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Leben

Boom bei Seniorenwohnungen

Der Bauboom scheint ungebrochen. Insbesondere altersgerechte Wohnungen sind gesucht. Im Fokus steht Bad Gögging.
Von Jochen Dannenberg

In Kürze soll in Bad Gögging mit dem Bau von neuen Wohnungen begonnen werden. Gleich nebenan ist altersgerechtes Wohnen geplant. Foto: Bauwerk GmbH
In Kürze soll in Bad Gögging mit dem Bau von neuen Wohnungen begonnen werden. Gleich nebenan ist altersgerechtes Wohnen geplant. Foto: Bauwerk GmbH

Neustadt. Die Bevölkerungsentwicklung könnte nicht unterschiedlicher sein im Landkreis Kelheim. Während in manchen kleinen Gemeinden wie Ihrlerstein die Sorge umgeht, der Ort könne Einwohner verlieren, gewinnen andere deutlich an Einwohnern hinzu. Dabei müssen die „anderen“ nicht unbedingt die großen Kommunen des Landkreises eingesetzt. Ein Beispiel ist Bad Gögging.

In den vergangenen Jahren hat ein wahrer Boom von Einrichtungen eingesetzt, die das Wohnen im Alter zur Aufgabe haben. Die unterschiedlichsten Modelle sprießen aus dem Boden. Neben dem klassischen Altenheim konkurrieren „Betreutes Wohnen“, „Seniorenresidenzen“ und Pflegeeinrichtungen. In Neustadt könnte sich schon bald eine weitere Einrichtung zu den bestehenden gesellen.

Baugenehmigung lag bereits vor

Im Ortsteil Bad Gögging beabsichtigt die Bauwerk GmbH eine „Seniorenresidenz“ zu bauen, wie Bauamtsleiter Albert Moser unlängst in einer Sitzung des Bauausschusses mitteilte. Die Anlage soll an der Waldstraße entstehen. Die Idee, hier Wohnraum für ältere Menschen zu schaffen, ist nicht neu. Bereits 1996 war eine Baugenehmigung für ein derartiges Vorhaben erteilt worden.

Das Projekt der Bauwerk GmbH ist jedoch nicht identisch mit dem über zwanzig Jahre alten Vorhaben. Wie Werner Reichl, der neben Andreas Treffer, Harald Eberl und Christian Roßbauer Geschäftsführer des Unternehmens ist, im Gespräch mit der Mittelbayerischen sagte, handele es sich um keine der derzeit üblichen Seniorenresidenzen. „Die Pflege steht im Zentrum des Vorhabens“, erklärte Reichl. Geplant seien zwei Wohngruppen für jeweils zwölf Personen, eine Tagespflege und ein Wohnpark mit circa 70 Appartements, in denen auch der Lebenspartner wohnen kann.

5000 Quadratmeter großes Areal

Die Bauwerk GmbH werde die Anlage zwar bauen, sie sei aber nicht Betreiber. Dafür habe man ein erfahrenes Unternehmen gewinnen können, dessen Namen Reichl jedoch nicht verraten wollte.

Das Areal, das für Senioren und pflegebedürftige Menschen vorgesehen ist, ist rund 5000 Quadratmeter groß. Es handelt sich um ein Viertel des Baugebietes „Am Sandfeld“ an der Waldstraße. Die übrigen 15000 Quadratmeter des Areals, das als Limesquartier vermarktet wird, werden mit Wohnungen bebaut. Mit dem Bau soll in Kürze begonnen werden.

Projekte

  • Brauerei:

    Die Bauwerk GmbH hat sich auf Bauträgerprojekte und die Realisierung von Wohnimmobilien auf nicht alltäglichen Grundstücken spezialisiert: So wurde in Neustadt eine ehemalige Brauerei zu 27 Wohnungen umgebaut.

  • Bauunternehmen:

    Derzeit wird mit den Arbeiten am Limesquartier in Bad Gögging begonnen. Auf dem Gelände eines früheren Bauunternehmens sollen im ersten Bauabschnitt 28 Wohnungen mit Größen von 60 bis 121 Quadratmeter sowie Tiefgarage entstehen.

  • Häuser:

    Weitere Projekte sind in Ingolstadt ein „Boardinghousehotel“ mit 74 Apartments, in Schwaig das „Wohnen am Kaltenbrunner Bach“ (13 Wohnungen), in Bad Abbach fünf Reihenhäuser und in Neustadt ein Boardinghouse.

  • Hotel:

    In Langquaid haben die Neustädter Investoren das „Hotel zur Post“ gekauft. Die „Post“ am Marktplatz soll wieder ein Hotel werden. Auch Wohnungen sind geplant. Der Marktplatz in Langquaid wurde vom Denkmalschutz unter Ensemble-Schutz gestellt.

Der Kurort wird mit dem Projekt der Bauwerk GmbH eine weitere große Einrichtung bekommen, die sich vor allem an ältere Bewohner wendet. Im vorigen Jahr war an der Heiligenstädter Straße in Bad Gögging eine Wohnanlage mit 70 Appartements für Senioren in Betrieb gegangen. Inzwischen ist noch eine weitere Anlage im Kurort im Gespräch.

Umbau des Altenheims

Werner Reichl betonte, dass es sich bei dem Bauvorhaben der Bauwerk GmbH um eine Umwandlung des Sandfeld-Areals und ehemaligen Siebig-Geländes handele. Hier würden künftig nur alte Menschen wohnen, was auch im Grundbuch festgelegt werde. Der neue Wohnpark für Senioren soll im östlichen Bereich der Waldstraße entstehen. Stellplätze werden ober- und unterirdisch errichtet, der Großteil wird in Tiefgaragen nachgewiesen.

Das Altenheim St. Josef in Neustadt soll umgebaut und erweitert werden. Rechts im Bild ist der Ursprung des Altenheims, das frühere Neustädter Krankenhaus, zu sehen. Foto: Dannenberg
Das Altenheim St. Josef in Neustadt soll umgebaut und erweitert werden. Rechts im Bild ist der Ursprung des Altenheims, das frühere Neustädter Krankenhaus, zu sehen. Foto: Dannenberg

Noch keine Klärung gibt es unterdessen zur Zukunft des Altenheims St. Josef. Wie mehrfach berichtet, soll das Altenheim in der Neustädter Innenstadt umgebaut und erweitert werden. Das Altenheim ist eine „klassische“ Senioreneinrichtung. Es verfügt über 63 Bewohnerplätze inklusive einem Kurzzeitpflegeplatz und zehn Tagespflegeplätze. Für die Erweiterung, die seit mehreren Jahren diskutiert wird, sollte auf das Gelände des bisherigen Kindergartens an der Fröhlichstraße zugegriffen werden. Das Altenheim sollte auf diese Weise um zehn bis zwölf Wohnungen ergänzt werden. Fußläufig könnten künftige Bewohner das St. Josef erreichen.

Derzeit andere Nutzung

Monsignore Hofmann sieht in den neuen Entwicklungen keine Konkurrenz für das Altenheim St. Josef. Foto: Dannenberg
Monsignore Hofmann sieht in den neuen Entwicklungen keine Konkurrenz für das Altenheim St. Josef. Foto: Dannenberg

Diese Möglichkeit besteht zumindest nicht kurzfristig, da die Stadt das Gebäude des ehemaligen Kindergartens vorerst selbst benutzt. Die Volkshochschule bietet hier Kurse an.

Zur Zukunft des Altenheimprojekts sagt Regionaldekan Monsignore Johannes Hofmann, der dem „Caritaswerk St. Josefs-Haus“ vorsteht: „Ich hoffe, dass die Diözese mit einsteigt und wir das schultern können.“ Bei der Jahresversammlung des „Caritaswerk St. Josefs-Haus“, die vor einem halben Jahr stattfand, hatte Hofmann auch darauf hingewiesen, dass es seit 2011 einen Beschluss der bayerischen Staatsregierung gibt, in welchem zum Beispiel die baulichen Zustände und Zimmergrößen in den Altenheimen neu festgelegt wurden. Um den Beschluss der Staatsregierung und die damit verbundene Verordnung umzusetzen, bestehe eine Übergangsfrist zur Umsetzung dieser Verordnung. „Dann muss aber gehandelt werden“, mahnte der Geistliche im Dezember.

Keine Konkurrenz

Eine Konkurrenz zu anderen Einrichtungen wie beispielsweise in Bad Gögging sieht Monsignore Hofmann nicht. „Ich merke jeden Tag, dass die Neustädter ein Altenheim vor Ort wollen“, sagt er. Das Altenheim St. Josef biete eine Rundumversorgung. Bei den übrigen Anbietern handele es sich um „ganz was anderes“. Damit stellt Hofmann auf die unterschiedlichen Formen von seniorenbetreutem Wohnen, Pflegeeinrichtungen und traditionellen Altenheimen ab.

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