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Leidenschaft

Das Feuer lodert weiter

Nach 25 Jahren als Bauhofleiter und 15 Ausstellungen in Neustadt will Toni Schaller kürzer treten, aber nicht in der Kunst.
Von Jochen Dannenberg

Toni Schaller bei der Arbeit an einem Projekt auf seinem Grundstück in Eining Foto: Dannenberg
Toni Schaller bei der Arbeit an einem Projekt auf seinem Grundstück in Eining Foto: Dannenberg

Neustadt.Toni Schaller ist Bauhofleiter, Ausstellungsorganisator und Künstler – und hat sich einiges vorgenommen. Vor allem aber will er kürzer treten. „Ab diesen Monat habe ich freitags frei“, verkündete er vor wenigen Tagen vor Kollegen im Sitzungssaal im Rathaus. Die waren zusammen gekommen, um Schaller zum Dienstjubiläum zu gratulieren. Seit 25 Jahren ist er nämlich schon bei der Stadt Neustadt beschäftigt. Das Jubiläum nimmt er mit Humor. „25 Jahre“, sagt er, „da sagen die Leute: 25? So jung bist du noch?“ Tatsächlich ist Schaller 61 Jahre alt und das ist für ihn ein Zeitpunkt, an dem er sich neu orientieren will. Dazu gehört auch, dass er seine Arbeitszeit reduziert hat.

Video: Jochen Dannenberg

„Ich will einen anderen Abschnitt in meinem Leben einläuten“, sagt er und schiebt wie zur weiteren Begründung hinterher: „Mit 61 Jahren kann man das schon machen.“ Toni Schaller will sich mehr seiner Leidenschaft, der künstlerischen Arbeit, widmen. „Da habe ich in letzten Jahren zurückstecken müssen“, bedauert Schaller.

Holz hat Seele

Die künstlerischen Aktivitäten waren immer ein Teil des Lebens des gebürtigen Einingers, der auch heute noch in dem kleinen Dorf mit der großen Geschichte lebt. „Mit 20 habe ich mir Ölfarben von einem Versandhandel schicken lassen und begonnen zu malen. Dann habe ich auch versucht die Hintergründe und Zusammenhänge in der Kunst zu verstehen. Ich habe deshalb viel über Kunstgeschichte gelesen.“ Schaller entwickelte sich weiter, begann den Werkstoff Holz für sich zu entdecken. „Ich habe mich bewusst nicht für die Baumaterialien Stein und Beton entschieden, die ich aus meinem erlernten Beruf kannte, sondern für Holz, denn Holz hat mehr Seele.“

„Shelter 5“, Arbeit für die „IntraRegionale 2016“ in Niedersachsen Foto:: Schaller
„Shelter 5“, Arbeit für die „IntraRegionale 2016“ in Niedersachsen Foto:: Schaller

Nachdem er viele Jahre beim Bauunternehmen Stanglmeier in Abensberg und der Bayernoil-Raffinerie in Neustadt gearbeitet hatte, wechselte Schaller zur Stadt Neustadt, nachdem die die Stelle des Bauhofleiters ausgeschrieben hatte. Sie bekam den Bauhofleiter und noch mehr. Fortan organisierte Schaller nämlich auch Kunstausstellungen und Kulturreihen in Neustadt, Bad Gögging und immer wieder auch in Eining. 15 sind es bisher gewesen. Zu den bekanntesten gehören die „Wannenkunst“ 2007 in Bad Gögging und „Ölspur“ 2014 in der Bayernoil-Raffinerie in Neustadt, aber auch die Kulturtage „Temporär“ in Neustadt.

Toni Schaller (links) und der Amberger Künstler Wilhelm Koch bei der „Ölspur“ in Neustadt
Toni Schaller (links) und der Amberger Künstler Wilhelm Koch bei der „Ölspur“ in Neustadt

Besonders die „Ölspur“ ist Bürgermeister Reimer anscheinend in Erinnerung geblieben, denn er erinnerte bei der Feier von Schallers silbernem Dienstjubiläum im Sitzungssaal des Rathauses das sei eine „verrückte Aktion“ gewesen. Schaller bedankte sich brav und sagte: „Ich habe immer die Stadt im Rücken gehabt.“

Stress gehört dazu

Die Arbeit an den Land-Art-Ausstellungen, zu denen regelmäßig große Namen der nationalen wie internationalen Bildhauer-Szene eingeladen werden, ist enorm. Eineinhalb Jahre braucht Schaller, bis alles steht. Die Arbeit selbst ist ehrenamtlich, betont der Bürgermeister, und damit nicht Teil des Jobs bei der Stadt Neustadt.

Beitrag Schallers für die Biennale in Süd-Korea  Foto:: Schaller
Beitrag Schallers für die Biennale in Süd-Korea Foto:: Schaller

Dieser Job ist abwechslungsreich. Als Bauhofleiter ist Schaller nicht nur für 35 Mitarbeiter zuständig. Auch der Winterdienst gehört zu seinen Aufgaben wie auch die Organisation von Festivitäten oder vor zwei Jahren die Renovierung der Scherer-Kapelle in Marching sowie der Betrieb der Donau-Fähre in Eining. „Das ist kein langweiliger Job“, sagt Schaller. „Die Vielfalt der Arbeit gefällt mir und ich mag es, wenn ich meine Herausforderungen habe. Die 25 Jahre bei der Stadt Neustadt sind wie im Flug vergangen.“

„Beach House“ – von Eining nach Aarhus (Dänemark)  Foto:: Schaller
„Beach House“ – von Eining nach Aarhus (Dänemark) Foto:: Schaller

Toni Schaller hat den Wechsel von der Privatwirtschaft zum öffentlichen Dienst nie bereut. Er weiß, dass es manchmal stressig wird. Vor allem im Winter, wenn schon nachts Telefonanrufe bei der Stadt eingehen, warum erst die eine und dann die andere, aber noch nicht die Straße vor der eigenen Haustür vom Schnee geräumt wurde. Aber die Verbindung von Job und privater Leidenschaft hat ihm Möglichkeiten geschaffen, die es andernorts kaum gibt. Diese Verknüpfung hat dazu beigetragen, dass nicht nur Schaller mit seinen künstlerischen Arbeiten bekannt wurde, sondern auch die Stadt Neustadt sich einen Ruf in der Kunstszene erarbeitete.

Bei der Arbeit Foto: Dannenberg
Bei der Arbeit Foto: Dannenberg

In zwei Jahren, verkündete der Bürgermeister bei Schallers Dienstjubiläum, seien sie beide im Ruhestand. Was dann für den Mann aus Eining kommt, steht noch nicht fest. „Es wird mit Sicherheit weiter Ausstellungen geben“, sagt er. „Aber in anderen Größenordnungen.“ Möglicherweise werde sich dabei mehr um seine eigenen Arbeiten kümmern, nachdem er bei den Ausstellungen in Neustadt und den Ortsteilen immer nur ein Teil der Gruppe gewesen sei. So viel Egoismus darf sein. Und so arbeitet Toni Schaller inzwischen wieder an einem neuen Projekt und bekennt: „Für mich ist das ein inneres Feuer, das ich am Lodern halte.“

Weitere Berichte aus Neustadt und den Ortsteilen

15 Ausstellungen

  • 1993:

    Seit 1. Mai 1993 ist Toni Schaller bei der Stadt Neustadt beschäftigt und zugleich Leiter des Bauhofs. Außerdem organisierte Toni Schaller um zahlreiche kulturelle Veranstaltungen. Damit begann Schaller, der in Eining wohnt, bereits vor seiner Einstellung bei der Stadt Neustadt.

  • Premiere:

    Erste Aktion war 1992 ein Bildhauer-Symposium im Römerkastell Eining, 1993 folgte „Skulpturen in Legno“, ein Bildhauer-Symposium in Recoaro Terme (Italien), ein Jahr später in Eining „Art Topograhie“ 95. 1997 folgte die „Art Römerpark“ in Bad Gögging.

  • Weiter:

    „DonauArt“ Neustadt (2000), „check point art“ Römerkastell Eining (2003), Ausstellung im Krebsturm Neustadt (2004), Temporär Weinberg Eining (2005), „Wannenkunst“ Bad Gögging (2007), „Flugobjekte“ Weinberg Eining (2010), „Ölspur“ Neustadt (2014).

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