MyMz
Anzeige

Das „Naturmonument“ rückt ins Blickfeld

Nach längerer Pause greift das Umweltministerium die Neueinstufung der Weltenburger Enge an – vor Ort argwöhnisch beäugt.
Von Martina Hutzler

Als „Hot-Spot“ der Artenvielfalt gilt die Weltenburger Enge nicht nur im Umweltministerium. Unter anderem der Wanderfalke schätzt das Zusammenspiel von Fels, Wald und Fluss als Lebensraum. Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb
Als „Hot-Spot“ der Artenvielfalt gilt die Weltenburger Enge nicht nur im Umweltministerium. Unter anderem der Wanderfalke schätzt das Zusammenspiel von Fels, Wald und Fluss als Lebensraum. Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb

Kelheim.Die Weltenburger Enge ist der Auszeichnung als „Nationales Naturmonument“ ein Stück näher gekommen. Der Kreisausschuss hat per einstimmigem Beschluss grundsätzlich begrüßt, dass der Freistaat in Kelheim Bayerns erstes „Naturmonument“ etablieren will: Es soll das Kerngebiet des bestehenden Naturschutzgebietes „Weltenburger Enge“ umfassen. Aber zu welchem Zweck? Mehr Naturschutz oder touristische Aufwertung – oder beides? Da zeichnet sich jetzt schon eine intensive Debatte, wie eine Umfrage unter Interessensvertretern zeigt.

Nach bisherigem Stand soll das „Nationale Naturmonument“ eine Größe von rund 195 Hektar haben:

Das „Nationale Naturmonument“ (NNM) ist ein hierzulande noch recht unbekannter Schutzstatus, der erst seit 2010 im Bundes-Naturschutzgesetz verankert ist. Deshalb gibt es in der gesamten Republik erst drei NNMs; zuletzt 2018 wurde ein Abschnitt des „Grünen Bandes“ an der einstigen innerdeutschen Grenze zum Naturmonument deklariert. Weltweit sind aber schon 21 000 Naturschönheiten in dieser Kategorie erfasst.

In Deutschland sind die Landes-Regierungen per Gesetz zuständig für die NNM-Deklaration. Ohne die Unterstützung der jeweiligen Region geht aber gar nichts: Das macht Ulrike Lorenz, Ministerialdirektorin im bayerischen Umweltministerium, deutlich. Mit dem einstimmigen Grundsatzbeschluss kam die Kreispolitik denn auch einem Wunsch aus dem bayerischen Umweltministerium nach, wie Landrat Martin Neumeyer im Kreisausschuss erklärte.

Ministerialdirektorin Ulrike Lorenz erklärte den Zeitplan für das „Nationale Naturmonument Weltenburger Enge“. Foto: Hutzler
Ministerialdirektorin Ulrike Lorenz erklärte den Zeitplan für das „Nationale Naturmonument Weltenburger Enge“. Foto: Hutzler

Formell ist für ein NNM ein Ausweisungsverfahren nötig, das laut Ulrike Lorenz heuer im Frühsommer eingeleitet werden soll. Zuvor wird, wie berichtet, Umweltminister Thorsten Glauber am 11. April zu einem „Runden Tisch“ nach Kelheim kommen und das Vorhaben mit Vertretern unter anderem von Naturschutz, Tourismus, Freizeitsport, Behörden diskutieren.

Gegensätzliche Interessen

Von diesen örtlichen Interessensvertretern gibt es bislang zwar kein grundsätzliches Nein zu den NNM-Plänen. Aber die Erwartungen gehen teilweise in völlig gegensätzliche Richtungen. Naturschützer wie Peter Forstner vom Bund Naturschutz fordern, dass „die Natur gewinnen muss“ durch ein NNM: Bessere Besucherlenkung, insbesondere auch am Donauufer sowie einheitlich strengere Auflagen in den zwei (weiter-)bestehenden Naturschutzgebieten, nennt der BN-Kreisvorsitzende im MZ-Gespräch als Beispiele für so einen Naturgewinn.

Als „Hot-Spot“ der Artenvielfalt gilt die Weltenburger Enge nicht nur im Umweltministerium. Unter anderem der Wanderfalke schätzt das Zusammenspiel von Fels, Wald und Fluss als Lebensraum. Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb
Als „Hot-Spot“ der Artenvielfalt gilt die Weltenburger Enge nicht nur im Umweltministerium. Unter anderem der Wanderfalke schätzt das Zusammenspiel von Fels, Wald und Fluss als Lebensraum. Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb

Sein Kollege vom Landesbund für Vogelschutz, Kreisrat Peter-Michael Schmalz, hält die bisherige NNM-Gebietskulisse von 195 Hektar für „schon noch sehr klein“. Und Grünen-Kreisrat Richard Zieglmeier sieht die Weltenburger Enge hinsichtlich der Besucherzahlen schon jetzt am Limit.

Genau solche Warnungen und Forderungen lassen wiederum bei anderen Interessensvertretern die Alarmglocken schrillen. „Noch mehr Einschränkungen in der Schifffahrt“ befürchtet zum Beispiel Kapitän Erwin Wagner, auch mit Blick auf die jüngste Debatte um eine Kiesbank bei Weltenburg. Solche weiteren Restriktionen könne man aus den Aussagen von Ulrike Lorenz durchaus heraushören, urteilt Wagner im Rückblick auf die Sitzung.

Die Ministeriums-Vertreterin hatte im Kreisausschuss erklärt, dass der Donaudurchbruch geologisch und ökologisch so bedeutsam sei, dass er den Titel NNM auf alle Fälle verdient habe: Es sei eine Keimzelle der Artenvielfalt und gleichzeitig ein „Hotspot der Vor-, Früh- und Kulturgeschichte“. Allerdings müsse das NNM-Verfahren auch einen „zusätzlichen Schutzzweck“ definieren, „der die Ausweisung als NNM rechtfertigt“, erklärte Lorenz. Dies könne zum Beispiel sein, dass man die „natürliche Dynamik und Entwicklung von Wald, Fels und Fluss noch besser schützt.

Diese Zusammenspiel der Elemente fasziniert auch Fotografinnen und Fotografen immer wieder:

Donaudurchbruch im Jahreslauf

Das behagt Touristikern wie Karl Zettl gar nicht: „Uns ist wichtig, dass Tourismus und Freizeitsport auf der Donau nicht weiter eingeschränkt werden“, fordert der Bad Gögginger Tourismus-Vorsitzende und Kreisrat. Das entspricht einer der „roten Linien“ die seine Freie Wähler-Fraktion in einem Schreiben an Landrat Neumeyer bereits gezogen hat. Als weitere Bedingungen nennt Fraktionssprecher Jörg Nowy, dass das NNM kein „Nationalpark durch die Hintertür“ und auch nicht an den betroffenen Kommunen vorbei ausgewiesen werden dürfe.

Schloss als Umweltzentrum

Positiver sieht Thomas Reimer, Vorsitzender im Kreis-Tourismusverband, das NNM: als „Chance, die wir nutzen sollten“, bei gleichzeitig schonendem Umgang mit der Natur. Eine Sichtweise, die Landrat Neumeyer teilt. Das Wittelsbacher Schloss – das frühere Landratsamt – als Umweltbildungszentrum zu nutzen, würde zum Beispiel dem Tourismus in Schlechtwetterzeiten nutzen und gleichzeitig zur Besucherlenkung und -aufklärung beitragen. Hier steht allerdings die Forderung der Freien Wähler im Raum, dass Einrichtung und Betrieb des Zentrums nicht auf Rechnung des Landkreises gehen dürfen.

Neumeyer sieht Schutzfunktion

Neumeyer betonte im Kreisausschuss, dass die Initiative für ein NNM vor rund einem Jahr von ihm ausgegangen sei: Er sehe sie auch als eine Art „Schutzwall“ gegen jegliche erneute Debatte um einen Nationalpark im Raum Kelheim

dar: Niemand würde wohl wagen, Bayerns erstes NNM zugunsten eines Nationalparks wieder aufzuheben, prognostizierte der Landrat, der das Thema „dritter Nationalpark für Bayern“ generell noch nicht für beendet hält.

Bis Jahresende fertig?

Die formelle Ausweisung als NNM könnte bis Jahresende abgeschlossen sein, erklärte Ulrike Lorenz. Das Verfahren sieht – neben dem inoffiziellen „Runden Tisch“ am 11. April – noch eine offizielle Anhörung von Behörden, Verbänden und sonstigen Betroffenen vor. In diesem Verfahrensschritt, voraussichtlich im Sommer / Herbst, werden die Pläne für das NNM auch öffentlich ausgelegt. Danach könnte die bayerische Staatsregierung das Verfahren per Beschluss abschließen – eine Zustimmung im Landtag ist nicht erforderlich. Angesichts der diskutierten Befürchtungen forderte SPD-Sprecher Willi Dürr, „schnell in die Gänge zu kommen“ – ehe die Verunsicherung in Sachen NNM überhand nehme.

Weitere Themen rund um die „Natur vor der Haustür“ lesen Sie hier!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht