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Die Natur hält viel Gesundes bereit

Renate Beck informierte im Kelheimer Frauenforst über die vielen kleinen unscheinbaren Helfer – und ihre Wirkung.
Von Josef Eder

Die Teilnehmer an der Kräuterwanderung ernten Brennnesseln. Fotos: Eder
Die Teilnehmer an der Kräuterwanderung ernten Brennnesseln. Fotos: Eder

Irlbrunn.Traumhaft schön steht das alte Forsthaus Irlbrunn im Kelheimer Frauenforst auf einer Anhöhe, wie man es sich eigentlich nur in einem verwunschenen Märchenwald vorstellen kann. 1964 verließ der letzte Förster das Forsthaus. Die bayerischen Staatsforsten haben das Haus renoviert. Bereits knapp 100 Jahre zuvor hatten vier Landwirte der einsamen Gegend den Rücken gekehrt.

Renate Beck vor einer kandischer Goldrute. Fotos: Eder
Renate Beck vor einer kandischer Goldrute. Fotos: Eder

Kräuterpädagogin Renate Beck aus Ihrlerstein hat sich das „Waldkulturerbe“ für eine Krauterwanderung mit dem Naturschutzteam des Deutschen Alpenvereins (DAV) Sektion Regensburg ausgesucht. Es reichen wenige Meter Wanderung um das Frosthaus und schon hat man viele Kräuter gesammelt. Es sind kleine grüne, manchmal winzige Arten, die von den Menschen nicht beachtet werden, weil sie entweder keine schöne Form, Blüten oder keinen die Sinne betörenden Duft ausströmen.

Eine heilende Wirkung

„Jetzt im Herbst hat so mancher Pflanze weniger Wirkung als im Frühjahr.“

Renate Beck, Kräuterexpertin

Sie alle haben eine heilende Wirkung, die unsere Vorfahren zu schätzen wussten. Viele dieser Kräuter, die in der Volksheilkunde verwendet wurden, sind in den aufwendigen Mixturen der heutigen Medikamente verarbeitet. „Jetzt im Herbst hat so mancher Pflanze weniger Wirkung als im Frühjahr“, meint Beck, während sie ein Blütenlabkraut pflückt. Daneben steht teilweise noch goldgelb blühend die kanadische Goldrute, ein ausgezeichnetes Mittel bei Nierenkrankheiten. Sie wirkt entwässernd und ist eine Bienen- und Insektennahrung. Der Giersch, gehasst von allen Gartenliebhabern, steht in großer Anzahl auf der Wiese. Die Mönche nutzten es als Zipperleinkraut (Breiumschlag) gegen die Gicht. Aber es wird auch als Würzsalz und Petersilienersatz verwendet.

„Mich mag der Giersch nicht, denn in meinem Garten wächst er nicht“, erzählt die Kräuterpädagogin lachend. Dezimieren kann man das „Unkraut“ in Worten zufolge, in dem man Buschbohnen sät. Da werde die Photosynthese eingeschränkt. Weiter spricht Beck über Bitterstoffe, die der menschliche Körper benötigt und heutzutage über Pillen zugeführt werden.

Die Expertin favorisiert den einheimischen Honig

Vor einem Bienenstock hält sie erneut. Inständig bittet sie, die Teilnehmer nur einheimischen Honig zu verwenden. Sollte man Fremden bevorzugen, so müssen die Gläser ausgewaschen werden, bevor sie in den Glascontainer wandern. Die Bienen fliegen auch diese an und schlecken die verbliebenen Honigreste. Krankheiten wie die Varoa könnten sich so verbreiten. Die Erreger dafür können im Honig sein, weiß die Kräuterpädagogin.

Storchenschnabel, Breit- und Spitzwegereich werden zwischenzeitlich gesammelt. Breitwegerich ist entzündungshemmend und ein Mittel in der Frauenheilkunde. Der Spitzwegerich hilft gegen Husten- und Schleimhautreizungen. Krampflösend ist das Gänsefingerkraut. Die Brennnessel findet als Haar- sowie Gesichtswasser, Blutreiniger oder für Standhaftigkeit des Mannes Anwendung.

Kriminalfall in der ehemaligen Glashütte

  • Glashütte:

    Irlbrunn war bis 1741 eine Glashütte. Das Damenstift Niedermünster überließ für die Glashütte insgesamt zwölf Tagwerk Wald- und Wiesengründe auf Erbrecht. Die Kalksteine, den Sand, den Ton und das Wasser für das Glas lieferten die Jura-Ausläufer. Etwa 50 bis 80 Personen lebten in den Unterkünften. 1729 gab vier Hofstellen.

  • Bluttat:

    Im Jahr 1831 lebten in Irlbrunn nur noch 20 Einwohner. Hier im Frauenforst soll sich eine Bluttat ereignet haben, die dem Förster Baron von Pilgram das Leben kostete. Er kam einem Holzfrevler auf die Schliche. Als der Förster den Mann im Wald überführen wollte, verschwand von Pilgram. Seine Leiche wurde nie gefunden. (lje)

Die Vielfalt der Hagebutte

Hier wird die Kräuterbutter zubereitet. Fotos: Eder
Hier wird die Kräuterbutter zubereitet. Fotos: Eder

Am Ende der kurzen Wegstrecke sammelten die Teilnehmer Hagebutten für Tee. Die ganze Frucht, die Hülse, die Kerne alle Bestandteile haben einen unterschiedlichen Geschmack. In der Volksheilkunde wird Hagebuttenpulver aus Schalen und Samen bei Artrose eingesetzt. Aus den Rosskastanien machte Beck Spül-, Putz und Waschmittel. Weitere Verwendungsmöglichkeiten sind Duschgel und Shampoo.

Im Forsthaus, das innen heimelig ist, wurden die Kräuter gewaschen, geschnitten. Salat, Kräuterbutter und Kräuterquark, Salatdressing und Brennnesselchips werden angerichtet. „Vieles Gesundes hält die Natur für uns bereit. Wir übersehen es, weil wir es nicht mehr schätzen oder über Wirkungsweise sowie Zubereitung im Unklaren sind“, weiß Kräuterpädagogin Renate Beck.

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