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Arbeit

Die letzten Donaufischer

Lothar Ziegler und Markus Aumer sind die letzten beiden Berufsfischer im Landkreis Kelheim, die noch regelmäßig ihre Netze mit der Zille einholen.
Von Heike Haala, MZ

  • Voller Körpereinsatz: Lothar Ziegler ging auch eine Barbe ins Netz.Fotos: Flingelli (2)/MZ-Archiv
  • Die Mitglieder der Convinien fuhren mit der Zille ins Klösterl.
  • Die Forelle fühlt sich unter 15 Grad und bei Strömung am wohlsten.

Landkreis. Es beginnt zu brodeln. Wasserfontänen spritzen aus der grünen Plastiktonne, die in der Holzzille mit dem rechteckigen Bug in der Donaubucht steht. Lothar Ziegler hält das Netz mit seinem Tagesfang mit beiden Händen fest, während sich der Inhalt in einem zappelnden Schwall in das Innere des Gefäßes ergießt.

Lothar Ziegler ist einer der letzten Berufsfischer in der Fischereigenossenschaft Kelheim. Außer ihm fährt nur noch Markus Aumer zweimal in der Woche mit auf die Donau, um nach geschuppten Köstlichkeiten zu fischen. Zwanzig Berufsfischer gibt es in der Genossenschaft, Ziegler und Aumer sind die beiden letzten aktiven auf dem 50 Kilometer langen Donauabschnitt zwischen Neustadt und dem Naabspitz, für den die Genossenschaft die Rechte hält.

Exkursion zum Donaufisch

Am Samstag erklärten sie 70 Mitgliedern der Slowfood Convivien aus Niederbayern und Ingolstadt in der kleinen Donaubucht vor der Weltenburger Enge und im Gasthaus zum Schwan ihren Beruf. Die internationale Bewegung setzt sich für die Förderung regionaler und saisonaler Produkte ein und informierte sich an diesem Tag zum Thema Fisch. Fisch für Fisch präsentierte der Fischer aus seinem Fang – abgesehen von einem Waller, der Ziegler zufolge vom Boot glitschte und der Pfanne entkam.

Ein Raunen ging durch die Reihen, als Ziegler einen Aal aus dem Zuber hob. Der ließ seinen Kopf tanzen, als wäre er eine orientalische Schlange, die vom Köder am Ende einer Flöte betört wird. Den Aal vermutet Ziegler ab dem kommenden Jahr auf der Roten Liste, weil ein Virus die Bestände im Meer dahinrafft. Das bedeutet für ihn, dass er – sollte er den Fisch in seinen Netzen finden – ihn abgeben muss, damit er ausgesetzt werden kann.

Ziegler unterscheidet zwischen mehreren Flussregionen, die jeweils mit einem Fisch charakterisiert werden. Etwa die Forellenregion: Dort herrscht Strömung und das Wasser ist bis zu 15 Grad warm. Gemäßigtere Flussregionen dagegen bevorzugen die Äsche und die Barbe. Auf der Kiesbank kann ein Fischer nur in der Nacht fischen. Im seichten Wasser sieht der Fisch das Netz bei Tag. Hechte, weiß Ziegler, wird er im Altwasser fangen.

Die richtige Masche zählt

Gefischt wird mit Nylonnetzen: Stellnetze etwa werden am Morgen eingeholt. Sie stehen bis zu zehn Meter Hoch im Wasser. Für den Aal oder den Waller verwendet Ziegler eine Reuse – sich verengende Netztrichter, die es dem Fisch nicht mehr erlauben, herauszuschwimmen. Außerdem kennt er noch ein Spielgelnetz. Es öffnet sich unter einem Seilring, der auf der Wasseroberfläche schwimmt. Ziegler achtet darauf, dass die Maschen seiner Netze stets so groß wie möglich sind. Sonst würde er sich seine Bestände selbst kaputt fischen.

„Auf dem Wasser wird einem Nichts geschenkt“, sagt Ziegler. Derzeit stört ihn beispielsweise, dass es in Bad Abbach bei der Schleuse keine Fischtreppe gäbe. Immerhin sei sie vorgeschrieben. Solange sie fehlt, finden die Fische, die bei Hochwasser in Richtung Schleuse getrieben werden, durch die Turbine ein jähes Ende.

Gänsesäger lieben Äschen

Außerdem machen ihm die Schwarzmeergrundeln Sorgen, die von den Donaukreuzern aus dem Schwarzen Meer in den Landkreis befördert werden. Resistent und gefräßig vernichten sie ihm die Fischgründe. Wie der Kormoran hat es auch der Gänsesäger auf die Äschen in der Donau abgesehen. Mit durchschnittlich zehn Jungen in jedem Jahr setzen diese Enten den Äschen ganz schön zu.

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