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Entscheidung

Bombodrom ist Teil von Siegenburg

Seit 1. Januar ist der Luft-Boden-Schießplatz Gemeindegebiet. „Nun können wir uns für den Tag X rüsten“, sagt Bürgermeister Franz Kiermaier.
Von Beate Weigert, MZ

  • Blick auf das Gelände des Siegenburger Luft-Boden-Schießplatzes. Seit 1. Januar gehört das 228 Hektar große Areal im Dürnbucher Forst zum Gemeindegebiet. Fotos: Weigert
  • Warnschilder der Amerikaner verweisen auf das militärische Gelände.
  • Bürgermeister Franz Kiermaier mit einer Karte des Areals.
  • Das Bombodrom auf der Karte.
  • Blick aufs Bombodrom
  • Der alte Turm stammt noch aus der NS-Zeit.
  • Bürgermeister Kiermaier vor dem Gelände

Siegenburg.Im jüngsten Amtsblatt der Regierung von Niederbayern finden sich ein paar kurze, nüchterne Absätze über Siegenburg. Für den Markt bedeutet der Inhalt der wenigen Zeilen jedoch einen „Riesenschritt nach vorne“, sagt Bürgermeister Franz Kiermaier. Konkret ist da zu lesen, dass das Areal des Luft-Bodenschießplatzes seit 1. Januar Siegenburger Gemeindegebiet ist.

Markt besitzt Planungshoheit

Will heißen: Siegenburg hat nun die Planungshoheit über das 228 Hektar große Gelände, das bislang zum gemeindefreien Gebiet des Dürnbucher Forsts zählte. „Wir können uns nun für den Tag X rüsten“, sagt Kiermaier. Damit meint er das endgültige Aus des Bombodroms.

Darauf warten die Menschen in der Region, seit die Bundes-Luftwaffe seit Ende März 2013 das Gelände nicht mehr nutzt. Doch auch die Amerikaner nutzen das Gelände seit Jahrzehnten. Vonseiten der US Air Force herrscht Funkstille: Es gibt bislang keine Auskunft, ob auch sie das Gelände aufgeben will. Lediglich von einem langen Weg durch viele amerikanische Instanzen ist ab und an zu hören, etwa aus dem Bundes-Verteidigungsministerium. Mehr nicht.

Von seinem Planungsrecht kann der Markt Siegenburg zwar erst Gebrauch machen, wenn die militärische Nutzung tatsächlich endgültig vom Tisch ist. „Aber wir dürfen uns vorbereiten“, sagt der Bürgermeister.

In den vergangenen Monaten hat die Gemeinde zusammen mit dem Landkreis auf die Eingemeindung hingearbeitet. Nachdem alle Beteiligten zustimmten, ist es nun zum Jahresbeginn amtlich. Eingebunden waren die Nachbargemeinden Neustadt und Train, der Landkreis, und auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIma) musste ihr Okay geben.

Letztere ist nach wie vor der Grundstückseigentümer, erklärt Kiermaier, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Seit 1966 ist das Bombodrom im Eigentum der die Bundesrepublik Deutschland.

Durch die Eingemeindung seien für Siegenburg „böse Überraschungen“ vom Tisch, ist das Marktoberhaupt überzeugt: Ohne diesen Schritt hätte die BIma das Areal womöglich auf dem freien Markt an den Meistbietenden verkauft.

Als Wasservorranggebiet ausweisen

Die Siegenburger Gemeinderäte könnten nun schon in ihrer nächsten Sitzung beschließen, einen Flächennutzungsplan für das Gelände zu erstellen. Ziel des Markts ist es, das Areal als sogenanntes Wasservorranggebiet auszuweisen. Die Sicherung der Trinkwasserversorgung war für den Antrag auf Eingemeindung eines der zentralen Argumente gewesen. Dies bestätigt auch Landratsamtspressesprecher Heinz Müller.

Die Ausweisung eines Wasservorranggebiets soll nach den Worten Kiermaiers auch der Forderung Nachdruck verleihen, dass alle militärischen Altlasten beseitigt werden müssen.

Dass dies notwendig ist, steht außer Frage. Denn seit 1937 ist der Luft-Bodenschießplatz in Betrieb. Nach den Informationen des Bürgermeisters übte zunächst die Reichsluftwaffe mit so genannten Sturzkampfbombern und scharfer Munition über Siegenburg. Anschließend nutzen Bundesluftwaffe und US Airforce das Gelände. Die letzte „Hochphase“ sei zu Zeiten des Kosovo-Einsatzes Mitte der 1990er Jahre gewesen, erinnert sich Kiermaier.

Kommt nun Tag X, sprich fällt eine Entscheidung der Amerikaner, dass sie das Bombodrom aufgeben, könnte Siegenburg die vorbereitete Flächennutzungsplanung aus der Schublade ziehen und per Satzungsbeschluss schnell rechtskräftig werden lassen, sagt Kiermaier.

Bereits 2013 geleistet wurde diese Vorarbeit für ein Teilstück des Bombodroms, das östlich an das neu eingemeindete Gebiet angrenzt. Es gehört der Gemeinde schon seit längerem.

Eine Arbeitsgruppe unter Regie des Landkreises, die sich mit der Zukunft des Geländes befasst, existiert bereits seit einiger Zeit. Langfristiges Ziel von Landkreis und Kommune Siegenburg ist es, dass das Areal als Naturschutzgebiet ausgewiesen wird. Anfang April 2013 beantragte Landrat Dr. Hubert Faltermeier die Ausweisung bei der Regierung von Niederbayern. Dort ist die zuständige Höhere Naturschutzbehörde angesiedelt.

In Sachen Altlastensanierung laufen derzeit hinter den Kulissen laut Heinz Müller keine Gespräche. Nach dem Tag X wäre aus Sicht des Landkreises „dann die BIma am Zug“.

Nichts Neues von den Amerikanern

Eine aktuelle Information bezüglich der Amerikaner und deren Absichten hat Siegenburgs Bürgermeister nicht. Aber er hofft, dass die Amerikaner das Bombodrom in 2014 aufgeben. Zumal nach dem Ausstieg der Bundeswehr im März 2013 die Amerikaner nun „auch alles alleine zahlen müssen“. Von etwa 500.000 Euro Nutzungsentgelt war bislang immer die Rede.

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