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Geschichte

Der Schatz von Langquaid kehrt zurück

4000 Jahre war er versteckt – der Schatz von Langquaid. Jetzt kommt er das erste Mal zum Fundort zurück.
Von Edith Vetter

Viele Gäste bewunderten den Schatz von Langquaid“. Foto: Edith Vetter
Viele Gäste bewunderten den Schatz von Langquaid“. Foto: Edith Vetter

Langquaid.Fast 4000 Jahre schlummerte er versteckt in der Erde und 112 Jahre war er in der Archäologischen Staatssammlung in München deponiert. Jetzt kam er als Leihgabe an seinem Fundort zurück: Der Schatz von Langquaid. Er wird zum ersten Mal am Fundort ausgestellt.

„Ja, es ist schon etwas ganz Besonderes für Langquaid, dass dieser Schatz, der so bedeutend ist, dass sogar eine Chronologie der Bronzezeit als ‚Stufe Langquaid‘ bezeichnet wird, erstmals an seinem Fundort ausgestellt wird“, sagte Bürgermeister Herbert Blascheck bei der Ausstellungseröffnung im Haus der Begegnung. Unter dem Motto: „4000 Jahre versteckt – Der Schatz von Langquaid“ kann der Hortfund, der aus 34 Einzelstücken besteht, erstmals beim Bürgerfest besichtigt werden. „Dieser Hortfund ist ein bedeutsamer und wichtiger Abschnitt Langquaider Geschichte, den wir nicht aus den Augen verlieren dürfen. Dazu bietet uns diese Ausstellung alle Möglichkeiten, auch diesen Teil unserer Geschichte ganz deutlich in den Blickpunkt der Menschen aller Generationen zu stellen“, sagte Blaschek.

Name ist bekannt

Das Langquaid-Beil. Foto: Edith Vetter
Das Langquaid-Beil. Foto: Edith Vetter

Der Name Langquaid sei jedem Wissenschaftler, der sich mit der europäischen Vorgeschichte beschäftige, ein Begriff. Grund dafür sei eine bronzene Beilklinge mit charakteristischer Klingenform. Sie stammt aus der Zeit um 1800 vor Christus und wurde zusammen mit anderen Bronzegegenständen in Langquaid gefunden, erklärte Professor Dr. Gerhard Waldherr, der mit Cultheca – Kulturpädagogik und Kommunikation, Regensburg – das Ausstellungskonzept erarbeitet hatte, in seiner Ludatio. Bei dem Schatz- oder Hortfund wurden verschiedene Schmuckgegenstände, Waffenteile und Handwerksgeräte gefunden. Der im Fund vorhandene Typus eines Randleistenbeils wird „Langquaider-Beil“ genannt. Diese Art von Beil wurde europaweit gefunden, erklärte Waldherr weiter. Über den Schatzfund hinaus erfährt der Ausstellungsbesucher viel Interessantes zum Leben in der Frühbronzezeit. Die Ausstellung mit den einzigartigen Kostbarkeiten bezeichnete der Althistoriker als Höhepunkt für Langquaid, ebenso lobte er die professionelle Wandlung vom Gymnastikraum mit Spiegel zum sicheren Museumsraum für den „Schatz von Langquaid“.

Ort und Zeit

  • Ausstellung:

    Haus der Begegnung, Samstag 16.30 bis 19.30 Uhr; Sonntag 13 bis 16 Uhr.

  • Führung:

    Sonntag, 14. Juli, 14 Uhr. Die Ausstellung ist an Markt- und Festtagen sowie jeden ersten Sonntag im Monat von 13 bis 16 Uhr geöffnet.

  • Anmeldung zur Führung:

    info@cultheca.de (eav)

„Kein Archäologe trennt sich gerne von seinem Fund“, begann Dr. Heiner Schwarzberger, Leiter der Abteilung Vorgeschichte der Archäologischen Staatssammlung München, sein Referat. Doch diese Ausnahme sei dem Umstand geschuldet, dass die Staatssammlung in München generalsaniert werde und nun der Hortfund für zwei, drei Jahre in seine alte „Heimat“ wieder zurückkehren konnte. Hier seien die Glanzstücke auch gut aufgehoben, so Schwarzberger. Warum dieser Schatz von Langquaid ans Tageslicht kam, sei wohl dem königlich-bayerischen Bierkonsum zu verdanken, scherzte der Konservator.

Im Frühjahr 1907 fand der Bäckermeister Beck bei Grabearbeiten in seinem Hopfengarten am Grubberg in 60 Zentimetern Tiefe mehrere Metallgegenstände, die er dem damaligen Apotheker Heinrich Gerlinger zeigte. Dieser unterrichtete daraufhin per Postkarte das Archäologische Museum in München.

Fenster in die Bronzezeit

Begeistert zeigte sich der Archäologe von den berührenden Funden von drei Nähnadeln und kleineren Präzisionswerkzeugen, die viel über die frühe Bronzezeit, die auch als das erste „goldene Zeitalter“ bezeichnet wird, aussage. Ein Zeitalter, in dem bereits Waren ausgetauscht wurden.

Viele Fragen, die sich mit dem Fund auftun, werden wohl spekulativ bleiben, sagte Schwarzberg. Wurde der Schatz versteckt, gelagert oder geopfert? Weggeworfen wurden die Sachen jedenfalls nicht, dazu waren sie zu wertvoll. Langquaid habe mit dem Hortfund einen festen Platz in der Forschung gefunden.

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