mz_logo

Region Kelheim
Mittwoch, 18. Juli 2018 29° 6

Wirtschaft

Den Boden für Betriebe geebnet

Unendliche Geschichte der Umlegung in „Heidäcker“ ist zu Ende gebracht worden. Die Stadt Kelheim hat dort elf Grundstücke.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

  • Seit über 20 Jahren immer wieder ein Thema: Das Gewerbegebiet „Heidäcker“ an der Abensberger Straße soll nun erweitert werden. Foto: Forster
  • Bislang sind die Grundstücke im erweiterten Gewerbegebiet „Heidäcker“ noch Grünflächen. Man sieht von dort aus auf bebautes angrenzendes Gewerbeareal und weiter entfernte Wohnbebauung in Affecking. Foto: Bachmeier-Fausten

Kelheim.In der Kreisstadt Kelheim sollen sich Betriebe entwickeln, sprich erweitern können. Aktuell hat die Stadt selbst „keine erschlossene“ Gewerbefläche, sagt Bürgermeister Horst Hartmann. Die Kommune sorgt jetzt aber für neue Gewerbeflächen im Gewerbegebiet „Heidäcker“ zwischen der Abensberger Straße und dem Waldgebiet. 40 888 Quadratmeter sind im Eigentum der Stadt, die freie Fläche umfasst 33 280 Quadratmeter (elf Grundstücke). Vorgesehen ist, die Erschließung nach den Sommerferien zu starten und bis Mitte 2019 abzuschließen – das hängt aber vom Ergebnis der Ausschreibung ab, die bereits läuft.

„Ich will nicht, dass ein Logistiker ansiedelt.“

Bürgermeister Horst Hartmann

Anlässlich eines Termins vor Ort mit Bürgermeister Horst Hartmann, Stadtbaumeister Andreas Schmid und Markus Schnell, Leiter der Bauverwaltung im Stadtbauamt, sowie Stefanie Brixner, Wirtschaftsförderin der Stadt Kelheim, sagt das Stadtoberhaupt, dass vorrangig Handwerks- und produzierendes Gewerbe dorthin kommen sollten. Und er betonte: „Ich will nicht, dass ein Logistiker ansiedelt.“

1996 ging es los

Bis das Gewerbegebiet „Heidäcker“ die nun vorgesehene Größe von insgesamt 136 800 Quadratmeter (einschließlich der bereits bebauten Flächen) im Bebauungsplan erreichte, dauerte es Jahre. Bereits Anfang Juni 1996 war ein Umlegungsverfahren der Stadt Kelheim angeordnet worden. Das Verfahren ist dann nach Angaben der Stadt bis 2003 bearbeitet worden, bis 2008 war das dann „temporär“ der Fall und „ruhte von 2008 bis 2015“. 2016 nahm das Bauamt angesichts eines „mangelnden Angebots an Gewerbeflächen“ und erhöhten Grundstücksanfragen das Verfahren wieder auf.

Bürgermeister Horst Hartmann (2. v. l.) mit Stadtmitarbeitern auf dem Gelände, das für die Gewerbegebietserweiterung „Heidäcker“ vorgesehen ist. Foto: Bachmeier-Fausten
Bürgermeister Horst Hartmann (2. v. l.) mit Stadtmitarbeitern auf dem Gelände, das für die Gewerbegebietserweiterung „Heidäcker“ vorgesehen ist. Foto: Bachmeier-Fausten

Auf die Frage, warum sich das Ganze so lange hingezogen hat, antwortet Bürgermeister Horst Hartmann: „Dass die Notwendigkeit von der damaligen Rathausführung nicht erachtet worden ist von der Dringlichkeit her. Die Not war damals vielleicht nicht so groß.“ Zu Beginn seiner Amtszeit im Frühjahr 2014 „waren Anfragen da“. Er plädierte dafür, das Verfahren wieder aufzunehmen hinsichtlich der Entwicklung der Stadt und der Weiterentwicklung von Firmen und Neuansiedlungen. Im Zuge des Umlegungsverfahrens habe mit jedem Grundstückseigentümer in dem Gebiet gesprochen und für alle Flächen der Wert ermittelt werden müssen. Jeder Eigentümer bekäme bei der Umlegung den Wert seines Grundstückes, jedoch nicht die ursprüngliche Form, sondern die entsprechend dem Bebauungsplan. Die Stadt habe „zum Teil“ Flächen gekauft in den vergangenen zwei Jahren. Das Umlegungsverfahren ist nun am 12. Juni abgeschlossen worden.

Konkrete Verhandlungen

Das Stadtoberhaupt: „Wir sind jetzt ganz konkret mit vier Interessenten in Verhandlungen.“ Seinen Angaben nach stammten diese aus Kelheim, aber auch „aus der näheren und weiteren Nachbarschaft“. Für die elf städtischen Grundstücke (Größe: zwischen 1937 Quadratmeter und 4880 Quadratmeter) gibt es drei feste Preiszonen.

Dies hängt laut Wirtschaftsförderin Stefanie Brixner mit den unterschiedlichen Bebauungsmöglichkeiten zusammen. Als Beispiele nennt sie eine Stromleitung, wegen der niedriger gebaut werden müsse, oder ein Grundstück mit einem Bodenschatz (Kies). Die Wirtschaftsförderin erwähnt den Leitfaden, der für „Heidäcker“ entwickelt und vor drei Monaten im Stadtrat beschlossen wurde. Darin ist festgehalten, dass eine Grundstücksvergabe „an Kelheimer Betriebe mit Erweiterungsbedarf zum Erhalt oder zur Schaffung neuer Arbeitsplätze“ erfolgen soll. Ebenso ist darin berücksichtigt, für welche Branchen die Flächen sein sollen: für produzierendes Gewerbe und Handwerk.

Unweit der Erweiterung des Gewerbegebiets „Heidäcker“ verläuft die Bundesstraße 16. Foto: Bachmeier-Fausten
Unweit der Erweiterung des Gewerbegebiets „Heidäcker“ verläuft die Bundesstraße 16. Foto: Bachmeier-Fausten

Auf die Frage nach den Quadratmeterpreisen antwortet Bürgermeister Hartmann, dass die Stadt diese „nicht nach außen gibt. Wir haben Vergleichspreise von anderen Gemeinden.“ „Die Maßgabe ist, dass es kostendeckend ist.“ Die Verkaufserlöse sollen „unsere Kosten decken“ – vom Grundstückskauf bis zur Erschließung. Ab der Beurkundung eines Kaufvertrages mit der Stadt hat der Käufer in dem erweiterten Gewerbegebiet „Heidäcker“ dort innerhalb von drei Jahren einen Rohbau zu erstellen.

„Wir wollen auch, dass darauf gebaut wird“, betont Bürgermeister Horst Hartmann. Als er mit Stadtmitarbeitern in der künftigen Gewerbegebiets-Erweiterung auf einer derzeitigen Grünfläche steht, hat er den direkten Blick zur Abensberger Straße, von der aus eine Zufahrt geplant ist, und der unweit davon verlaufenden Bundesstraße 16 bei Saal an der Donau. Das Stadtoberhaupt sagt hinsichtlich der nahen Anbindung sowohl Richtung Regensburg als auch Richtung Abensberg: „Besser geht’s fast nicht.“

Im bereits seit einiger Zeit bebauten Bereich (51 012 Quadratmeter Privatflächen) von „Heidäcker“ befindet sich auch das Wertstoffzentrum. In Privateigentum sind noch 30 271 Quadratmeter (acht Grundstücke). Im Zuge der Erweiterung des Gewerbegebietes sind auch 4753 Quadratmeter als Ausgleichsflächen vorgesehen. Diese befinden sich am „südlichen Spitz“.

Interview mit Manuel Lorenz, IHK-Geschäftsstellenleiter für den Landkreis Kelheim

Herr Lorenz, wie wird das Interesse für Heidäcker sein?
Das Gewerbegebiet Heidäcker wird sicherlich gut angenommen werden. Entscheidungsspielraum hat man sich unserer Ansicht nach aber durch die Umsetzung vergleichsweise kleiner Parzellen genommen, die teilweise auch ungünstige Zuschnitte ergeben. Weiterhin wäre der Standort in seiner Lage auch als Industriegebiet geeignet gewesen. Gewerbeflächen, die den strengen Vorgaben des Landesentwicklungsprogramms entsprechen und dabei gleichzeitig ein geringes Risiko von Lärmbelastung für nahe Anwohner haben, sind selten. Hieraus hätte sich ein starkes Verkaufsargument ergeben. Kelheim ist ein erfolgreicher Industriestandort mit einer Vielzahl attraktiver Arbeitsplätze. Dieses Standbein hätte weiter ausgebaut werden können.

Die Vermarktungssituation?

Was die Vermarktung von Gewerbeflächen angeht, ist die Lage zwischen den Ballungsräumen Regensburg und Ingolstadt für Kelheim Fluch und Segen zugleich. Einerseits profitiert unser gesamter Landkreis von der überregionalen Bekanntheit und Nähe zu den beiden Großstädten, andererseits steht er mit ihnen im Wettbewerb um attraktive Ansiedlungen. Für eine nachhaltige Entwicklung ist es notwendig, die eigenen Stärken auszuspielen. Hierzu gehören unter anderem die Verfügbarkeit gerade größerer Flächen und ein im Vergleich zu den Ballungszentren günstigeres Preisniveau. Das Gewerbegebiet Heidäcker kann zusätzlich mit einer guten Straßenanbindung punkten. Die nahe Schienenstrecke und der Kelheimer Hafen könnten weitere Argumente für Ansiedler sein.

Sind andere Orte Konkurrenten?

Die Konkurrenz zu anderen Gewerbestandorten im Landkreis ist für Kelheim gegeben. Dies betrifft aber vorrangig kleinere Ansiedlungen. Die meisten Unternehmen, die innerhalb des Landkreises bzw. aus benachbarten Regionen den Standort wechseln, haben zuvor versucht, am bisherigen Sitz zu erweitern oder in direkter Umgebung Gewerbeflächen zu bekommen. Die direkte Nähe Kelheims zu Saal beispielsweise sollte als Chance verstanden werden, nicht als Konkurrenz. Zukünftig könnten beispielsweise interkommunale Gewerbegebiete oder die gemeinsame Entwicklung von Infrastruktur beiden Standorten nutzen.

Weitere Berichte aus Kelheim lesen Sie hier

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht