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Waldwissen

Das „grüne Klassenzimmer“ ist gefragt

Klimagestresste Wälder und „urbane“ Besitzer: Der neue Leiter der Kelheimer Waldbauernschule hat viele neue Themen vor sich.
Von Martina Hutzler

Die Kursteilnehmer lernen waldbauliches Wissen in Theorie und Praxis: zum Beispiel an diesem Spannungs-Simulator
Die Kursteilnehmer lernen waldbauliches Wissen in Theorie und Praxis: zum Beispiel an diesem Spannungs-Simulator

Kelheim.Sie sollen Holznachschub liefern, das Klima schützen, der Natur und den Freizeitsportlern ihr Recht lassen; immer öfter funken aber extreme Wetterlagen dazwischen: Waldbesitzer haben es derzeit nicht leicht, und obendrein sind immer mehr von ihnen Neulinge im Waldbau. Genügend Aufgaben also für Peter Hummel, den neuen Leiter von Bayerns einziger Waldbauernschule, am Kelheimer Goldberg. Er sieht den Schulbetrieb vor neuen Herausforderungen.

Etwa der wachsende Anteil „urbaner“ Waldbesitzer: Früher gehörten fast immer Landwirtschaft und Wald zusammen; der Hoferbe bekam das Wissen für beides von klein auf mit. Mittlerweile geben immer mehr Bauern ihre Höfe auf; den Wald verkaufen oder vererben sie an eine Generation, die sich beruflich anders orientiert, oft weit weg wohnt. „Die Tendenz geht klar in Richtung solcher ,urbanen’ Waldbesitzer“, bestätigt Peter Hummel. Das beschert der insgesamt 39-köpfigen Belegschaft, die am Goldberg Teilnehmer unterrichtet, verpflegt und betreut, neue Kunden. Solche wie zum Beispiel Mario Grabinger.

Weiterbilden fürs Hobby

Ganz neu war Waldarbeit nicht für den Affeckinger: Als Kind ging er ab und zu mit dem Vater zum Holzmachen. Aber den Traum vom eigenen Wald hat sich der Außendienst-Mitarbeiter (43) erst vor ein paar Jahren erfüllt. Zwei Teilstücke, insgesamt drei Hektar besitzt er; „für einen Laien wie mich fast zu groß“, meint er lachend – aber Laie will er ja nicht bleiben: Er hat bereits mehrere Kurse absolviert an der Waldbauernschule.

Die Kursteilnehmer lernen waldbauliches Wissen in Theorie und Praxis: zum Beispiel an diesem Spannungs-Simulator
Die Kursteilnehmer lernen waldbauliches Wissen in Theorie und Praxis: zum Beispiel an diesem Spannungs-Simulator


Solches Basiswissen zu vermitteln sieht Peter Hummel als eine Hauptaufgabe seiner Schule an, die – einmalig in Bayern und wohl deutschlandweit – explizit in erster Linie für private und kommunale Waldbesitzer eingerichtet wurde: „Wir wollen kein Studium ersetzen, sondern das Grundverständnis für Wald-Arbeit vermitteln, auf einem Niveau, das dem Wald gut tut“, beschreibt er das Hauptanliegen der Einrichtung, die von einem forstwirtschaftlich geprägten Verein getragen wird, aber vom Staat das Lehrpersonal gestellt bekommt.

Seit  Mitte März leitet Forstdirektor Peter Hummel  die Waldbauernschule am Kelheimer Goldberg. Fotos: Hutzler
Seit Mitte März leitet Forstdirektor Peter Hummel die Waldbauernschule am Kelheimer Goldberg. Fotos: Hutzler

Auf der Basis bietet die Schule Grund-, vertiefende und Spezialkurse in Theorie und Praxis an, in den Kurssälen des Hauptgebäudes, den Lehrwerkstätten und Hallen sowie dem angrenzenden Schulwald-Revier der Bayerischen Staatsforsten. 2018 kamen rund 1800 Teilnehmer aus Bayern und teils darüber hinaus auf die Anhöhe zwischen Kelheim und Ihrlerstein; weitere 3700 Interessierte besuchten Veranstaltungen wie z.B. Geräte-Präsentationen.

Rundgang durch die Waldbauernschule

Gerade in den Praxis-Grundkursen geht es den zehn unterrichtenden Forstwirtschafts-Meistern oft ein wenig wie Grundschul-Lehrern: Sie stehen vor einer bunt gemischten Gruppe. Hier der neue ambitionierte Zwei-Hektar-Waldbesitzer, dort der 1000-Hektar-Großgrundbesitzer, der vielleicht nie selbst zur Säge greifen wird, aber trotzdem eine Ahnung haben will, wie seine grüne Kapitalanlage in der Praxis funktioniert. Egal welche Motivation – Hauptsache, Waldbesitzer sind interessiert, findet Forstdirektor Hummel.

Denn ohne informierte Waldbesitzer geriete in Gefahr, was bisherige Generationen aufgebaut haben und aufbauen: Wälder, die Holz liefern, wichtige Grundwasserspeicher sind, Erholung bieten und zunehmend auch wieder naturnah bewirtschaftet werden. Die andererseits mehr denn je bedroht sind von alten und neuen Schädlingen und Wetter-Ungemach.

Gefahr

Trockenheit: Wälder werden beobachtet

Wegen der Waldbrandgefahr hat die Regierung Beobachtungsflüge über Wälder angeordnet. Die Situation ist angespannt.

Davon kann Peter Hummel selbst ein Lied singen: 1,5 Hektar Wald nennt er sein Eigen. Und auch, wenn dieser Flecken Natur für den verwitweten Vater zweier sechsjähriger Buben vor allem ein Ort zum Kraft tanken ist: Mit Waldbesitzer-Sorgen muss auch er sich herumschlagen. So hat er zum Beispiel „einsehen müssen, dass an diesem Standort die Fichte wohl nicht zu halten ist“. Er testet jetzt Arten wie Douglasie, Tanne, Kiefer.

Auch die Schule muss lernen

Im Lernprozess zum Klimawandel sieht er auch seine Schule. „Baumarten breit streuen“, der Tipp gelte, klar. Aber welche Bäume man Kursteilnehmern konkret empfiehlt, das muss sich auch die Schule zusammen mit Forschungseinrichtungen erarbeiten. Zu gute komme ihr, dass der Kelheimer Staatsforstbetrieb seit Jahren auf naturnahen Mischwald setze – Lehrende und Lernende haben also Anschauungsbeispiele vor der Schultür.

Die Türen weiter öffnen will Hummel aber auch für die breite Öffentlichkeit: Mehr informieren, das hält er für nötig, weil in der Gesellschaft das Wissen um waldbauliche Zusammenhänge eher sinke.

Mehr Öffentlichkeitsarbeit

Das, bedauert der Forstwissenschaftler, führe bei manchem zu Schwarz-Weiß-Denken: Gut sei der stillgelegte, sich selbst überlassene Wald; böse sei es, Wald zu bewirtschaften, zumal mit großen Maschinen. Naturwald-Reservate befürwortet er durchaus, allein schon, um einen Vergleich zu haben. „Aber auf großer Fläche halte ich eine integrative Waldbewirtschaftung für wichtig“ – nicht zuletzt wegen des Baumaterials Holz. „Damit kann ich wirklich was für den Klimaschutz tun!“ Und: Es komme ja auch auf die Bewirtschaftung an, findet Waldbesitzer Mario Grabinger: Nicht mehr entnehmen, als nachwächst, der Natur Platz lassen: Das ist für ihn auch wichtig. Im Gegenzug erntet er neben Brennholz: ruhige Stunden in einer belebten Natur, wie er im Interview erzählt:

Mario Grabinger schätzt die Waldarbeit aus Ausgleich zum Beruf. Foto: Grabinger
Mario Grabinger schätzt die Waldarbeit aus Ausgleich zum Beruf. Foto: Grabinger

Herr Grabinger, Sie sind vor ein paar Jahren mit dem Kauf von drei Hektar zum Waldbesitzer geworden – wieso?

Ich war schon immer gern in der Natur, die Arbeit im Holz macht mir Spaß, und dass man das eigene Brennholz für den Ofen hat. In den Wald rauszugehen ist für mich einfach ein schönes Hobby.

Interessieren Sie sich auch für Waldbau-Themen?


Ja sehr! Ich hab’ den den Motorsägen-Kurs und mehrere Grundkurs-Einheiten an der Waldbauernschule besucht: Welche Baumarten gibt es, an welchen Standorten gedeihen sie, wie sind ihre Prognosen für den Klimawandel? All dieses Wissen hat mir auf alle Fälle schon geholfen.

Waldbesitzer haben derzeit viele Sorgen: Schädlinge, Klimawandel. Auch bei Ihnen Themen?

Ja, vor zwei Jahren hatte ich mehrere Festmeter Windwurf. Und im trockenen Sommer 2018 sind einige Fichten vom Käfer befallen worden. Aber solche Risiken muss man als Waldbesitzer tragen. Zum Glück hab’ ich schon viele Buchen und Eichen im Bestand. Aber ich teste auch neue Baumarten wie den Spitzahorn, in Absprache mit dem Kelheimer Revierleiter..

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