MyMz
Anzeige

Kult

„De Oidn“ haben die Musik im Blut

Sie hauen in die Tasten, seit sie jung sind. Vor zweieinhalb Jahren hat es dann im Wirtshaus in Tollbach gefunkt.
Von Gabi Hueber-Lutz

Willy Buchacher 1970 am Schlagzeug bei „Jonathan“
Willy Buchacher 1970 am Schlagzeug bei „Jonathan“

Tollbach.Ihr Name ist Programm: „De Oidn“ sind eine Rentnerband und sie machen Musik von früher, die nicht jeder im Programm hat. Zum alten Eisen gehören sie damit aber nicht, und ihre Zuhörer setzen sich zu einem großen Teil aus jüngeren Jahrgängen zusammen.

In ihrem Element: Hecki, Willi und Kurt (von links) Foto: Ulla Buchacher
In ihrem Element: Hecki, Willi und Kurt (von links) Foto: Ulla Buchacher

Wenn man Musik im Blut hat, so wie der Willy, der Hecki und der Kurt, dann ist das Alter egal, dann spielt man einfach. Der Terminkalender von Kurt Mayer (72), Reinhold Heckmeier (67) und Willy Buchacher (65) zeigt, dass sie das höchst erfolgreich tun. Begonnen hat ihr Zusammenspiel in der Gastwirtschaft von Sepp Landendinger in Tollbach bei Siegenburg. Die Wirtsleut‘ sind musikantenfreundlich, waren das immer schon.

Im ganzen Landkreis unterwegs

An einem gemütlichen Sonntag vor zweieinhalb Jahren haben auch die drei Herren da gespielt und sich gefunden. Heute sind sie „de Oidn“ und im ganzen Landkreis unterwegs. Also Ehrensache, dass sie nach Tollbach kommen, wenn die dortigen Faschingsfreunde ihr Hoffest beim Landendinger veranstalten. Auch für die junge Generation der Wirtsleute ist es keine Frage, wer da spielt. „Die spielen da, weil sie sich bei uns gegründet haben und weil es eine gute Musik ist, für Jung und Alt“, sagt Junior Lukas Landendinger.

Kurt mit „Beatmungsschlauch“ Foto: Hueber-Lutz
Kurt mit „Beatmungsschlauch“ Foto: Hueber-Lutz

So haben der Willy, der Hecki und der Kurt also zum Hoffest in einem Brauereiwagen als Bühne ihr Quartier aufgeschlagen. Ihr Equipment ist überschaubar, denn sie legen Wert auf Musik „von Hand gemacht“.

Willy spielt Gitarre, Drums, Mundharmonika und wenn’s passt ein Blechblasinstrument. Der Hecki ist mit dem Bass verwachsen und der Kurt mit seinem Akkordeon. Zusätzlich greift er aber auch noch zur Melodica mit Luftschlauch. Eine Steilvorlage für seine Kumpels, denn die attestieren ihm dann gleich, dass er einen Beatmungsschlauch braucht, seit es ihn vor einiger Zeit mal die Treppe im Sturzflug genommen hat. Humor ist groß geschrieben bei den drei Musikern, auch bei der Moderation. Der Hintergrund ist aber ein wenig ernster, denn wegen des Sturzes ist der Kurt monatelang ausgefallen. Und da hat der Rest der Band gemerkt, wie außerordentlich schwer es ist, jemanden zu finden, der einspringt.

Zurück auf die Sonnenseite

Musik, das ist für „de Oidn“ fast schon so etwas wie eine Therapie. Sich im Alter nochmal zu häuten, beschreibt Willy Buchacher die Motivation der Herren. Für Reinhold Heckmeier war es sogar noch mehr als das. Als er in Rente ging und dann auch gleich noch gegen eine schwere Krankheit kämpfen musste, war das Leben nicht mehr schön. Die Musik hat ihn auf die Sonnenseite zurückgeholt, und auch ein weiterer Job: Er fährt Kinder mit Handicap zu ihrer Schule. Im Leben vor der Rente war der Holledauer als Außendienstler unterwegs und hat nach Auskunft der Freunde „einfach alles“ verkauft. Kurt, der gebürtige Kelheimer, war Versicherungskaufmann und Willy aus Kärnten Veranstaltungstechniker. Alle drei haben ein musikalisches Vorleben, haben schon als Junge in diversen Formationen gespielt. Diese reichhaltige Erfahrung schlägt sich auch in ihrem Repertoire nieder. Viele Songs von früher und ganz früher sind dabei. Auch das junge Publikum liebt sie.

Willy Buchacher beim Hoffest  Foto: Hueber-Lutz
Willy Buchacher beim Hoffest Foto: Hueber-Lutz

„De Oidn“ haben eine eigene Philosophie, was eine Band zu leisten hat. Erst einmal Hintergrundmusik. Denn die Leute sollen sich noch unterhalten können. Bei einem Fest, einer Geburtstagsfeier will man schließlich auch ins Gespräch kommen können, ohne dabei die Musik überschreien zu müssen. Wenn der Abend fortschreitet und die Feierlaune steigt, dürfen es dann gern ein paar Phon mehr sein. Und wenn am Ende die ganze Gesellschaft mit Willy Michl Bob fahrend am Boden sitzt, beim Chianti-Lied auf die Tische steigt oder mit Voxxclub lautstark den Maibaum aufstellt, dann sind „de Oidn“ in Hochform. Und die Jungen auch.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht