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Stadtrat

Der Löschschaum macht Probleme

Das Problem von PFT im Bereich der Bayernoil Raffinerie Neustadt war das herausragende Thema der Sitzung in Neustadt.
von Dr. Peter Wöllauer

Nicht der Betrieb der Raffinerie, sondern der Einsatz von Löschschaum ist die Ursache von Verunreinigungen. Foto: Wöllauer
Nicht der Betrieb der Raffinerie, sondern der Einsatz von Löschschaum ist die Ursache von Verunreinigungen. Foto: Wöllauer

Neustadt.Seit 1992 verwendete die Werkfeuerwehr der Bayernoil PFT als sehr effiziente Mittel in Feuerlöschschäumen, die als harmlos erachtet wurden. Bei Bränden aber auch bei Übungen wurde das Mittel verwendet und drang natürlich in den Boden ein.

Verdacht: Krebserregende Stoffe

Ab dem Jahr 2005 tauchte der Verdacht auf, dass PFT Krebserkrankungen auslösen könnte. Seither sei die Werkfeuerwehr, ebenso wie die Freiwilligen Feuerwehren der Umgebung, auf andre Mittel umgestiegen und setze PFT bei Übungen überhaupt nicht mehr ein. Im Ernstfall werde es ausschließlich bei Großbränden verwendet, wo andere Mittel wesentlich weniger wirksam seien. Seit 2009 bemühe sich Bayernoil darum, Wege auszuarbeiten, wie das auf dem Firmengelände im Boden und in weiterer Folge auch im Grundwasser vorhandene PFT entfernt werden könne, ohne weitere Schäden zu verursachen.

Die Kartierung der Verteilung im Boden und im Grundwasser sei nahezu abgeschlossen. Mit Hilfe von Bodenproben und Grundwasseranalysen sei jetzt sicher, dass östlich und westlich der Raffinerie kein PFT im Untergrund vorhanden sei. Als erste Maßnahme sei kein Wasser vom Raffineriegelände aus mehr in den Schallerbach eingeleitet worden. Die Verunreinigung PFT bewege sich mit dem Grundwasserstrom in Richtung Norden hin zur Goldau. Vorsorglich habe Bayernoil die in dieser Richtung liegenden Weiher gekauft bzw. gepachtet, um den bisherigen Besitzern eventuelle Schäden durch die Verunreinigung zu ersparen. Als Lösung schwebe den Verantwortlichen vor, eine Pumpengalerie zu errichten, die das verunreinigte Wasser hochpumpt, es durch eine Wasseraufbereitung mit einem modifizierten Aktivkohlefilter schickt und es dann als Brauchwasser für die Dampferzeugung und als Kühlwasser verwendet, bevor es wieder freigesetzt wird. In einem solchen Fall würden einige der jetzt eingesetzten Pumpen stillgelegt.

Es könne aber aus hydrologischen Gründen sein, dass das Wasser wieder unmittelbar nach der Reinigung in den Boden zurückgepumpt werden müsse. Diese Details seien noch zu klären. Hier arbeite Bayernoil eng mit dem Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt zusammen. Die Analysen wurden und werden vom Fraunhofer-Institut durchgeführt.

Birgit Wack drückte tiefes Unbehagen aus und warf Behörden und Bayernoil vor, nichts getan zu haben. Sie rückte das PFT-Problem in die Nähe radioaktiver Verseuchung. Nachdem es in Jahren nicht einmal gelungen sei, einen verbindlichen Grenzwert für diesen vermutlichen Schadstoff festzulegen, könne das Risiko aber nicht so extrem hoch sein. Erhard Garbe nahm Bayernoil in Schutz und lobte die sehr offene und frühzeitige Informationspolitik des Unternehmens. Von Bayernoil habe er als Vorsitzender des Fischereivereins früher und fundierter Informationen über das Problem erhalten als von den zuständigen Fachbehörden.

Problem weit verbreitet

Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer machte darauf aufmerksam, dass das Problem PFT ein weit verbreitetes sei, in der Region kämpften noch Lyondell Basell in Münchsmünster und der Flughafen Manching damit. Jedenfalls werde die Lösung des Problems Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

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