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Mittwoch, 19. September 2018 31° 1

Abenteuer

Der Weger fährt gerne gegen den Strom

Der Regensburger Alois Weger durchstreifte mit dem Rad Europa. Auf dem Kügelhof berichtete er über seine Erlebnisse.
Von Josef Wittmann

Alois Weger liebt Begegnungen. Mit anderen Radlern, Frauen, Tieren und Landschaften. Foto: Wittmann
Alois Weger liebt Begegnungen. Mit anderen Radlern, Frauen, Tieren und Landschaften. Foto: Wittmann

Abensberg.Warum radelt ein Endfünfziger mehr als 13 Wochen lang rund um Europa? Am Sonntagabend konnte man auf dem Spargelhof Kügel in Sandharlanden einen solchen Menschen kennenlernen. Rund 30 Besucher kamen in das beheizte Zelt zum Vortrag. Der „Nordkap-Radler“ Alois Weger war aus Regensburg gekommen und präsentierte „14500 km rund um Europa – Kultur, Menschen und Emotionen“. In den Pausen unterhielt die Gruppe „Fufzger-Blech“ aus dem Landkreis Regensburg die Zuhörer.

Kein Extremsportler

Auf den ersten Blick ist Weger kein Extremsportler. Er behauptet, für die lange Fahrt nicht besonders viel trainiert zu haben. Freunde im Publikum kolportieren gar, die Vorbereitung habe teilweise beim Kneitinger, einem bekannten Wirtshaus in Regensburg, stattgefunden. Meist werde er nach Motivationsproblemen bei der Gewalttour gefragt. Da musste er abwinken. Nie habe er solche gespürt. Außer an zwei Tagen in Norwegen, als es mal kein Bier gab. „Motivation war für mich kein Problem, weil i mir des eingebildet hab. Und was ich mir einbilde, des mach ich“, berichtete Weger.

Weger war Mitte Februar 2017 von München nach Sevilla geflogen. Durch Spanien, Frankreich, Irland, England, Schottland und Norwegen trug ihn sein Hardtail--Mountainbike ins Reich der Mitternachtssonne bis zum Nordkap. Über Finnland, die baltischen Staaten, Polen und entlang des gefallenen Eisernen Vorhangs über den Balkan strampelte er tapfer weiter zur Akropolis und über den Katschbergpass wieder heim nach Regensburg.

Alois Weger bezeichnet sich als „Rampensau, die gerne auf der Bühne steht“. Er fährt gern gegen den Strom. Das spürt das Publikum schon bei der ersten Etappe. 300000 Jakobspilger sind jedes Jahr auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Die kamen dem Regensburger entgegen auf seinem Weg nach Norden. Französisch beherrscht und mag er seit der Kindheit. Englisch spricht er mit jedem, der kein Deutsch versteht. Außer, wenn es auf der Reise irgendwo brenzlig wird. Dann verfällt Weger nach eigener Aussage ins Bayerische und erreicht so sein Ziel. Sei es ein gutes Nachtquartier oder ein Kaffee in einer Zollstation. Für Weger ist das sein Glück: „Die Freiheit unterwegs zu sein, die Natur zu genießen und vor allem Menschen kennen lernen!“ Er fährt allein. Aber sein Radweg kreuzt ständig die Routen anderer Aussteiger auf Zeit und er fährt ein paar Tage mit Ihnen. So hat er viele neue Freunde gewonnen – von Usedom bis Australien.

Verkäufer und Verkaufstrainer

Weger ist ein Verkäufer. Er ist der dritte Alois aus einer alteingesessenen Regensburger Kaufmannsfamilie. Der Großvater war Schmied, der Vater erfolgreicher Autohändler. Als er noch jung war, hat er eine Banklehre gemacht. Später war er Verkaufstrainer und handelte mit Mähdreschern. Jetzt füttert er mit seinen Bildern und Erzählungen die Süchte der Zuhörer.

Weger erzählt, wie er die Reise finanziert hat. Allabendlich fütterte er seinen Blog in www.aloisweger.com mit Bildern und Gedanken und berichtete für seinen Sponsor, die Mittelbayerische Zeitung, über die Tagesetappe und von Regensburgern, die es an die Ränder Europas gezogen oder verschlagen hat. „Wie der Gernstl für den Bayerischen Rundfunk“, schmunzelt er.

Schiller-Zitat als Begleiter

Sein wichtigstes Gepäck neben Zelt und Schlafsack waren „iPhone, iPad, eine gute Powerbank und ein Router, den ich in jedem Land mit einer einheimischen SIM-Karte gefüttert habe“. Das WLAN sei dann in keinem Land ein Problem gewesen. „Außer in Deutschland“, berichtet er.

Auch ein Zitat von Friedrich Schiller begleitet den Regensburger durch die Welt: „Unsere Träume, unsere Sehnsüchte und unsere bunten Hoffnungen wollen ernst und wichtig genommen werden. Wer sie verdrängt, unterdrückt das Beste in sich und wird ein leerer Mensch.“ Als Internatsschüler haben dem Alois Weger solche Sätze nichts bedeutet, aber „wenn man alt wird, versucht man, sich an diese Dinge zu halten“, sinniert er.

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