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Kultur

Den Mirakeln auf der Spur

Das dritte Werk der Reihe Abensberger Beiträge zur bayerischen Kulturgeschichte blickt auf die Nachbarstadt Geisenfeld.
Von Wolfgang Abeltshauser

Sie präsentieren das neue Buch (v. l.) Thomas Hammerl, Christian Staudter, Fritz Pustet, Marianne Heimbucher, Dr. Uwe Brandl und Richard Josef Kürzinger. Foto: Abeltshauser
Sie präsentieren das neue Buch (v. l.) Thomas Hammerl, Christian Staudter, Fritz Pustet, Marianne Heimbucher, Dr. Uwe Brandl und Richard Josef Kürzinger. Foto: Abeltshauser

Abensberg.Die Buchreihe Abensberger Beiträge zur bayerischen Kulturgeschichte, die Museumsleiter Dr. Tobias Hammerl herausgibt, mausert sich. Mit „...da ist Im gnedigklich geholfen worden“ von Marianne Heimbucher und Richard Josef Kürzinger wurde im Aventinum das dritte Werk vorgestellt. Es macht alte Berichte über wundersame Heilungen im Zusammenhang mit der alten Wallfahrt zum Gnadenbild der Heiligen Anna in Geisenfeld zugänglich.

Mitautor Kürzinger betonte Aventinussaal, dass es Sinn mache, ein Thema aus Geisenfeld in einer Abensberger Schriftenreihe abzuhandeln. Bürgermeister Dr. Uwe Brandl hatte zuvor schon orakelt, dass beide Kommunen etwas gemeinsam haben. Ohne mit Details herauszurücken. Kürzinger tat es: So waren für den Schutz des Klosters über einige Generationen hinweg die Babonen zuständig. „Geisenfeld war also ein Anhängsel Abensbergs.“ Und eine Dame aus dem sagenumwobenen Grafengeschlecht war sogar Äbtissin dort.

Verleger Fritz Pustet lobte das Werk: „Es ist eine äußerst verdienstvolle Publikation.“ Sie ist eine Quellensammlung. Die Geschichte von Gläubigen, die im 16. Jahrhundert zum Gnadenbild der Heiligen Anna pilgerten, wurde dort wie woanders auch in so genannten Mirakelberichten per Hand niedergeschrieben. Es ging dabei immer auch um die wundersame Heilung vor Krankheit oder Rettung vor Not. Daher das Wort Mirakel. In Kürzingers Augen sind solche Berichte für Historiker und Volkskundler sehr gute Quellen, um dem Alltagsleben unserer Ahnen auf die Spur zu kommen.

Tausend einzelne Zeugnisse

Im Geisenfelder Fall handelt es sich nach seinen Worten um tausend einzelne Zeugnisse aus dem Zeitraum von 1510 bis 1540. Nach der Säkularisation und der einhergehenden Auflösung des Klosters kamen sie in private Hände. Dort sind sie bis heute. Ein Bürger habe sie wohl aus persönlicher Wertschätzung aufbewahrt.

Marianne Heimbucher hat sie jetzt entziffert und in Druckbuchstaben aufgeschrieben. Sie liegen nun gedruckt in der damals üblichen Lautgebung vor. Ausgewählte Berichte übersetzte sie ins moderne Deutsch. Diese Arbeit lobte Geisenfelds Bürgermeister Christian Staudter im Aventinum besonders: „Mir ist es ein Rätsel, wie man die damalige Schrift lesen kann.“ Er freut sich, denn die Geschichte der Wallfahrt sei wichtig für seine Stadt.

Die Autoren im Kurzporträt

  • Marianne Heimbucher:

    Sie ist 1966 geboren und lebt in Geisenfeld. Sie arbeitet als Kirchenmalerin und Restauratorin für archäologische Keramik. Sie ist Kulturpreisträgerin der Stadt Geisenfeld.

  • Richard Josef Kürzinger:

    Er ist 1953 geboren und lebt in Kasing bei Kösching. Er ist Diplommathematiker von Beruf. Seine Liebe gehört der Geschichte: So ist er Heimatpfleger mit dem Forschungsschwerpunkt handwerkliche Keramik zwischen Donau und Altmühl.

Außerdem haben Heimbucher und Kürzinger die Berichte ausgewertet. Sie zählen auf, woher die Pilger kamen. Was ihre Nöte waren. Welche Gaben sie als Opfer im Kloster ließen. Viele stammten aus Geisenfeld. Es wird aber auch über Gläubige aus Mainburg, Abensberg, Elsendorf, Neustadt oder Wolnzach berichtet. Den Quellen vorangestellt ist eine historische Einordnung des Themas Wallfahrt in der beginnenden Neuzeit – und über die Heilkunde in jenen Tagen.

Kürzinger führte im Aventinum aus, dass damals Wallfahrten ein gewaltiges wirtschaftliches Potenzial hatten. Auch weil das seinerzeit die einzige Möglichkeit gewesen sei, Freizeit zu erleben. „Einen Acht-Stunden-Tag gab es damals ja noch nicht – auch kein freies Wochenende.“ Grundsätzlich sei das Wallfahrtswesen angewachsen, nachdem nach den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land immer mehr Reliquien nach Europa kamen. Vor allem in Bayern seien Wallfahrten beliebt gewesen. Das sagte schon Aventin.

Nonnen mit Geschäftssinn

An diesem Geschäft wollten wohl die Geisenfelder teilhaben. Deshalb sammelten die Nonnen Aufzeichnungen über Heilungen, die mit dem Gnadenbild der Heiligen Anna in Zusammenhang gebracht wurden. Eine bischöfliche Bestätigung erreichten sie laut Kürzinger aber nie. So dass es zu einer organisierten Wallfahrt nie kam. Die Menschen pilgerten aus eigenem Antrieb.

Dr. Tobias Hammerl versprach, bei der Themenfindung für die Buchreihe weiterhin über den Abensberger Tellerrand hinausblicken zu wollen. Das Buch ist erschienen im Pustet-Verlag und kostet 19.95 Euro. Die ISBN-Nummer lautet 978-3-7917-2950-3.

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