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BN fordert 1000 Hektar Naturwald

Auch der Bund Naturschutz kritisiert nun die Holzernte rund um die Weltenburger Enge: Buchenwälder sollen alt werden dürfen
Von Martina Hutzler

BN-Waldexperte Dr. Ralf Straußberger (li.) und BN-Kreisvorsitzender Peter Forstner fordern ein 1000 Hektar großes Naturwaldgebiet.  Foto: Konrad Pöppel
BN-Waldexperte Dr. Ralf Straußberger (li.) und BN-Kreisvorsitzender Peter Forstner fordern ein 1000 Hektar großes Naturwaldgebiet. Foto: Konrad Pöppel

Kelheim.Mit dem Bund Naturschutz (BN) verschärft jetzt ein zweiter Naturschutzverband seine Kritik am Holzeinschläge im Bereich der Weltenburger Enge. In einer Pressemitteilung fordern BN-Kreisvorsitzender Peter Forstner und der Waldexperte des BN-Landesverbands, Dr. Ralf Straußberger, dass in den beiden Schutzgebieten Weltenburger Enge und Altmühltal/ Hirschleiten „mindestens 1000 Hektar als Naturwald geschützt werden“.

Ähnliche Forderungen an die Bayerischen Staatsforsten und ihren Kelheimer Forstbetrieb hatte in den vergangenen Wochen vor allem der Landesbund für Vogelschutz (LBV) erhoben. Auch der LBV hatte dem Forstbetrieb einen massiven Holzeinschlag in Buchen- und auch Eichenbeständen vorgeworfen.

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Das war von Forst-Seite zurückgewiesen worden. „Die Holzernte- und Pflegemaßnahmen an der Weltenburger Enge standen im Einklang mit den geltenden Naturschutzvorschriften“, betonte der Forstbetrieb und verwiesen auf entsprechende Einschätzungen zum Beispiel der Höheren Naturschutzbehörde. Letztere hatte trotzdem von den Staatsforsten eine bessere Absprache und weitergehenden Naturschutz für die Wälder rund um den Donaudurchbruch gefordert. Es stand sogar eine „förmliche Sicherstellung“ des Gebiets im Raum. Dem kamen die Staatsforsten zuvor und stoppten von sich aus Ernte und Abfuhr des Holzes.

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Das Ausmaß der Holzernte nahmen nun BN-Kreisvorsitzenden Forstner und Waldexperte Straußberger in Augenschein. Denn man beobachte schon länger „mit großer Sorge, dass im Hienheimer Forst, wie auch in anderen naturnah aufgebauten Laubwaldgebieten, regelrecht Jagd auf die Buchen gemacht wird“, schreiben die beiden in einer Pressemitteilung.

„Es wird verhindert, dass die Wälder älter werden.“

Ralf Straußberger, BN-Waldexperte

Gerade in den buchen-reichen Waldgebieten, die zu einem Naturwald könnten, werde „immer stärker gegen die Buche gearbeitet“, so Straußberger: Mit der Begründung, licht-hungrige Baumarten zu fördern, würden die Buchenbestände stark durchforstet, „damit die Buchen noch in jungen Jahren schnell dick werden“. Ziel sei eine baldige Ernte möglichst dicker Buchen. „Dadurch wird verhindert, dass die Wälder älter werden“, kritisiert Straußberger.

BN-Waldexperte Dr. Ralf Straußberger (li.) und BN-Kreisvorsitzender Peter Forstner fordern ein 1000 Hektar großes Naturwaldgebiet.  Foto: Konrad Pöppel
BN-Waldexperte Dr. Ralf Straußberger (li.) und BN-Kreisvorsitzender Peter Forstner fordern ein 1000 Hektar großes Naturwaldgebiet. Foto: Konrad Pöppel

Laut BN-Angaben gibt es „im über 17.000 Hektar großen Forstbetrieb Kelheim nur auf 0,1 Prozent der Fläche alte Wälder über 180 Jahre“, nur drei Prozent seien älter als 140 Jahre. Dabei, so Forstner, steige die Artenvielfalt in Buchenwäldern erst ab einem Alter von 180 bis 200 Jahren deutlich.

90-10-Regelung gefordert

Die beiden BN-Vertreter wiederholen eine seit Jahren erhobene Forderung des Naturschutzverbands: In den Staatswäldern sollten 90 Prozent der Wälder naturnah genutzt, 10 Prozent aber weitgehend sich selbst überlassen werden, so dass sich dort ein Naturwald entwickelt – konkret 1000 Hektar im Bereich der Weltenburger Enge. Zumal „viele der naturnahen Wälder an die Klimakrise noch am besten angepasst sind; dazu gehören auch die buchenreichen Wälder auf den Hochflächen des Jura“, gibt Peter Forstner zu bedenken.

Die Frage „Natur- und Klimaschutz mit oder ohne Holznutzung?“ hat sich zum regelrechten Glaubenskrieg unter Naturschutzverbänden und Forstleuten entwickelt.

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Die Staatsforsten und ihr Kelheimer Forstbetrieb argumentieren, dass die Jahrhunderte lange Bewirtschaftung die Wälder rund um den Donaudurchbruch so vielfältig und artenreich gemacht habe. Eine Entwicklung hin zum reinen Buchenwald ist aus ihrer Sicht weder förderlich für die Artenvielfalt noch für einen klimastabilen Wald.

Beim Klimaschutz gehen Meinungen auseinander

Dem hält der BN entgegen, dass es auch ungenutzte Waldgebiete geben müsse. „Gerade die schattenertragende Baumart Buche für ein kühl-feuchtes Waldinnenklima sorgt. Hier darf es keine massiven Einschläge geben, sondern hier braucht es eine pflegliche, zurückhaltende Waldnutzung nach dem Motto: der Wald schützt sein Klima und damit sich selbst!“, heißt es dazu in der BN-Mitteilung. (hu)

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