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Natur

Die Donau verliert ihr Korsett

Die Donau bei Neustadt gewinnt ein weiteres Mal ihre Ursprünglichkeit zurück. Jetzt wird der Fluss bei Eining renaturiert.
Von Jochen Dannenberg

Die Donau bei Eining (Neustadt / Donau) wird unterhalb der Fähre renaturiert.
Die Donau bei Eining (Neustadt / Donau) wird unterhalb der Fähre renaturiert.

Neustadt a.d. Donau.Die Donau zwischen Neustadt und Kelheim ist einzigartig. Nur noch hier fließt sie frei, ohne Stau und fast ungestört von Schiffsverkehr. Ein „echtes Juwel“, loben Naturschützer immer wieder. Dafür will jetzt auch das Wasserwirtschaftsamt Landshut seinen Beitrag leisten. Bei Eining wird das Ufer des Flusses renaturiert.

Die Donau bei Eining (Neustadt / Donau) wird renaturiert. Die Maßnahme beginnt an der Fähre und verläuft stromab in Richtung Staubing.
Die Donau bei Eining (Neustadt / Donau) wird renaturiert. Die Maßnahme beginnt an der Fähre und verläuft stromab in Richtung Staubing.

Unmittelbar nach der Fähre wird das rechtsseitige Donauufer auf einer Strecke von rund 200 Metern umgestaltet und ökologisch aufgewertet. „Ziel ist dabei die Renaturierung und Dynamisierung der Donau in diesem Abschnitt“, sagt Constantin Sadgorski, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Landshut, dass die Arbeiten durchführt. „Vorgesehen sind unter anderem die Entnahme der Uferversteinung, die Abflachung der Ufer und die Neuanpflanzung bzw. Umpflanzung von standorttypischem Bewuchs.“ Die Uferzonen sollen dabei aufgewertet, der Fließgewässercharakter verstärkt und die auentypischen Strukturen verbessert werden.

Neuer Geh- und Radweg

Dabei, erklärt Sadgorski, sei ein Rückbau des Uferweges erforderlich, wobei die Verbindung als Pfad für Fußgänger und Radfahrer vorübergehend erhalten bleiben soll. „Langfristig ist durch die Stadt Neustadt a.d. Donau der Neubau eines Geh- und Radweges von Eining nach Staubing angedacht.“

Ein neuer Geh- und Radweg an der Donau ist in Planung.
Ein neuer Geh- und Radweg an der Donau ist in Planung.

Die Neugestaltung des Ufers solle nicht zu Lasten des Hochwasserschutzes gehen, betont der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes. In der Vergangenheit war der Biergarten an der Fähre immer wieder bei Hichwasser überschwemmt gewesen, auch angrenzende Wohnanwesen waren regelmäßig in Mitleidenschaft gezogen worden. Dazu sagt Constantin Sadgorski: „Die ausgebaute Uferversteinung und der Unterbau des Weges werden als schlafende Sicherung verwendet, welche die Schutzfunktion der angrenzenden Grundstücke übernimmt.“ Eine „schlafende Sicherung“, erklärte Antje Uhl vom Wasserwirtschaftsamt, sei ein zurückversetztes Steinlager, dass unter der Oberfläche verschwindet. „Negative Auswirkungen auf den Hochwasserabfluss sind nicht zu befürchten“, betont der Behördenleiter.

Mehr Ökologie am und im Fluss

Mit der Maßnahme will das Wasserwirtschaftsamt Landshut den Verpflichtungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie nachkommen und den ökologischen Zustand der Donau nachhaltig verbessern. Insofern ist die aktuelle Maßnahme nicht die erste, die in den vergangenen Jahren an der Donau bei Neustadt durchgeführt wurde. Das stößt auch bei den Bürgern auf Anerkennung.

Mehr Platz für die Natur

  • Einzigartig:

    Die Donau ist von Vohburg bis hinter Kelheim nicht durch Wehre verbaut. Der Fluss beherbergt mit 46 teils vom Aussterben bedrohten Fischarten den artenreichsten Abschnitt in Bayern.

  • Problem:

    Der Donau fehlt der Platz, sich in Neben- und Altarme zu verzweigen.

  • Lösung:

    Das Wasserwirtschaftsamt Landshut will die Donau renaturieren. Dafür soll u.a. die Uferversteinung entnommen werden und die Ufer abgeflacht werden.

  • Behörden:

    Die Maßnahmen des Wasserwirtschaftsamtes Landshut in Eining sind mit der Stadt Neustadt a.d. Donau abgestimmt.

So loben die Neustädter Fischerfreunde (NFF) die Maßnahmen des Wasserwirtschaftsamtes. „Was hier verwirklicht wurde, muss den Vergleich mit anderen Projekten nicht scheuen“, stellte Erhard Garbe, der langjährige Vorsitzende des Vereins, einst zu Beginn der Maßnahmen fest. Die Umgestaltungsmaßnahmen am „bayerischen Amazonas“ begannen im Sommer 2010. Sie beschränkten sich zunächst auf die rechte Donauseite zwischen Neustadt und Sittling, 2011 wurden sie auch am linken Donauufer zwischen Neustadt bis unterhalb Irnsing fertiggestellt. Ziel der Maßnahmen war die Veränderung des Flusslaufs. Buhnen wurden eingebaut, eine Kiesbank eingebaut, Totholz eingebracht.

Das Ufer wird abgeflacht und Totholz ausgebracht, das Totholz bildet einen Schutz für junge Fische.
Das Ufer wird abgeflacht und Totholz ausgebracht, das Totholz bildet einen Schutz für junge Fische.

Diese kleinen strukturellen Veränderungen am Ufer sorgen nicht nur für optische Veränderungen. Der früher geradlinige Uferverbau ist zurückgedrängt worden. Damit rauscht das Wasser an Buhnen und Totholz vorbei und reichert sich zusätzlich mit Sauerstoff an. Das neue und vielfältige Strömungsbild lässt nun vermuten, wie es hier einmal ausgesehen haben mag. „Aufgelockerter Kies ist weiteres Gut, dass unsere Donaufische so dringend zur Fortpflanzung benötigen“, erzählt Garbe. „Unsere ‚Kieslaicher‘, wie wir sie deshalb nennen, dürfen sich nun auch hinter dem Baum im Wasser verstecken.“

Mehr Kies und Schotter

Seit drei Jahren liegt auch ein Management-Plan des Wasserwirtschaftsamtes für die Donau vor. Er zielt darauf ab, dass der Fluss selbst mehr Struktur und weniger Uferkorsett erhält. Ein weiteres Hauptproblem der Donau zwischen Neustadt und Staubing ist der Umstand, dass die Ufer zu 80 Prozent mit Steinen verbaut sind. Die sollen auf weiter Strecke heraus, damit die Donau sich an den Ufern ausbreiten kann. Das bremst sie am weiteren Eintiefen, erklärte Hettrich. Ursache dafür ist auch, dass dem Fluss das „Geschiebe“ fehlt: Kies und Schotter wurden an vorherigen Staustufen längst herausgeholt. Kies wieder zuzugeben, ist daher auch Teil des Konzepts.

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