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Kultur

Die Freude am Malen ist zurück

Lebendig und kraftvoll präsentieren sich die neuen Bilder des syrischen Flüchtlings Nawar Daghestani im Kunstforum.
Von Jochen Dannenberg

Noch ohne Titel: Bild einer Frau, das in der Ausstellung im Kunstforum ab Sonntag gezeigt wird. Foto: Rohwer
Noch ohne Titel: Bild einer Frau, das in der Ausstellung im Kunstforum ab Sonntag gezeigt wird. Foto: Rohwer

Neustadt.Vor zwei Jahren flüchtete Nawar Daghestani aus Syrien und landete in Neustadt. Hier machte er das, was er gelernt hatte – er malte und zeichnete. Und beteiligte sich an Ausstellungen. Ab Sonntag ist Daghestani erstmals in einer Einzelausstellung zu erleben. Das Kunstforum präsentiert seine neuesten Werke.

Flucht aus Syrien

Frisch, kraftvoll und dynamisch sind die Bilder des Syrers geworden. Die Lethargie, die den ersten Bilder nach der Flucht innewohnte, ist verschwunden. Die zum Teil recht geometrischen Darstellungen hat Daghestani zugunsten einer größeren Lebendigkeit aufgegeben. Das tut den Werken gut und verleiht ihnen zum Teil auch einen Charme, dem etwas flüchtiges anhaftet, weshalb sie bisweilen wie zufällige Begegnungen erscheinen.

Dieser Wandel ist nicht zufällig. Er ist Teil des Ankommens in einem neuen Leben. Als Nawar Daghestani vor über zwei Jahren seine alte Heimat aus Angst vor den Unruhen in Syrien und den Banden des IS verließ, war dies schlicht ein Akt der Flucht. Wer als Zeichner von Cartoons damals in Syrien lebte, musste mit dem schlimmsten rechnen. Cartoons passten nicht ins Weltbild der selbst ernannten Gotteskrieger. Der neue Ort, an dem der Syrer Zuflucht fand, bot Sicherheit, war aber nicht automatisch eine neue Heimat. Zeichnen und Malen fielen Daghestani nicht leicht. Dabei war es nicht nur die fremde Umgebung, die sich auf die kreative Arbeit auswirkte. Es war auch die Sorge um die Ehefrau und die gemeinsame Tochter, die zunächst noch in Syrien geblieben waren. Sie sind seit einem dreiviertel Jahr ebenfalls in Neustadt und das ist den Bildern anzusehen.

„Ich bin gerne hier“

Das Leben Nawar Daghestanis hat wieder Schwung bekommen. „Ich bin gerne hier, mir geht es gut“, sagt er. „Natürlich vermisse ich meine Heimat, aber jetzt bin ich wieder mit meiner Familie zusammen. Meine Tochter Sofia geht hier zur Schule und ich hoffe, dass ich bald Arbeit finde.“

Eines der Lieblingsbilder des Syrers, der die Kunstakademie von Homs (Syrien) besucht hat und inzwischen in Deutschland als Flüchtling anerkannt ist, zeigt eine Frau. „Sie schaut nicht überrascht, aber neugierig, ohne Angst zu einer anderen Person“, beschreibt Daghestani das Werk, das noch keinen Titel hat. „Diese andere Person ist ein Geist. Zwischen beiden gibt es eine Grenze.“ Wie man das verstehen will, überlässt der Künstler dem Betrachter. Das Bild überzeugt durch seine Dynamik und den Spielraum, der dem Betrachter für die Interpretation bleibt.

Geblieben ist – und dafür steht auch diese Arbeit – die Verwandtschaft mit früheren Arbeiten. Auffällig sind weiterhin die länglichen, schmalen Gesichter der Personen, die Daghestani malt. Er selbst sagt, dass seine Arbeit einem steten Wandel unterliegt. „Auch ich habe mich ein wenig verändert“, sagt er, wobei er seine Bilder jedoch nicht in Kategorien wie „vor“ und „nach der Flucht“ einteilen will.

Wer die Arbeiten, die ausnahmslos mit Ölpastellkreide und Acrylfarben entstanden sind, sehen möchte, sollte sich die Vernissage am Sonntag, 21. Januar, um 15 Uhr nicht entgehen lassen.

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