MyMz
Anzeige

Dauerhafter Schutz für Kelheimer Wälder

Vier größere Waldgebiete Bayerns sollen als Naturwälder ausgewiesen werden – auch die Weltenburger Enge ist dabei.

Baumfällungen im Staatswaldgebiet Arzberg: Knapp 80 Zentimeter Durchmesser am Stammfuß hat diese im Naturschutzgebiet gefällte Buche. Damit war sie zumindest kurz vorm Status „Methusalem-Baum“, folgert Dr. Christian Stiersdorfer.
Baumfällungen im Staatswaldgebiet Arzberg: Knapp 80 Zentimeter Durchmesser am Stammfuß hat diese im Naturschutzgebiet gefällte Buche. Damit war sie zumindest kurz vorm Status „Methusalem-Baum“, folgert Dr. Christian Stiersdorfer. Foto: Hutzler

Kelheim.Eine Fällaktion im Staatswald bei Weltenburg im Winter sorgte für Kritik bei Naturschützern. Die teils fast meterdicken Buchen, die der Säge zum Opfer fielen, stammten aus dem Naturschutzgebiet Weltenburger Enge. Für Naturschützer in der hiesigen Region kommt am Freitag, 29. Mai, nun eine gute Nachricht aus dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Forstministerin Michaela Kaniber will einer Presseankündigung vom Freitag zufolge vier größere staatliche Waldgebiete Bayerns als Naturwälder ausweisen und damit dauerhaft unter Schutz stellen. Auch der Frankenalb bei Kelheim und damit Wälder an der Weltenburger Enge werden einbezogen.

Dauerstreit

BN fordert 1000 Hektar Naturwald

Auch der Bund Naturschutz kritisiert nun die Holzernte rund um die Weltenburger Enge: Buchenwälder sollen alt werden dürfen

Laut Pressemeldung sollen einen dauerhaften Schutz „drei ökologisch besonders wertvolle Buchen-Mischwälder im Steigerwald, auf der Fränkischen Platte bei Würzburg und der Frankenalb bei Kelheim sowie weite Teile der Isar-Auwälder zwischen München und Landshut“ erhalten – insgesamt fast 5000 Hektar. „Sie werden ab sofort nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt.“ „Wir geben diese ganz besonderen, urtümlichen Wälder der Natur zurück, damit sie sich frei und ungestört entwickeln können“, ist Ministerin Michaela Kaniber in der Pressemeldung zitiert.

Teil eines bayernweiten Netzwerks

Die neuen Naturwälder sind Teil eines bayernweiten Netzwerks, das die Ministerin in den bayerischen Staatswäldern einrichten will. Vergangenen Herbst hatte Michaela Kaniber dazu in einem ersten Schritt bereits angekündigt, 960 Hektar Auwald bei Neuburg an der Donau als Naturwald unter den Schutz des Bayerischen Waldgesetzes zu stellen.

„Heimat für seltene Pflanzen und Tiere“

Der große ökologische Wert und die einzigartige biologische Vielfalt in den künftigen Naturwäldern sind der Ministerin zufolge ganz maßgeblich auch der vorausschauenden und schonenden Waldbewirtschaftung durch die Bayerischen Staatsforsten zu verdanken. „Jetzt aber wollen wir in diesen außergewöhnlichen Wäldern noch einen Schritt weitergehen,“ so Kaniber: „Wir lassen sie zu wilden Wäldern werden und damit auch zur Heimat für seltene Pflanzen und Tiere, die auf größere unberührte Flächen angewiesen sind.“

Popularklage angenommen

  • Stellungnahmen

    Der Bayerische Verfassungsgerichtshof hat die Popularklage der Kelheimers Erwin Engeßer gegen die Stilllegung der naturnahen Waldwirtschaft in der Weltenburger Enge angenommen und der Bayerischen Staatsregierung und dem Bayerischen Landtag zur Stellungnahme weitergeleitet.

  • Standpunkt:

    „Aus Sicht des Kelheimer Forstwissenschaftlers und langjährigem Mitglied im BN und LBV Erwin Engeßer ist die Stilllegung der naturnahen Waldwirtschaft die primitivste Form von Naturschutz im Mischwald. Diese Methode führt – biologisch unbestritten – zum schleichenden Verlust der Mischbaumarten und der daran hängenden Artenvielfalt.“

  • Verfassung

    „Mit der angekündigten Ausweisung von mehreren Tausend Hektar Naturwaldflächen an vier Standorten im Bayerischen Staatswald tritt das Irrlichtern im Waldnaturschutz jetzt in eine neue Phase: Aus dem ,Förster-Bashing‘ durch einzelne Naturschützer wird jetzt ein ,Eigen-Bashing‘ der Naturnahen Waldwirtschaft. Die Bayerische Verfassung ist da ,weiser‘: Sie schützt nicht nur die natürliche Vielfalt, sondern auch die durch Menschenhand geschaffenen kulturelle Vielfalt“, heißt es in der Pressemitteilung.

Das Betreten der Wälder bleibt laut Ministerin Michaela Kaniber weiter erlaubt. Sie ermuntert sogar, künftig geplante Bildungsangebote intensiv zu nutzen: „Wir wollen die wilde Waldnatur, die fantastische Artenvielfalt und das ständige Werden und Vergehen für alle Bürgerinnen und Bürger erlebbar machen.“

Die Ausweisung weiterer nutzungsfreier Waldschutzgebiete begrüßt der Landesbund für Vogelschutz (LBV). Auch LBV-Kreisvorsitzender und ÖDP-Kreisrat Peter Michael Schmalz ist darüber sehr erfreut, vor allem auch im Hinblick auf die Weltenburger Enge im Landkreis Kelheim.

Schmalz‘ Einsatz

In einer Pressemitteilung weist Schmalz darauf hin, dass der Freistaat Bayern „große Teile der Weltenburger Enge aus der wirtschaftlichen Nutzung herausnimmt“. Er habe sich „seit Februar 2020 mit allen mir zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mitteln und naturschutzfachlichen Argumenten für den Stopp der Entnahme insbesondere von alten Buchen und Eichen in der Weltenburger Enge eingesetzt“.

Seine Recherchen, so Schmalz, hatten ergeben, dass „die Bayerischen Staatsforsten von Herbst 2018 bis Februar 2020 mindestens 180 zwischen 120 und 150 Jahre alte und zum Teil noch ältere Buchen (und zum Teil auch Eichen) im Staatswald in der Weltenburger Enge für den Verkauf gefällt hatten. Das betroffene Gebiet besteht aus zwei Naturschutzgebieten und unterliegt teilweise dem Schutz des Europadiploms des Europarats.“

Er habe im Februar 2020 einen zunächst nur vorläufigen Stopp aller Einschlagsmaßnahmen der bayerischen Staatsforsten in der Weltenburger Enge erreichen können.

Die aktuelle Ankündigung von Forstministerin Michaela Kaniber sieht er als „tollen Erfolg für den Naturschutz in Bayern und ganz besonders im Landkreis Kelheim“.

Landrat: Im Sinne der Natur

Landrat Martin Neumeyer sagt zum Naturwald-Vorhaben Kanibers: „Es ist mit Sicherheit im Sinne der Natur.“ In der momentanen Diskussion über Nachhaltigkeit „ist der Naturschutz ein wichtiger Aspekt“. Es sei wichtig, dass der Staat das Vorhaben auf seinen eigenen Waldgebieten umsetze. Denn Privatwald „hat eine andere Funktion“. Nach Neumeyers Ansicht könnte beim Naturwald die Borkenkäfer-Thematik für andere Waldbesitzer und die Staatsforsten ein Thema sein. Der Staat müsse jedoch „Vorsicht walten lassen“.

Weitere Berichte aus Kelheim lesen Sie hier

Naturschutz

Die Säge ruht in der Weltenburger Enge

Die Staatsforsten verzichten bis auf Weiteres auf Holzernte in den Schutzgebieten. Naturschützern reicht das noch nicht.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht