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Region Kelheim
Sonntag, 27. Mai 2018 29° 2

Natur

Die Hornisse ist da – bloß keine Panik!

Viele Schauermärchen ranken sich um die große Schwester der Wespe. Humbug, sagen zwei Hornissenberater des Kreises Kelheim.
Von Beate Weigert

  • Seit 1987 steht die Hornisse auf der Roten Liste. Von zehn Königinnnen baut eine erfolgreich ihr Nest, sagt Hubert Gigl. Foto: Daniel Karmann/dpa
  • So groß können die Nester auch mal werden. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Kelheim.Ihre Zeit ist erst im Sommer? Von wegen. Sobald es draußen wärmer wird, gedeiht nicht nur der Spargel. Auch die Hornissenköniginnen schwärmen aus. Bei vielen lösen die Streichholzschachtel großen Insekten Panik aus. Meist völlig zu Unrecht – außer man ist Allergiker, sagen Hubert Gigl aus Abensberg und Helmuth Meier aus Bad Gögging. Die beiden sind als Hornissenberater des Landkreises Kelheim nun wieder auf Aufklärungsmission.

Hornissen-Zeit ist erst im Sommer! Falsch!.

Je nach Witterung werden die Königinnen ab März, April aktiv. Sobald Palmkätzchen, eine der ersten Nahrungsquellen blühen, schwärmen sie aus. Sie wurden bereits im Herbst begattet und können sich quasi sogleich an den Nestbau und ans Legen der ersten Eier machen, sagt Hubert Gigl.

Hubert Gigl Foto: Weigert

Der Abensberger ist einer von insgesamt drei Hornissenberatern des Kreises Kelheim. Der Mensch bemerkt Hornissen oft erst zwei bis drei Monate später, wenn ihr Nest gediehen und der Nachwuchs selbst im „Flugverkehr“ ist. Die Insekten bauen ihre Nester in hohle Bäume, Vogelhäuser, aber auch in ungenutzte Speicher, Carports, Gartenhäuser oder Rollokästen. Also auch dorthin, wo sie Menschen stören. Oft stoßen Immobilienbesitzer bei Renovierungsarbeiten auf Hornissennester.

Helmuth Meier klärt in unserem Video auf:

Hornissenberater Helmuth Meier erklärt ein paar grundsätzliche Dinge zur Hornisse. Video: Beate Weigert

Drei Stiche von Hornissen töten einen Menschen, sieben ein Pferd?

Bei vielen lösen die Insekten mit dem gelb-schwarz gestreiften Hinterleib Panik aus. Allein die Königin bringt es auf die stattliche Größe einer Streichholzschachtel. Sie bekommt der Mensch jedoch so gut wie nie zu Gesicht. Arbeiterinnen und Drohen sind in etwa so groß wie ein 50-Cent-Stück. Angstschweiß perlt meist völlig zu Unrecht – außer man ist Allergiker, sagen Gigl und sein Bad Gögginger Kollege Helmuth Meier.

Besonderer Schutz, Bußgeld

  • Bei Hornissen

    (Vespa crabro) handelt es sich um eine besonders geschützte Tierart, gem. § 7 Abs. 2 Nr. 13 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Es ist verboten, ihnen nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten sowie ihre Fortpflanzungs- oder Ruhestätten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören, heißt es vom Landratsamt.

  • Diese Verbote gelten

    laut Unterer Naturschutzbehörde auch dann, wenn sich die Tiere bzw. deren Lebensstätten im unmittelbaren Einwirkungsbereich des Menschen befinden, z. B. in oder an Gebäuden. Auf Antrag kann die Untere Naturschutzbehörde eine Befreiung erteilen, wenn die Durchführung der Vorschrift im Einzelfall zu einer unzumutbaren Belastung führt.

  • Eine Ordnungswidrigkeit

    begeht, wer Hornissen und/oder deren Nester zerstört. Diese werden von der Unteren Naturschutzbehörde mit einem Bußgeld geahndet (bis zu 50 000 Euro). Die Höhe bemisst sich nach der Schwere des Verstoßes. Verstößt jemand gewerbs- oder gewohnheitsmäßig gegen die für Hornissen geltenden Zugriffsverbote, kann ein Strafverfahren eingeleitet werden.

  • 2017 wurde 47 Mal

    Kontakt zu den Kreis-Hornissenberatern vermittelt. „Dank hervorragender Kenntnisse und guter Info-Arbeit konnten beim Großteil der Fälle die in der Regel friedliebenden und sehr nützlichen Hornissen an Ort und Stelle bleiben“, teilt die Naturschutzbehörde mit. Vier Mal wurde die Erlaubnis zur Entfernung des Nestes erteilt. Vier Mal wurden Nester umgesiedelt.

  • Die gemeine Wespe

    (Vespula vulgaris) ist zwar nicht besonders oder streng geschützt, allerdings gelten laut Unterer Naturschutzbehörde für sie die allgemeinen Schutzbestimmungen für wild lebende Tiere (insb. § 39 BNatSchG). Verstöße gegen die allgemeinen Schutzbestimmungen für wild lebende Tiere können ebenfalls mit Bußgeldern geahndet werden. (re)

Hartnäckig halten sich alte Schauermärchen in den Köpfen. So wie die Gruselstory von den drei bzw. sieben Stichen und ihren tödlichen Folgen für Mensch oder Pferd. „Das ist Quatsch, Hornissen sind mit die harmlosesten Lebewesen auf dem Planeten, wenn man sie in Ruhe lässt“, sagt Gigl.

Jeder Bienenstich pumpe mehr Gift in den menschlichen Körper, als der einer Hornisse. Es sei sogar wissenschaftlich belegt, dass ein Hornissenstich zehnmal schwächer als der einer gewöhnlichen Biene sei. Bei Allergikern sei natürlich Vorsicht geboten. „Diese sollten immer ihre Notfallmedikamente dabei haben“, so Meier.

Nützliche Nachbarn, die nur ihre Ruhe wollen

Seit 2001 ist Helmuth Meier als Hornissenberater im Einsatz. Gestochen wurde er noch nie. Er weiß, wo seine Grenzen sind, sagt er. Er rät dringend davon ab, Nester abzuschlagen, mit Chemie einzusprühen oder die Einfluglöcher zu verstopfen. Das bringt das Hornissenvolk in Rage. Im Schnitt gibt es 100 bis 300 „Familienmitglieder“. Es können aber auch mal mehr als 1000 sein. Wer einmal einem Nest etwas getan hat, der sollte sich in Acht nehmen, sagt Helmuth Meier. Denn die Wächter-Hornissen, die am Nesteingang patrouillieren, werden denjenigen selbst nach Wochen wiedererkennen und attackieren.

Blätttern Sie weiter und lesen Sie ein paar Tipps zu Hornisse und Wespe:

Wer grundsätzlich den Sicherheitsabstand – etwa fünf Meter – halte, der profitiere von einer Mücken-, Spinnen- oder Fliegen freien Zone. Denn Hornissen verfüttern an ihre Brut hauptsächlich „Fleisch“. Ihre „Hinterlassenschaften“ lassen sie unten aus dem Nest fallen. Einziges Manko: „Die stinken unheimlich“, so Meier. Als „Sprit“ tanken die Arbeiterinnen gerne Pflanzensäfte. Flieder, Efeu oder Weide stehen ziemlich weit oben auf ihrer Liste.

Nur im Ausnahmefall rücken die „Umzugsexperten“ an

Ums Entfernen von Hornissenbehausungen geht es in ihrem Ehrenamt in den seltensten Fällen, sagen Gigl und Meier. Meist sind die Hornissenberater in aufklärender Mission unterwegs. 2017 vermittelte die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt 47 Mal Kontakt zu den Kreis-Hornissenberatern. „Dank hervorragender Kenntnisse und guter Info-Arbeit konnten beim Großteil der Fälle die in der Regel friedliebenden und sehr nützlichen Hornissen an Ort und Stelle bleiben“, heißt es vom Landratsamt. Vier Mal wurde die Erlaubnis zur Entfernung eines Nests erteilt. Vier Mal wurden Nester umgesiedelt.

Manchmal kommen die Insekten dem Menschen zu nahe. Doch das sind die Ausnahmen, sagen die Kelheimer Hornissenberater. Foto: Uwe Anspach/dpa/

Ein neues Hornissen-Zuhause gibt es meist, wenn Kleinkinder betroffen sind oder Allergiker, sagt Helmuth Meier. Den passenden Zeitpunkt für eine Umsiedlung gibt es praktisch nie, so Hubert Gigl. Doch wenn’s nicht anders geht, rückt er oder einer der Kollegen an und bringt die Nester in eine insektenreiche Auenlandschaft oder in ein Waldstück, das nahe einem Bachlauf liegt.

Wichtig: Das neue Zuhause muss je nach Ort mindestens fünf bis sieben Kilometer vom alten Zuhause entfernt sein, sonst finden die Hornissen wieder zurück. Was viele auch nicht wissen: Hornissennester sind immer nur Bleibe für ein Jahr. Jedes Jahr wird neu gebaut. Wenn auch meist nur ein paar hundert Meter weiter.

So klein fängt es an: Eine Königin wollte auch schon mal im Imkerhut von Hubert Gigl, der in seinem Carport hing, heimisch werden. Foto: Gigl

Bis Mitte, Ende Oktober bewohnen die Hornissen ihre Nester. Die Jungköniginnen werden zuvor noch von den Drohnen begattet. Dann sterben diese. Meist um dieselbe Zeit endet die Lebenszeit der alten Königin und der letzten Arbeiterinnen. Die Jungköniginnen suchen sich ein Winterquartier. Einen hohlen Baum oder eine Ritze in einem Speicher oder Holzstapel.

Hornissen-Nest – ein Fall für die Feuerwehr?

„Die Feuerwehren entfernen Hornissen- und Wespennester nur, wenn das durch einen Gewerblichen nicht möglich ist und auch nur dann, wenn eine Gefahr für Menschen besteht“, erklärt Kreisbrandrat Nikolaus Höfler auf Nachfrage. Beim Entfernen werde versucht, die Insekten „zu verlegen und nicht zu töten“. Bei einem Hornissennest werde vorab grundsätzlich Kontakt mit einem der drei Hornissenbeauftragten des Landkreises aufgenommen und die Vorgehensweise abgestimmt. Bezüglich Kosten bei einem Feuerwehr-Einsatz haben einzelne Gemeinden per Satzung eine Pauschale festgelegt. In Langquaid sind’s beispielsweise 150 Euro.

Helmuth Meier aus Bad Gögging ist der „dienstälteste“ Hornissenberater des Kreises Kelheim. Foto: Weigert

Drei Ehrenamtliche werden im Notfall vom Kelheimer Landratsamt vermittelt

Wer einen der Hornissen-Berater zu Rate ziehen will, meldet sich beim Kelheimer Landratsamt unter Tel. (0 94 41) 207-43 11. Von dort werden Landkreisbürger an die Berater weitervermittelt. Neben Gigl und Meier ist auch Norbert Thom aus Kelheim engagiert. Denn Hornissen stehen unter Naturschutz. Wer sie quält oder ihre Nester zerschlägt oder gar anzündet, macht sich strafbar (s. Infostück).

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