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Landwirtschaft

Boden – die Grundlage für alles

In einem Seminar beschäftigen sich Hopfenbauen das ganze Jahr mit Alternativen, um ihre Pflanzen zu schützen und zu stärken.
Von Walter Dennstedt

  • In Reih und Glied stehen die Hopfenstangen, an denen sich das „grüne Gold“ windet. Das Foto aus der Luft von einem Feld bei Nandlstadt zeigt, wie unterschiedlich manche Lagen und Böden sind und dass die Hopfenbauern jeweils auf den Standort abgestimmt bewirtschaften müssen. Foto: Sven Hoppe, dpa
  • Referent Dietmar Näser ermuntert die Teilnehmer des Seminars, den Boden mit allen Sinnen zu erfassen, also auch mal dran schnuppern, nach was der Boden riecht. Foto: Dennstedt

Oberumelsdorf. Mitten in der Gluthitze des Julitags stapft eine Gruppe Männer in einen Hopfengarten direkt am Hof von Landwirt Thomas Kiermeier in Oberumelsdorf. Eine Dame ist dabei, Agraringenieurin Michaela Braun von Bioland. Das Thema lautet „Bodenfruchtbarkeit“ und der Tag ist einer von acht Tagen im Jahr 2017, welche sich die Hopfenbauern nehmen, um eine Schulung zu besuchen, die „Boden Praktiker Hopfen“ heißt.

Man ist eher verwundert, dass mit Bioland ein ausgewiesener Bioverband engagiert wurde und dass der Referent Dietmar Näser aus Neustadt in Sachsen, der in Fachkreisen als der Deutsche Bodenpapst gilt, verpflichtet wurde. Denn bislang waren die Hopfenpflanzer ja nicht gerade dafür bekannt, dass sie Spritzmittel verabscheuen …

Thomas Kiermeier, der Hofbesitzer, kniet zwischen den Teilnehmern und Referenten Dietmar Näser (links). Foto: Dennstedt
Thomas Kiermeier, der Hofbesitzer, kniet zwischen den Teilnehmern und Referenten Dietmar Näser (links). Foto: Dennstedt

Genau das, so sagen Michaela Braun und Thomas Kiermeier übereinstimmend, sei ja der Grund, warum man nach neuen Wegen suche. Freilich geht man davon aus, dass nur ein gesunder Boden den Pflanzen, egal um was es sich handelt, das Optimum an Versorgung sichert . Und genau dies ist das Credo von Näser und Braun.

Und dazu hat Näser eine ganze Reihe an Sachen im Portfolio. Da wird im Hopfengarten mit Holzkompost gearbeitet, da wird die Bodenkrume untersucht, da gibt es einen ganzen Empfehlungskatalog, was man wann zwischen den Hopfen pflanzen kann, um dem Boden wieder das zurückzugeben, was ihm die Hopfenpflanzen entziehen. Und: Ein gesunder Boden ist auch die Garantie für ein stabiles Wachsen der Pflanzen, mithin also minimiert sich der Einsatz von Chemie in Form von Fungiziden und Pestiziden. Und das kommt schließlich allen zugute, die den Hopfen später in Form von Bier genießen.

Mit Kompost behandelter Boden und nicht behandelter Boden liegen nebeneinander auf einem Spaten. Schon die Optik ist unterschiedlich, auch die Struktur ist gänzlich anders. Foto: Dennstedt
Mit Kompost behandelter Boden und nicht behandelter Boden liegen nebeneinander auf einem Spaten. Schon die Optik ist unterschiedlich, auch die Struktur ist gänzlich anders. Foto: Dennstedt

Freilich sind da meist junge Landwirte die Vorreiter, manch einer sieht eher aus wie ein Hipster aus der IT-Branche als ein Landwirt in einem Hopfengarten.

Der Hopfenpflanzerverband, der das Ganze unterstützt, listet die Themenfelder auf: Erosion, Bodenleben, Wurzeln, Pflanzenkrankheiten (Welke) und Bearbeitung. Aber es geht „eins ins andere“ sagt Braun und verweist am Beispiel der Erosion beim Mais darauf, dass eine Monokultur“ nicht funktioniere. Deshalb hat Thomas Kiermeier beispielsweise Sonnenblumen und Hafer zwischen den Hopfen gepflanzt. Eine Konkurrenz zwischen der Unterpflanzung und dem Hopfen gebe es nicht. Denn die Pflanzen am Boden gäben durch die Photosynthese Energie an den Boden und damit an den Hopfen weiter. Überhaupt müsse man dazu kommen, den Boden wieder zu ernähren und ihn nicht nur mit Chemie wieder aufzupeppen. „Es gibt auch ander Wege“, sagt Braun.

Die hat Näser schon lange beschritten. Kompost, alles, was früher den Landwirten von ihren Ahnen weitergegeben wurde, was man in Zeiten vor einem Justus von Liebig, dem Begründer der Chemie, wusste, sei probat.

Dass die Hopfenpflanzer sich Bioland geholte haben, „ist für uns eine Bestätigung“, sagt Braun. Das Spritzen mit Kompostextrakt statt Fungiziden oder Pestiziden sei halt einfach besser. Ein Kreislauf: Verbesserter Boden bietet den Pflanzen ganz allgemein mehr. So können sie widerstandsfähiger wachsen und so ist auch der Einsatz von Chemie zu minimieren Aber: „Ganz ohne Chemie wird es auf die Dauer nicht gehen“, sagt auch Braun. Denn es dauere einfach „ein paar Jahre“, bis der Boden durch natürliche Hilfsmittel wieder so gesund ist, wie er sein soll.


              Mit Wasser kann man prüfen, wie sich der Boden bei Regen verhält. Wird er weg- oder ausgeschwemmt oder hat er einen so großen Anteil an Bindestoffen, dass er Regen ableitet? Foto: Dennstedt
Mit Wasser kann man prüfen, wie sich der Boden bei Regen verhält. Wird er weg- oder ausgeschwemmt oder hat er einen so großen Anteil an Bindestoffen, dass er Regen ableitet? Foto: Dennstedt

Den Anfang dazu haben die Hopfenbauern gemacht. Nicht nur im „Frontalunterricht“ auf dem Feld. Sondern man tauschte auch untereinander Erfahrungen aus. Mit welchen Maschinen man was am besten macht, was man wann zwischen den Hopfen sät.

Der Hof von Thomas Kiermeier bot sich an. Der Hopfenbauer baut verschiedene Sorten Hopfen an, betreibt auch einen Hopfenhandel und ist offen für Neues. So bereitet er beispielsweise den Kompost im Betrieb auf, derzeit noch eine Seltenheit. Und das ganz natürlich, mit Grasschnitt und Pferdemist. Der 32-Jährige, seit dem Jahr 2008 Hofinhaber, ist überzeugt, dass man offen für neue Ideen sein müsse: „Es langt nicht zu jammern, man muss was machen“

Dem verwandten Thema Wasser haben wir im vergangenen Jahr eine Themenwoche gewidmet.

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