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Welturaufführung

Das Spiel mit der Angst

Das Theater am Bahnhof in Abensberg feierte Premiere. Der Autor von „Vergeltung“, E. W. Heine, stand selbst auf der Bühne.
Von Heike S. Heindl

Für den Abt aus Rom (E. W. Heine) wird die Autopanne in den einsamen Bergen zum Thriller. Foto: Heike S. Heindl
Für den Abt aus Rom (E. W. Heine) wird die Autopanne in den einsamen Bergen zum Thriller. Foto: Heike S. Heindl

Abensberg.Schneegestöber in den Bergen, eine Lawine, eine von der Außenwelt abgeschnittene Burg und das grausame Spiel der paranoiden Gräfin und deren undurchsichtigen Hausangestellten mit einem hohen Geistlichen aus Rom. Das erwartete die Theaterbesucher am Freitagabend zur Premiere von „Vergeltung“ im ausverkauften Theater am Bahnhof.

Autor und Schauspieler

Der Autor E. W. Heine stand als Abt von Rom in einer Hauptrolle persönlich auf der Bühne und spielte die Angst vor dem Wahnsinn der Burgbewohner und seiner ausgeprägten Angst vor Hunden genial. Das Stück zeigt eine zeitpolitische Angelegenheit, welches zum Ausdruck bringt, dass nachträglich nichts wieder gutmachbar ist – in diesem Fall, die Verbrechen der Hexenverfolgung im Mittelalter. Denn die Gräfin (Agnes Englerth) sieht in ihrem Besucher einen geeigneten Angeklagten, und macht ihm kurzerhand den Prozess wie zu Zeiten der Inquisition.

Premiere "Vergeltung" im Theater am Bahnhof

Weitere Bilder zur Premiere von Vergeltung im Theater am Bahnhof finden Sie hier:

Was der Abt noch als harmloses Spiel ansieht, entpuppt sich im Laufe der Vorführung als wahrer Horror ohne Fluchtmöglichkeit. Denn der Hausdiener Mario (Thomas „Dam“ Seeber) nutzt die Angst des Abtes vor Hunden schamlos aus, indem er ihn im Glauben lässt, dass die Burg von einem blutrünstigen Hund bewacht wird. Als letztendlich ein Polizist zur Burg kommt und Fragen wegen des liegengebliebenen Fahrzeuges stellt, scheint es, als sei für den Abt der Retter gekommen. Doch der Wahnsinn nimmt kein Ende und das Psychospiel geht weiter.

Für E. W. Heine war es keine Frage, wer den Abt spielen wird – er wollte mit dieser Rolle von Anfang an selbst auf der Bühne stehen. „Man muss sich immer wieder selbst herausfordern“, sagt der Autor. „Man kann, wenn man älter wird, noch vieles. Dass man sagt, man ist zu alt, das geht gar nicht. Auch der Kontakt zu jungen Leuten ist in meinem Alter sehr wichtig.“ Vor 40 Jahren stand der Architekt und Schriftsteller das letzte Mal auf der Bühne und hatte sofort wieder Blut geleckt. Einige Stücke hat er noch in petto, wie er verrät.

Für die Regisseurin Steffi Wildenhain war das Stück eine Herausforderung: „Ich habe mich mit dem Thema vielbeschäftigt. Es war nicht ganz so leicht. Wir haben noch einige Szenen aus dem Mittelalter eingespielt, um das Ganze etwas mystischer darzustellen, aber ich bin sehr zufrieden mit der Aufführung.“

Bücher ohne Ende

Für das Stück waren auch die Bühnenbauer gefordert, da es nur in einem Raum spielt und dieser sehr ansprechend sein sollte. Auch für Milena Alkofer war das Schauspiel eine große Herausforderung. Sie schlüpfte von der braven Marei, Enkelin von Brandner Kaspar, diesmal in die Rolle des Hausmädchens Anna, welche den Abt verführen sollte: „Ich schlüpfe sehr gerne in andere Rollen. Man wächst mit jedem Stück, und es gab in jeder Probe etwas zu lachen und hat uns allen viel Spaß gemacht, mit dem Autor zusammenzuarbeiten.“

Josef Mages fühlte sich in der Rolle des Polizisten sehr wohl und spielte diese autoritäre Rolle auch souverän. Ebenso die Gräfin, die alles sehr locker nahm: „Die Verrücktheiten und Stimmungsschwankungen der Gräfin aus zu leben, hat Spaß gemacht. E. W. Heine hat sich sehr gut in die Gruppe eingefügt und keine Starallüren gezeigt“, sagt sie schmunzelnd.

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