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Region Kelheim
Montag, 18. Juni 2018 26° 2

Benefizkonzert

Burkinisch-bayerische Gemütlichkeit


Von Manfred Forster, MZ

Ob jetzt die Bedeutung des Kammerfensterlns so richtig rübergekommen ist oder das, war ein echter Holledauer Muhakl so erlebt hat, wenn er „vo da Stanz hoam“ geht, das war nicht das Entscheidende an diesem Abend. Während die Auer Geigenmusi vom „Schmalzerschnupfer“ erzählt, der sich nach dem „Hopfazupfa“ freut, dass es jetzt „a Schweiners mit Knödl dazua“ gibt, tastet sich Marie Odile Bonkoungou/Balima erst einmal mit einem gemischten Salat vor in Sachen bayerischer Kulinarik.

Dabei hat die Botschafterin einen größeren Bezug zu Bayern als man zunächst vermuten möchte. Immerhin war es der bayerische Ministerpräsident, der ziemlich genau vor einem Jahr während der bundespräsidialen Sedisvakanz nach Christian Wulffs Rücktritt als Bundesratspräsident und somit Interims-Bundespräsident Marie Odile Bonkoungou/Balima das Beglaubigungsschreiben als Botschafterin aushändigte. Somit durfte natürlich eine Halbe Helles vom Kuchlbauer nicht fehlen – jetzt, am Freitagabend beim Lauberger.

Die Botschafterin Burkina Fasos war der Ehrengast beim Benefizkonzert der Muhakl zugunsten der Kirchmann-Stiftung am Freitagabend beim Lauberger. Der Saal war bis zum letzten Platz besetzt, und die Wirtsleut’ mussten schließlich noch Klappstühle aus dem Biergarten in die Gaststube tragen. Die Auer Geigenmusi spielte Zwiefache und der Sepp aus Schwaighausen bat die Botschafterin auf die Tanzfläche. Die Stimmung im brechend vollen Saal war bestens, zeigte das doch auch die starke Verbundenheit der Abensberger mit dem Engagement von Felicitas und Hanns-Peter Kirchmann in Burkina Faso. Das war letztlich dem bis über die Krempe hinaus gefüllten Spendenhut anzusehen, den Walter Adam nach seiner Runde durch den Saal am Tisch der Botschafterin den Kirchmanns übergab. Das rührte diesen im Herzen.

Nun könnte man sagen: Pecunia non olet – Geld stinkt nicht. Doch muss das anders verstanden werden als im ursprünglichen Zusammenhang mit der Latrinensteuer der Alten Römer, die diesen Spruch geprägt haben. Natürlich unterließ es der Muhakl nicht, auf die Einmaligkeit seines arg fleckigen Hutes mit der Nasenkerbe und der Originalbefederung aus Birkhahn, Fasan und Eichelhäher hinzuweisen. Dem ist nämlich seine ursprüngliche Funktion als Kopfbedeckung eines Melkers am hinteren Ende einer Kuh auf einem Bauernhof in der Wildschönau in der Mitte des vorigen Jahrhunderts durchaus nicht nur anzusehen... 1750 Euro hatte das Publikum in den Hut gesteckt.

Walter Adam unterhielt das Publikum bestens, schilderte in den Couplets und Liedern detailliert, wie es dereinst so zugegangen ist in der Region – und Hanns-Peter Kirchmann, der ja holledauer-französische Wurzeln hat, mühte sich nach Kräften auch die sprachlichen Details und die Eigenheiten des Holledauers dem Gast aus Afrika verständlich zu machen.

Ur-Muhakl Peter Feichtner kehrte für einen Abend zurück auf die Bühne und komplettierte an der Tuba die Muhakl zum Trio. Das war dem Publikum einen extra Applaus wert.

Es war ein Schnellkurs in Sachen bayerischer Kultur, die Marie Odile Bonkoungou/Balima am Freitagabend beim Lauberger mit der Auer Geigenmusi, den Muhakl und dem Abensberger Publikum aus allen Altersgruppen und Gesellschaftsschichten erlebte. Und die Botschafterin war sichtlich erstaunt von dem Engagement, das man in Abensberg der Arbeit der Kirchmann-Stiftung und diese wiederum ihrem Heimatland entgegenbringt.

Horst Seehofer habe ihr damals, fast auf den Tag genau vor einem Jahr, schon so einiges über Bayern erzählt, „Dass das Brauchtum so hoch gehalten wird, diese Geselligkeit – das hat mich schon stark beeindruckt“, sagte die Botschafterin der MZ. Und da gebe es durchaus Parallelen zu ihrem Heimatland. Auch in Burkina Faso, einem im Vergleich zu den 80 Millionen Menschen in Deutschland eher kleinen Land mit 15 Millionen Menschen, werde das Brauchtum hochgehalten. Und ihrem Land, einem nach wirtschaftlichen Kriterien sehr armen Land, werde man nicht gerecht, wenn man es nur in der Menge der geförderten Rohstoffe messe. Ausschlaggeben für sie sei „der kulturelle Reichtum, den wir haben.“

Und schließlich versicherte Marie Odile Bonkoungou/Balima mit Blick auf die feschen Deandl der Auer Geigenmusi dem Abensberger Publikum: „Wenn ich das nächste Mal nach Abensberg komme, dann im Dirndl!“

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