. „Die Brücke entspricht der eineinhalbfachen Höhe eines Einfamilienhauses“, erläutert Hermann Werle, einer der Wortführer der Kritiker. Kein Wunder, dass in Anbetracht dieser Maße seine Mitstreiter bei dem Projekt auch von einem „Monstrum“, hilfsweise „Monster“, sprechen. Was sie meinen ist der Umstand, dass sich die Landschaft zwischen den Neustädter Ortsteilen Ulrain und Heiligenstadt erheblich verändern würde. Wo jetzt stellenweise der Bahndamm die höchste Erhebung ist, würde künftig eine Brücke stehen, die höher als ein Einfamilienhaus ist und zugleich mit den Auffahrrampen die Länge einer gigantischen Lagerhalle hätte.

Dazu kommen weitere Baumaßnahmen. Die Straßen, die jetzt zu dem Bahnübergang führen, sollen umgebaut werden. Die Baulänge des gesamten Projekts wird deshalb von der Landshuter Behörde mit 1,8 Kilometern angegeben. Vor allem geht es um die Zufahrt der Staatsstraße 2144 aus Richtung Abensberg, wo sich die meisten Unfälle ereignet haben. Die Zufahrt ist kurvig. Autofahrer sind oft zu schnell unterwegs, weshalb es immer wieder kracht. Ein Ausbau dieses Teils, eine Begradigung und vielleicht eine Geschwindigkeitsbegrenzung würden genügen, um das Unfallrisiko deutlich zu senken. Das ist auch beim Projekt des Staatlichen Bauamtes beabsichtigt. Aber „on top“ gibt es noch eine Brücke über die Gleise.

Selten kam es direkt am Bahnübergang zu Unfällen. Bei diesem wurde das Auto zwar komplett zerstört, der Fahrer wurde aber nicht verletzt. Er hatte den Wagen vor dem Unfall verlassen. Foto: Dannenberg
Selten kam es direkt am Bahnübergang zu Unfällen. Bei diesem wurde das Auto zwar komplett zerstört, der Fahrer wurde aber nicht verletzt. Er hatte den Wagen vor dem Unfall verlassen. Foto: Dannenberg

Die Kritiker schimpfen wegen des damit verbundenen Landverbrauchs und der Zerstörung von Hopfengärten durch die Baumaßnahme. Sie bezweifeln, ob die neue Straße nicht neue Unfallrisiken schaffe, weil auf der dann besser ausgebauten Strecke auch schneller gefahren werden dürfte.

Auch der Umfang der Baumaßnahme schreckt. Hermann Werle rechnet aufgrund der Angaben des Bauamtes mit Massenbewegungen, für die 40-Tonnen-Lkw 8000 Mal fahren müssen. Zudem ärgert die Kritiker die Vorstellung und Diskussion des Projekts. Der Hinweis, man könne ja mit Einwendungen bei der Regierung von Niederbayern Bedenken vorbringen, argumentieren die Kritiker, sei juristisch zwar richtig, werde aber der Angelegenheit nicht gerecht. Außerdem läuft die Frist nur noch bis zum 4. Dezember.

Und die Alternativen? Da favorisieren die Kritiker zwei Lösungen. Die kostengünstigste ist der Ausbau der vorhandenen Staatsstraße, verbunden mit u.a. der Beseitigung der S-Kurve und einer Ertüchtigung des Bahnübergangs. Der andere Vorschlag zielt auf den Bau einer Unterführung, womit die Landschaft nicht so beeinträchtigt würde wie beim Bau einer Brücke. Außerdem schlagen die Kritiker anstatt einer Einmündung der von Heiligenstadt kommenden Gemeindeverbindungsstraße in die Staatsstraße einen Kreisverkehr vor.

Weitere Berichte aus Neustadt

Landwirtschaft

  • BBV-Geschäftsführer

    Alois Schweiger kritisiert den hohen Flächenverbrauch bei dem Projekt. Außerdem sei der Bau einer Unterführung nicht ausreichend geprüft worden, der neben einem geringeren Flächenbedarf den Vorteil mit sich bringt, dass das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt wird und sich das Mikroklima der angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen nicht durch über zehn Meter hohe Dammschüttungen verändert. Außerdem fordert der Bauernverband statt Abbiegespuren von der Staatsstraße 2144 nach Heiligenstadt und Bad Gögging einen Kreisverkehr mit weiteren Gestaltungsmöglichkeiten für den Fremdenverkehr.

  • Schwer zu schaffen

    mache den Landwirten die Eingriffe in die bestehenden Hopfengerüstanlagen, sagt Alois Schweiger weiter. „Sie können durch eine optimierte Trassenführung vermieden werden“, ist er überzeugt. Außerdem erneuert er eine altbekannte Forderung: „Der Bahnübergang für den landwirtschaftlichen Verkehr, der Heiligenstädter Übergang, muss erhalten bleiben.“ Es gehe dabei nicht um Vorrechte für Landwirte, betont Schweiger, sondern darum, den übrigen Verkehr von landwirtschaftlichen Fahrzeugen zu entlasten. Wer schon einmal hinter einem Bulldog hinterher gefahren ist, weiß was gemeint ist. (jd)

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