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Region Kelheim
Samstag, 24. Februar 2018 2

Hilfe

Der Alarm kam direkt vorm Jahrestreff

Wie unvorhersehbar die Retter der Kelheimer Feuerwehr ausrücken müssen, zeigte die Jahresversammlung am Freitag.
Von Roland Kugler

  • Das Spektrum ist breit: Vom schlimmen Verkehrsunfall bis zur Schiffshavarie – im Juli 2017 halfen die Kelheimer auch, als ein Güterschiffsverband bei Poikam von der starken Strömung gegen die Eisenbahnbrücke gedrückt worden war. Foto: FF Kelheim/Archiv
  • Über die Feuerwehr-Drehleiter konnte bei der Poikamer Havarie im Juli die Verbindung zur Schubboot-Brücke gehalten werden. Foto: Hutzler-Archiv
  • Seit 25 Jahren ist Edward Antczak auch Kelheims Feuerwehrnotarzt.
  • Nadine Neuner ist das ganz junge Gesicht der Kelheimer Feuerwehr. Seit einem Jahr ist die 13-Jährige bei der Jugendtruppe.

Kelheim.Die Feuerwehr Kelheim-Stadt zählt stolze 600 Mitglieder, 131 Kameraden leisten aktiven Dienst. Vorsitzender Raimund Fries und Kommandant Georg Sinzenhauser blickten in der Jahresversammlung auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Größte Herausforderung für die Zukunft ist es, die Mannschaftsstärke zu halten.

Wie unvorhersehbar die Feuerwehr gebraucht wird und wie wichtig sie ist, zeigte der Freitagabend. Die Jahresversammlung im Saal der Brauerei Schneider begann eine Stunde später als geplant, da die Helfer zuvor zu einem schweren Verkehrsunfall gerufen wurden.

Erst unmittelbar vor der Jahresversammlung rückten die Helfer zu einem schweren Unfall auf der Regensburger Straße aus. Foto: Kugler/Archiv

Sie sicherten die Unfallstelle ab, leuchteten sie aus, regelten den Verkehr und halfen beim Retten und Bergen. Auch Bürgermeister Horst Hartmann war am Unfallort und auf der Versammlung noch sichtlich bewegt. „Da sieht man wieder, wie wichtig die Aufgabe der Feuerwehr, wie lebenswichtig ihre Arbeit und die der Rettungsdienste ist.“

Bürgermeister dankt Aktiven

Hartmann bedankte sich bei allen Aktiven für ihre beinahe täglichen Einsätze im vergangenen Jahr. Ebenso für ihr ehrenamtliches Engagement bei vielen sportlichen und gesellschaftlichen Veranstaltungen, die ohne sie nicht möglich wären.

Vorsitzender Raimund Fries nahm ebenfalls Bezug zur aktuellen Situation: „Das jüngste Hochwasser, der Orkan Friederike, der Verkehrsunfall kurz vor der Versammlung unterstreichen die Wichtigkeit unserer Feuerwehren. Auch die Freiwillige Feuerwehr Kelheim ist 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr zu jeglicher Form von Hilfeleistung bereit.“ Wie verschiedenartig ihre Einsätze sind, zeigte Sinzenhausers Jahresrückblick. Verkehrsunfälle, Gefahrguteinsätze, eine Schiffshavarie bei Poikam, Wasserrettungen, Unwettereinsätze – die Feuerwehr wird bei weitem nicht mehr nur im Brandfall gerufen.

„13 Personen wurden bei Wohnungsöffnungen hilflos vorgefunden und konnten gerettet werden. Vier Personen konnten in ihren Wohnungen leider nur mehr tot geborgen werden“, sagte Sinzenhauser.

Seit 25 Jahren oder ganz frisch dabei

  • Nadine Neuner

    ist 13 Jahre alt und seit einem Jahr bei der Kelheimer Jugendfeuerwehr. Die Feuerwehr hatte sich in ihrer Schule vorgestellt und das hatte ihr gefallen. „Es gefällt mir sehr gut“, sagt die Nachwuchsfeuerwehrfrau. „Es ist sehr interessant und überhaupt nicht anstrengend. Und wir haben viel Spaß dabei.“ Die Jugendfeuerwehr geht von zwölf bis sechzehn Jahren. Neun Jugendliche sind aktuell in der Gruppe, sieben Jungs und zwei Mädchen. Nadine möchte auf jeden Fall dabeibleiben, sagt sie.
    ist nicht nur Kelheims leitender Notarzt, sondern seit 25 Jahren auch in der Funktion als Feuerwehrarzt. „Im Laufe der Zeit wurden die Verkehrsunfälle und Notarzteinsätze zu denen auch die Feuerwehr gerufen wurde immer mehr. Man hatte mich gefragt, ob ich diese Aufgabe übernehmen möchte. Ich bin bei dieser Arbeit sowohl präventiv tätig, wie auch vor Ort bei Einsätzen. Die Zusammenarbeit zwischen den Rettungsdiensten und der Feuerwehr ist sehr gut.“ (xku)

Besonders betroffen machten ihn – auch nach jahrzehntelanger Erfahrung als Feuerwehrmann – die immer zahlreicher werdenden Einsätze bei Suizidversuchen und Suiziden. Er bedankte er sich besonders beim Kriseninterventionsteam Mona. Die dortigen Ehrenamtlichen machten eine schwierige und wichtige Arbeit für die Betroffenen und ihre Angehörigen. „Sie helfen aber auch, wenn es einem Kameraden mal nicht so gut geht.“

Verirrte Wanderer

Aber auch bei vielen unspektakulären Einsätzen zeigten die Feuerwehrler ihr gutes Herz. Unter anderem wurde ein hilfloser Schwan geborgen. Die Retter holen aber auch verirrte Wanderer aus dem Wald oder gekenterte Bootfahrer aus der Donau. Sie sind immer zur Stelle, wenn man sie brauch. Dies verdeutlichen auch die Zahlen von über 7000 Einsatzstunden bei 297 Einsätzen 2017.

Zahlreiche Mitglieder der Kelheimer Feuerwehr wurden für 25 bis 70 Jahre aktive und passive Vereinszugehörigkeit ausgezeichnet.

Sinzenhauser dankte besonders für die vorbildliche Jugendarbeit, die von den Jugendwarten Andreas Dillinger und Josef Weichslgartner seit zehn Jahren gemacht wird. „Wir kämpfen ums Überleben in der Jugendwerbung“ sagte er. „Die Konkurrenz der Freizeitangebote vieler Vereine ist groß, aber wir brauchen die Jugend, um auch in Zukunft einsatzfähig zu bleiben.“ Abschließend folgten Ernennungen und Beförderungen sowie viele Ehrungen treuer Mitglieder.

Das sagt der Kommandant im Interview:

Georg Sinzenhauser

Herr Sinzenhauser, Sie sind seit 1983 Kommandant der Kelheimer Wehr. Was hat sich seither am meisten verändert?


Das ganze Leistungsspektrum ist viel größer geworden, mit der Industrialisierung und der Technik. Die Feuerwehr ist heute eine Allroundhilfsorganisation. Das Einsatzaufkommen ist viel größer geworden, die Arbeit wesentlich anspruchsvoller. Zum Beispiel bei Gefahrgut, Wasserrettung, Rettungs- oder technischem Tauchen.

Was sind die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Unseren Mannschaftsstand halten zu können. Wir haben momentan 131 Aktive, aber gerade tagsüber können viele nicht zu Einsätzen, weil sie in der Arbeit unabkömmlich sind oder auswärts berufstätig. Wir hoffen deshalb, dass uns die Arbeitgeber und Betriebe weiterhin wohlgesonnen sind und unsere Kameraden im Ernstfall ausrücken lassen. Es ist ja zum Wohle aller. Und wir müssen weiter verstärkt Jugendarbeit betreiben, um auch in Zukunft einsatzfähig zu bleiben.

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