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Sommerzeit

Beim Wastl ticken sie richtig

Sebastian Mayer aus dem Kreis Kelheim liebt mechanische Uhren. Er ist einer der wenigen geprüften Uhrenrestauratoren.
Von Jochen Dannenberg

Sebastian Mayer mit seiner „Neuchâteller Pendule“ aus dem Jahr 1820: Nach der umfangreichen Restauration erstrahlt die antike Uhr wieder in ihrem Glanz. Foto: Dannenberg
Sebastian Mayer mit seiner „Neuchâteller Pendule“ aus dem Jahr 1820: Nach der umfangreichen Restauration erstrahlt die antike Uhr wieder in ihrem Glanz. Foto: Dannenberg

Neustadt.An diesem Wochenende ist es wieder soweit, die Zeit wird umgestellt. In der Nacht zum Sonntag werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Dann beginnt die Sommerzeit. Uhrmachermeister Sebastian „Wastl“ Mayer sieht dem Prozedere gelassen entgegen. „Mir ist die Zeitumstellung eigentlich wurscht“, sagt er. „Ich muss ja nur die Uhren im Geschäft umstellen, die laufen.“ Dazu gehören einige regelrechte Schmuckstücke. Eines davon ist so etwas wie der Liebling des Uhrmachermeisters, denn mit der Uhr hat es seine ganz besondere Bewandtnis. Esist eine „Neuchâteller Pendule“ aus dem Jahr 1820, Mayer hat sie eigenhändig restauriert. Das geschah mit Leidenschaft – und weil sich der Wastl zum geprüften Restaurator im Uhrmacherhandwerk qualifizierte. Über diese Qualifikation verfügen nur ganz wenige Uhrmacher im Freistaat.

Uhrmacher brauchen ein gutes Auge, eine Lupe hilft. Foto: Dannenberg
Uhrmacher brauchen ein gutes Auge, eine Lupe hilft. Foto: Dannenberg

Die Branche profitiert von dem Wunsch vor allem von Männern nach mechanischen Uhren. Zu den Uhrmachern kommen deshalb immer öfter Kunden, die mechanische Armbanduhren lieben. Ohne Batterie, aber dafür mit einem Rädchen oder bei Standuhren zum Beispiel mit einem Schlüssel, um das Uhrwerk in Betrieb zu setzen und in Gang zu halten.

Mechanik im Trend

Seit Jahren erobern mechanische Uhren – alte wie neue, Armbanduhren genauso wie Taschenuhren oder die Uhr für den Kamin – wieder die Herzen der meist männlichen Fans. Der Neustädter Uhrmachermeister beobachtet diesen Trend seit Jahren und hat sich deshalb in einer einjährigen Fortbildung auf die Renovierung alter Uhren spezialisiert. Er ist damit einer der wenigen geprüften Restauratoren im Uhrmacherhandwerk im Freistaat Bayern.

„Der Kurs hat erst zum zweiten Mal stattgefunden. Neun Personen haben daran teilgenommen.

„Mir ist die Zeitumstellung wurscht.“

Sebastian Mayer

Davon stammten vier aus der Schweiz und drei aus Bayern“, sagt der 33-jährige. Ein Jahr lang war er jeden Monat für eine Woche an der Bayerischen Uhrmacherschule in Würzburg, lernte den Zustand einer Uhr zu beurteilen, mit wissenschaftlichen Gutachten umzugehen und restauratorische Konzepte aufzustellen.

Natürlich ging es auch um handwerkliche Fähigkeiten bei dem Kurs an der Uhrmacherschule. So mussten die Kursteilnehmer auch Arbeiten an Uhren ausführen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Konservieren, Restaurieren und Rekonstruieren der Uhren lag. Sebastian Mayer lernte deshalb auch Oberflächenbehandlungen wie das Bläuen und Vergolden.

Schätzchen aus dem Jahr 1820

Damit bei dem Lehrgang nicht alles nur schnöde Theorie blieb, wurden die neuen Erkenntnisse am eigenen Prüfungsstück umgesetzt. Sebastian Mayer hatte sich dafür eine „Neuchâteller Pendule“ aus dem Jahr 1820 beschafft. Die war einst in der Schweiz hergestellt worden und – so vermutet Mayer aufgrund der Größe und Gestaltung und dem wert den die Uhr einst hatte – in einem adeligen oder großbürgerlichen Haushalt aufgestellt gewesen. Der Neustädter hatte das gute Stück im Internet entdeckt und sich sofort darin verliebt.

Uhren mit mechanischem Werk begeistern zunehmend. Foto: Dannenberg
Uhren mit mechanischem Werk begeistern zunehmend. Foto: Dannenberg

Das Leben hatte seine Spuren an der 200 Jahre alten Uhr hinterlassen. „Die Pendule war in einem sehr desolaten Zustand“, sagt Sebastian Mayer. „Es fehlten auch Teile.“ Sie mussten nachgefertigt werden. Für die Überarbeitung des aus Holz gefertigten Gehäuses, das mit Blumen bemalt ist, konnte der 33-Jährige eine Kirchenmalerin gewinnen.

Nach vielen Stunden Arbeit, bei denen es oft um Details ging, hatte der Neustädter Uhrmachermeister eine alte Uhr zum Leben erweckt und zu einem Schätzchen werden lassen. „Die Uhr“, erzählt er, „hat sogar einen Wecker und ein Viertelstundenschlagwerk.“ Das Schlagwerk mit seinen zwei Tonfedern teilt alle Viertelstunde mit sonorem und doch wohltuenden Klang seinem Besitzer die Uhrzeit mit.

Sebastian Mayer mit seinem Bruder Michael vorm gemeinsamen Geschäft in Neustadt Foto: Dannenberg
Sebastian Mayer mit seinem Bruder Michael vorm gemeinsamen Geschäft in Neustadt Foto: Dannenberg

Der Clou ist eine unscheinbare Schnur. „Daran konnten die Herrschaften ziehen, dann hat es geschlagen und man wusste, wie spät es ist“, erläutert Sebastian Mayer. Das war gut, weil früher die Häuser nicht über Beleuchtungen wie heute verfügten. „Als die Uhr entstand, gab es ja noch keine Elektrizität. So wusste man mit einem Zug an der Schnur auch im Dunkeln, wie spät es ist.“

Und wenn in der Nacht zum Sonntag die Zeit umgestellt wird, freut sich Mayer dann doch ein wenig, wenn er sich seinem Schätzchen widmen und das Glas vor dem Ziffernblatt öffnen darf, um vorsichtig den Zeiger um eine Stunde vorzustellen.

Bernd Bratek, Leiter Bildungszentrum Würzburg, nahm gegenüber unserem Medienhaus Stellung.

Wie kam die Uhrmacherschule in Würzburg auf die Idee, einen Kurs „Restaurator im Uhrmacherhandwerk“ anzubieten?

Es gibt die Meisterausbildung. Wir wollten dazu noch was im technischen Bereich anbieten. Auf der anderen Seite ist das Geschäft mit der Reparatur alter Uhren ein großer Markt geworden. Es handelt sich oft um wertvolle Stücke, verschiedentlich auch Erbstücke.

Welche Bedeutung erwächst dem Handwerk aus der Qualifikation?

Die Teilnehmer des Kurses können sich damit ein zweites Standbein aufbauen. Wichtig für die Teilnehmer ist zudem, dass wenn sie Aufträge von öffentlichen Auftraggebern annehmen, den entsprechenden fachlichen Nachweis erbringen. Die Qualifikation ist eine öffentlich-rechtliche Prüfung.

Mechanische Uhren liegen im Trend.

Die mechanische Uhr ist gerade auch bei Männern ein Schmuckstück. Es ist eine Wertanlage. Es handelt sich um Liebhaberstücke. Das ist ein Geschäftsfeld, das auch einen Spielraum für das Handwerk eröffnet. (jd)

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