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Region Kelheim
Samstag, 23. Juni 2018 18° 3

Entwicklungshilfe

Das Krankenhaus nimmt Formen an


Von Manfred Forster, MZ

Zuerst die guten Nachrichten: Die eigentliche Baustelle nähert sich dem Ende, und wenn jetzt alles gutgeht, wird die Bauphase Ende April abgeschlossen sein. Jetzt müssen dann die medizinischen Geräte ausgesucht, bestellt und gekauft werden, dann kommen die Möbel und dann könnte es losgehen ...

„Wenn da nicht noch eine Reihe von Schwierigkeiten wäre“, berichtet Hanns-Peter Kirchmann nach seiner Rückkehr vom jüngsten Baustellenbesuch mit dem Regensburger Architekten Andreas Eckl in Sabou. „Es beginnt mit unserem Architekten, der beschlossen hat, sein Honorar sei nicht ausreichend und bei der letzten Sitzung in Sabou verkündet hat, dass er nur noch kommt, wenn er mehr Geld bekommt. Hinweise auf geschlossene Verträge spielen hier nur eine untergeordnete Rolle.“ Der Bauunternehmer habe die im Oktober ausgesuchten Fenster immer noch nicht bestellt und musste bekennen, dass das von der Stiftung gewünschte Profil jetzt nicht verfügbar ist . Kirchmann: „Wir müssen umdenken …“

Schwester Marie verlässt Sabou

Das ungleich schwierigere Problem ist die Personalsituation. Schwester Dr. Marie Groleau, die in mühevoller Arbeit maßgeblich das Gesundheitszentrum zu dem gemacht hat, was es heute ist, eine Anlaufstelle für Menschen in Not in der gesamten Region, wechselt von Sabou nach Nanoro. Im Moment gibt es nur einen Arzt aus der Hauptstadt Ouagadougou, der zwei mal pro Woche kommt.“ Den Rest deckt das Gesundheitszentrum mit lokalen Fachkräften ab. „Hier ist der Kontakt zur Botschafterin Gold wert“, erinnert Kirchmann an die Unterstützung von Marie Odile Bonkoungou/Balima, „dank ihrer Hilfe werden wir kurzfristig einen Allgemeinarzt, der die ganze Woche vor Ort ist, aus Burkina bekommen. Hanns-Peter und Felicitas Kirchmann haben die Botschafterin Burkina Fasos bei einem Wirtschaftsgespräch mit dem burkinischen Staatspräsidenten vergangenes Jahr in Berlin kennengelernt. Sie übernahm dann spontan die Schirmherrschaft für das jüngste Kunst/Musik-Benefiz-Projekt der Stiftung im Herbst 2012 in Siegen und war im März Ehrengast einer Benefizveranstaltung in Abensberg.

In Sabou fehlt es aber an Spezialisten: „Was wir nicht aus Burkina bekommen“, sagt Kirchmann, „sind der Chirurg und der Gynäkologe. Die nächste große Aufgabe der Stiftung wird es also sein, hier entsprechende Ärzte aufzutreiben, eigentlich war das die Aufgabe der Franziskaner“. „Aber‘“, so hofft Kirchmann, „vielleicht liest ja auch ein mutiger, unternehmungsfreudiger Mediziner diesen Artikel oder kennt jemanden.“

Unterstützung zugesagt

Gerade macht die Stiftung auch die erste Zwischenabrechnung mit dem Bauunternehmer. Es klafft wohl eine Finanzlücke von 10 000 Euro, die es zu stopfen gilt. „Wenn man aber bei der Baubegehung die Fortschritte sieht und so langsam alles Form annimmt, dann wird einem doch wieder die Dimension des Vorhabens klar und auch, dass so etwas nicht nur reibungslos ablaufen kann“, so Kirchmann.

Der Besuch beim neuen Direktor des staatlichen Gesundheitsdienstes der Provinz sei ermutigend gewesen: „Er will uns nicht nur mit einem Arzt, sondern auch mit einer Hebamme unterstützen.“ Das Thema Entbindung ist gerade sehr akut in Sabou, weil ein nur 18-jähriges Mädchen bei der Geburt ihres Kindes hier in Sabou verstorben ist. Das ist in Westafrika zwar kein Einzelfall, aber doch auch für die Leute im Dorf immer wieder erschreckend.

Eine Erkenntnis, die zwar nicht neu ist, aber laut Kirchmanns Einschätzung, insbesondere den Franziskanern, mit denen die Abensberger Stiftung zusammen das Gesundheitszentrum erweitert, jetzt erst so richtig klar wird, ist die enorme Anforderung, so ein Krankenhaus zu unterhalten. „Langsam ist das auch bei den verantwortlichen Ordensoberen in Warschau und Pescara angekommen“, so Kirchmann, „wir werden einen neuen Mitarbeiter bekommen, der sich um die Verwaltung und die Organisation der Apotheke kümmern wird. Er hat schon in Sabou gearbeitet und passt gut ins Team. Das Budget 2014 für den Betrieb wird auch erhöht.“

Aber alle Beteiligten sind sich einig. Jetzt muss die neue Station erst einmal laufen und dann können die Radiologie und die innere Erschließung des Geländes in Angriff genommen werden.

Aufatmen bei Hanns-Peter Kirchmann: „Wenn man sich immer nur schnell von A nach B bewegt, kommt man zwar schnell an, aber manchmal reifen Dinge auf einem längeren Weg besser und kleine Fehler sind noch auszumerzen. Auch wenn wir im Kopf schon weiterdenken, wir dürfen die Leute vor Ort nicht überfordern, sondern müssen sie ankommen lassen.

Dass in Afrika manches halt doch anders als in Europa ist, weiß auch Pater Giacomo. Ich weiß, lieber Herr Kirchmann, „sagt der Franziskaner aus Italien, der in der Pfarrei in Sabou tätig ist und schon mal mit dem Esel unterwegs ist, „sie sind ein Freund Afrikas, aber Sie müssen noch mehr afrikanische Langsamkeit lernen!“

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