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Justiz

Bewährung für Kelheimer Autograpscher

Ein 22-Jähriger wurde wegen sexueller Übergriffe gegen eine 17-Jährige aus dem Landkreis Kelheim zu Jugendstrafe verurteilt
Von Marion von Boeselager

Der Verurteilte hatte schon in der U-Haft einen Eindruck von Gefängnis bekommen, so das Gericht. Es setzte die Strafe für den bisher unbescholtenen Autograpscher zur Bewährung aus. Foto: Andreas Gebert/dpa

Kelheim.Ein heute 22-jähriger Mechaniker soll ab November 2015 über eine Dating-Plattform Kontakte mit einer Vielzahl von jungen Mädchen geknüpft und sich dann an zwei 17-Jährigen aus dem Landkreis Kelheim vergangen haben. Jetzt wurde der notorische Schürzenjäger vor dem Landgericht wegen sexueller Nötigung und vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von elf Monaten mit Bewährung verurteilt. Die Jugendstrafkammer unter Vorsitz von Richter Carl Pfeiffer schenkte dem zweiten Opfer, das die sexuellen Übergriffe im Auto des Täters in einem Feld bei der Abensberger Gillamooswiese konstant und ohne Belastungseifer schilderte, Glauben. Der erste Anklagepunkt war im Vorfeld eingestellt worden, wohl da sich die Beweisführung als schwierig erwies.

Täter: Alles war einvernehmlich

Der Angeklagte, der im Landkreis Kelheim wohnt, hatte vor Gericht zwar die objektiven Tatsachen zugegeben: Es habe mit beiden jungen Frauen Zärtlichkeiten und auch intimere Fummeleien gegeben, räumte er ein. Diese seien aber einvernehmlich gewesen, behauptete er. Dies nahm ihm die Kammer allerdings nicht ab.

Laut Anklageschrift schlug der damals 20-Jährige nach dem ersten Internet-Kontakt im November 2015 seinem ersten Opfer ein Treffen beim Gymnasium in Rohr vor. Er holte das Mädchen dort mit dem Auto dort ab, steuerte den Wagen dann aber zu einem alten Bundeswehrgelände. Dort soll es trotz Gegenwehr und Protests des Mädchens zu den Übergriffen und sogar zur Vergewaltigung gekommen sein. In diesem Punkt wurde der Angeklagte jedoch nicht verurteilt.

Der zweite Fall ereignete sich ein paar Monate später, im Februar 2016: Der Mann schlug seiner neuesten Internet-Bekanntschaft zunächst vor, sie solle ihm „Fotos schicken, mit wenig Stoff drauf.“ Das Mädchen lehnte dies aber ab. Man verabredete dennoch abends ein Treffen vor einem Lokal im Abensberg, das aber geschlossen hatte.

Die 17-Jährige stieg in den Wagen des Täters. „Ich dachte, wir fahren irgendwo anders hin, wo man reden kann, sich kennenlernen oder eine Zigarette rauchen. Doch der Mann steuerte das Auto in Richtung Gillamooswiese und bog in ein dunkles Feld ein. Von der Straße aus war der Wagen nun nicht mehr zu sehen.

Nach kurzem Gespräch, so die Überzeugung der Kammer, griff der Mann das junge Mädchen an den Oberschenkel, packte es und versuchte mehrfach, es auf seinen Schoß zu ziehen. Dabei griff er dem Opfer so heftig und schmerzhaft an die Brust, dass sich später ein Hämatom bildete. Das Mädchen stieg daraufhin aus. Es konnte auch per Handy eine SMS an eine Freundin absetzen. Doch da es kalt war, ließ sich die junge Frau von dem Mann überreden, wieder bei ihm einzusteigen. Das war ein Fehler: Der 20-Jährige setzte seine Übergriffe fort: Er öffnete seine Hose, befriedigte sich selbst und versuchte, die 17-Jährige zum Oralverkehr zu bewegen. Doch aufgrund ihrer Gegenwehr kam er nicht zum Ziel. Da warf er sie aus dem Auto und ließ sie einfach in dem Feld zurück.

Das sagt das deutsche Strafrecht

  • Begriff:

    Die sexuelle Nötigung ist eine Straftat, die sich gegen das Rechtsgut der sexuellen Selbstbestimmung richtet. Sie bildet gemeinsam mit der Vergewaltigung, die ein Regelbeispiel eines besonders schweren Falles darstellt, einen Einheitstatbestand. Die sexuelle Nötigung ist wegen der Mindeststrafe von einem Jahr ein Verbrechen.

  • Vergewaltigung

    ist das nicht einverständliche, sexuell bestimmte vaginale, anale oder orale Eindringen in den Körper einer anderen Person. Die Mindeststrafe beträgt zwei Jahre.

Die Kammer kam schließlich zu dem Schluss, dass bei dem letzten Übergriff keine versuchte Vergewaltigung vorlag: Ein Rücktritt des Täters könne hier nicht ausgeschlossen werden, nachdem sich die Zeugin heftig sträubte.

Die Kammer ging nicht davon aus, das die Zärtlichkeiten einvernehmlich waren und folgte den Angaben der „glaubwürdigen“ Zeugin. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Fehlbezichtigung, so der Vorsitzende Richter. Auch hatte die junge Frau keine Geldforderung an den Angeklagten gestellt. Als Grund für die Anzeige gab sie an, sie „wolle nicht, dass anderen Mädchen auch so etwas passiert.“

Da der Angeklagte früher an einer Essstörung und ADHS litt und seine familiäre Situation nicht ganz unproblematisch war, ging das Gericht auf der Basis eines psychiatrischen Gutachtens und den Ausführungen der Jugendgerichtshilfe von gewissen „Reifeverzögerungen“ aus. Daher kam der 22-Jährige noch in den Genuss von Jugendstrafrecht. Er war bisher nicht vorbestraft.

Naivität des Opfers

Zu seinen Gunsten wertete die Kammer unter anderem, die bei der Tat eingesetzte Gewalt sei „nicht exzessiv“ gewesen. Dem Opfer bescheinigte sie zudem ein kräftiges Maß an „Naivität“, wieder zu dem Mann ins Auto zu steigen.

Zu Ungunsten des 22-Jährigen schlug jedoch zu Buche, dass er das Mädchen sehr ruppig anfasste und sogar Hämatome verursachte. Außerdem kreidete das Gericht ihm sein nicht gerade kavaliersmäßiges Nach-Tat-Verhalten an: Dass er, als er nicht zum Ziel gekommen war, die Minderjährige einfach nachts in der Kälte allein im Feld stehen ließ.

Allerdings habe der junge Mann bereits durch die U-Haft einen Eindruck vom Gefängnis erhalten und befinde sich momentan in stabilen sozialen Verhältnissen, so das Gericht in seiner Urteilsbegründung. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Der Prozesse hatte sich über mehrere Monate hingezogen: Bereits im September 2017 fand die erste Verhandlung statt.

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