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Tradition

„Baierischer Hoagarten“

Der Wittmannsaal in Siegenburg hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Mitglieder des Hallertauer Volkstrachtenvereins erinnern sich und bereiten den Sonntag vor.
Von Gabi Kahler, mz

Ludwig Baum inmitten lustiger Musikanten – so sorgt er für Leben und Tradition im Wittmannsaal. Foto: Kahler

SIEGENBURG. Er war der Kassier, als 1976 der Wittmannsaal vom Hallertauer Volkstrachtenverein gekauft wurde. Ihm liegt auch heute noch daran, diesen Saal mit Leben zu füllen. Die Rede ist von Ludwig Baum. So besucht er das Jahr über zahlreiche Veranstaltungen, um sich immer wieder neue Ideen für „seinen“ Saal zu holen.

Kommenden Sonntag lädt Baum zum vierten „Baierischen Hoagarten“ unter dem Motto „Da Summa is umma“ ein. „Es wird ein musikalischer Sonntag mit Liedern und Musikstücken zwischen traditionell, volkstümlich und bodenständig“, erklärt der Organisator. Dazu hat er die Auer Geigenmusi, Johanna & Johanna & Karoline, Knöpf und Soatn, Saaler Blechblosn, Schau ma moi, Stubenmusik Berger, Quart’l Musi und den HVT Dreigesang eingeladen. Durchs Programm wird der Vorsitzende des Kunst- und Kulturausschusses Helmut Meichelböck führen.

Der Eintritt ist frei Spenden allerdings sind erwünscht. Um ein gemütliches Beieinander einzurichten, gestalten die Mitglieder des HVT auch ihren Saal entsprechend, positionieren ihre Gäste um die Musikanten. Steter Einsatz der Vereinsmitglieder ist gefragt, um ihr Heimathaus auch erhalten zu können. So sind neben Küchen-, Putz- und Bedienungseinsatz auch ständige Reparaturen fällig. 1928 wurde der Saal von den Guts- und Brauereibesitzern Eduard und Karl Wittmann erbaut. Er hatte ursprünglich 650 Sitzplätze, was allerdings durch verschiedene Umbaumaßnahmen auf 450 geschrumpft ist. 110000 Deutsche Mark kostete der Saal, als er am 1. Mai 1976 übergeben wurde. „70000 Mark wurden gleich bezahlt, der Rest gestundet“, erinnern sich die mittlerweile zu Ehrenmitgliedern ernannten Erich Sternecker und Lorenz Hofbauer. Vor dem Kauf wurde der Saal von der Nachbargastwirtschaft Agapidius Türk mitbewirtschaftet. Die beiden Ehrenmitglieder erinnern sich noch an die guten, alten Faschingsveranstaltungen und das Weinfest. Der Fasching ist es heute noch, der den Saal extrem beansprucht. Mit knapp 15 Veranstaltungen zählt Siegenburg als Faschingshochburg im Landkreis und darüber hinaus.

Verwendung im Weltkrieg

Zu Kriegszeiten waren im Saal Flüchtlinge untergebracht, der Keller diente als Bombenschutzkeller. Am Vorplatz war die Essensausgabe der am Ort stationierten Amerikaner. Was früher die Brauerei war, ist jetzt Küche. Der frühere Eiskeller ist Lagerraum. Hofbauer und Sternecker erzählen, wie das Eis vom Eisweiher geholt und im Keller eingelagert wurde.

Beim Umbau sahen die Mitglieder des HVT die Isolierung mit Kork nach oben in die Räume noch.

Sternecker erinnert sich ebenso gut an den Malzkeller und erzählt den Ablauf der Mälzerei. Den Ofen hatte auch der derzeitige Vorstand, Franz Kellner, noch gesehen.

Geschichte als Kino

Da erinnert Strenecker an Zeiten, als in einem Teil des Gebäudes ein Kino untergebracht war. Das Lehmann-Kino, in Nachkriegszeiten soll dies gewesen sein. Lehmann war Mechaniker, hatte im Nachbargebäude seine Werkstatt und baute von dort aus einen Eingang zum Kino im Saal. Sonntags von 15 bis 17 Uhr war Filmvorstellung. Die Busfirma Watzinger hatte sogar Busse eingesetzt. Während des Gespräches kommt Silvia Kellner die Erinnerung an die Geismeier-Wohnung. Heute sind dort das Spielmannszugzimmer und der Vorratsraum untergebracht.

Zwischendurch musste man zum Essen in einen eigens dafür vorgesehenen Raum gehen. „In diesem Hause ist es Brauch – wer isst und trinkt, bezahlt es auch“, steht heute noch dort auf dem Balken. Heute wird im Saal serviert.

Viel ist geschehen seit dem Ankauf des Wittmannsaales. Alle paar Jahre musste der Verein Hand anlegen und größere Renovierungen in Angriff nehmen. Vielleicht ist es genau das, was zusammenhält.

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