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Millionenprojekt

Die Operation Goldberg hat begonnen

Das Krankenhaus Kelheim wird Großbaustelle, der Klinik-Betrieb läuft weiter wie bisher. Wir stellen das Großprojekt vor.
Von Martina Hutzler

Zufahrts- und Wirtschaftsflächen am Kelheimer Krankenhaus sind bislang Mangelware. Dafür wird nun dem Goldberg mehr Platz abgerungen – mit einer aufwendigen Hangaufweitung. Foto: Hutzler
Zufahrts- und Wirtschaftsflächen am Kelheimer Krankenhaus sind bislang Mangelware. Dafür wird nun dem Goldberg mehr Platz abgerungen – mit einer aufwendigen Hangaufweitung. Foto: Hutzler

Kelheim.Bis zum Jahr 2021 wird die Goldberg-Klinik Kelheim GmbH nun eine Großbaustelle sein – von der Patienten möglichst wenig mitbekommen sollen. Der alte „B-Bau“ wird abgerissen und weicht einem Neubau. Außerdem gräbt sich die Klinik in den dahinter liegenden Hang, um mehr Platz für Zufahren, Wirtschaftshof und Stellplätze zu bekommen.

Instabil und brandgefährlich: Der alte „B-Bau“ muss weichen

Über dem dahinsiechenden Patient hängt bereits das grüne OP-Tuch: Mit einem weithin sichtbaren Staubschutz versehen, wartet der so genannte „B-Bau“ der Goldberg-Klinik (GBK) auf die Abrissbirne. Bis Mitte Oktober soll der Gebäudeteil dem Erdboden gleichgemacht sein. Im Innern wird darauf seit März hingearbeitet, schilderten Aufsichtsrats-Vorsitzender Martin Neumeyer, Klinikleitung und die Planer des Großprojekts „B-Bau“ bei einer Pressekonferenz.

Eine Zusammenfassung sehen Sie hier im Video:

Die Operation Goldberg Video: Martina Hutzler

Die Bauhelme liegen bereit: Der Startschuss am Goldberg ist gefallen. Foto: Hutzler
Die Bauhelme liegen bereit: Der Startschuss am Goldberg ist gefallen. Foto: Hutzler

Das Gebäude wird entkernt. Metallteile, Fliesen, Holzplatten – alles wird auf separaten Haufen vorbereitet für Entsorgung und Verwertung; In großen Bigpack-Säcken geschützt lagern faserhaltige Dämmstoffe. Wenn das „Alles muss raus“ abgeschlossen ist, wird dann die Gebäudehülle aus – recyclingfähigem – Beton und Ziegel abgerissen, erklärt Bauingenieur Paul Rapp vom Landshuter Architekturbüro Leinhäupl und Neuber. Als örtlicher Bauleiter ist Rapp jetzt der Mann für alle Baustellen-Fälle am Goldberg.

Bei ihm laufen alle Fäden der Großbaustelle zusammen: Diplomingenieur Paul Rapp ist Bauleiter. Foto: Hutzler
Bei ihm laufen alle Fäden der Großbaustelle zusammen: Diplomingenieur Paul Rapp ist Bauleiter. Foto: Hutzler

Zwar werden Patienten und Personal noch einiges zu hören bekommen vom Abbruch und den weiteren Arbeiten. Dennoch sind Landrat Neumeyer und Klinik-Geschäftsführerin Dagmar Reich heilfroh, dass nun ein langer Schwebezustand endet. Der B-Bau war die „Keimzelle“ des Krankenhauses am Kelheimer Goldberg: Er wurde Anfang der 1950er Jahre als erster Gebäudeteil errichtet, danach immer wieder erweitert und erneuert – bis er im Jahr 2013 fast über Nacht außer Betrieb genommen wurde, wegen gravierender Statik- und Brandschutz-Mängel.

Fast nichts erinnert mehr daran, dass das Gebäude mal ein Klinik-Teil war. Foto: Hutzler
Fast nichts erinnert mehr daran, dass das Gebäude mal ein Klinik-Teil war. Foto: Hutzler

Versuche, dafür nachträglich die einstigen Planer in Regress zu nehmen, scheiterten. Ebenso bitter: Der Landkreis musste 2,2 Millionen Euro Fördergelder an den Freistaat zurückzahlen, weil dessen jüngste Sanierungszuschüsse durch die Außerbetriebnahme nicht die geforderte 25-jährige Zweckbindung erreichten.

Aber ein Erhalt des Gebäudes schied wegen der riesigen Baumängel aus. Kreistag und Aufsichtsrat der (kreis-eigenen) Goldberg-Klinik-GmbH rangen sich zum Neubau durch. Der stand zum Jahreswechsel 2017/18 nochmals auf Messers Schneide: Der Kreistag diskutierte die Option, seine beiden Kliniken Kelheim und Mainburg durch ein einziges Haus in Landkreismitte zu ersetzen. Im Januar fiel dann der Grundsatzbeschluss: Beide Häuser bleiben erhalten. Der Weg für Abriss und Neubau war frei. Bis zu diesem fast einstimmigen Beschluss sei es eine lange Debatte gewesen, blickte der Landrat zurück. Dass es abweichende Meinungen gegeben habe, sei „legitim gewesen – aber ab jetzt wird ist die Entscheidung für den Erhalt der Goldberg-Klinik quasi ,in Beton gegossen’“.

Landrat Martin Neumeyer (li.) im Gespräch mit Architekt Peter Leinhäupl Foto: Hutzler
Landrat Martin Neumeyer (li.) im Gespräch mit Architekt Peter Leinhäupl Foto: Hutzler

Der Neubau soll in drei Jahren betriebsbereit sein:

Der Neubau, der im Mai 2021 in Betrieb gehen soll, wird wie ein neues Herz für das Krankenhaus, schildert Architekt Peter Leinhäupl: Die zentrale „Ebene fünf“ beherbergt die neue Notaufnahme und alle Räume für die Erst- und Notfallversorgung – Schock- und Eingriffsraum, Röntgen- und Computertomografie-Raum, eine Abklärungseinheit. Außerdem wird die Gynäkologie in Ebene fünf einziehen.

Eine Art Abschiedsfoto: (Von links) Bauleiter Paul Rapp, Planungsleiterin Martina Rauchenecker, Klinik-Prokurist Franz Kellner, Architekt Peter Leinhäupl, Landrat Martin Neumeyer, Pflegedirektorin Andrea Scheibenpflug und Ärztlicher Direktor Dr. Norbert Kutz stehen auf einem Balkon des alten B-Baus, der nun abgerissen wird. Foto: Hutzler
Eine Art Abschiedsfoto: (Von links) Bauleiter Paul Rapp, Planungsleiterin Martina Rauchenecker, Klinik-Prokurist Franz Kellner, Architekt Peter Leinhäupl, Landrat Martin Neumeyer, Pflegedirektorin Andrea Scheibenpflug und Ärztlicher Direktor Dr. Norbert Kutz stehen auf einem Balkon des alten B-Baus, der nun abgerissen wird. Foto: Hutzler

Ein Stockwerk darüber, auf Ebene sechs, findet die Intensivstation Platz; dann nicht mehr als Großstation, sondern mit Ein- und Zweibett-Zimmern, die teils „Schleusen“ erhalten, um infektiöse Patienten abzuschirmen. Um solche Schleusen werden auch einige der „normalen“ Patientenzimmer ergänzt, die auf den Ebenen sieben und acht entstehen, ebenfalls als Einzel- und Doppelzimmer. Diese beiden Etagen kragen über die darunterliegenden hinaus: Auf dem sehr beengten Areal am Goldberg müsse man die vorhandene Fläche maximal nutzen, erklärte Architekt Leinhäupl.

Wegen der Hanglage bereits ein Untergeschoss ist die Ebene vier. Dort werden die Leichenkühlung und ein Abschiedsraum für Angehörige eingerichtet; ansonsten vor allem viel Technik und Infrastruktur.

An der mit Pfeil markierten Stelle entsteht der neue B-Bau. Gelb eingezeichnet: die Stützmauer für die Hangaufweitung. Grafik: ALN | Architekturbüro Leinhäupl + Neuber GmbH
An der mit Pfeil markierten Stelle entsteht der neue B-Bau. Gelb eingezeichnet: die Stützmauer für die Hangaufweitung. Grafik: ALN | Architekturbüro Leinhäupl + Neuber GmbH

Unsichtbar ragt das Gebäude indes noch viel tiefer hinab. Untersuchungen zeigten, dass der Unterrund zwar felsig ist. „Aber die Felsstücke sind locker gelagert; die Schichten verändern sich bei Druck: ein unwahrscheinlich ungünstiger Baugrund“, so Architekt Leinhäupl. Die Statik fordert daher eine Gründung auf 76 (!) Stahlbeton-Bohrpfählen von einem Meter Durchmesser und bis zu 21 Metern Länge.

Die Finanzen

  • Weichenstellung:

    Der Beginn der Bauarbeiten an der Goldberg-Klinik markiert „eine wirklich langfristige strategische Entscheidung für das Kelheimer Krankenhaus“, bilanziert Geschäftsführerin Dagmar Reich: Bis zum Jahr 2042 wird es dauern, bis alle Arbeiten finanziell abgewickelt sind.

  • Kosten:

    Die Gesamt-Baukosten umfassen Hangaufweitung (2018) Abriss (2018) und Neubau (2019 bis 2021) sowie im Anschluss noch die Sanierung des gesamten Operationssaal-Traktes. Unterm Strich fallen bis zum Jahr 2025 Kosten von 50,3 Millionen Euro an, so Reich. In dieser Kalkulation sei eine angemessene Baupreissteigerung („Index-Fortschreibung“) schon einkalkuliert.

  • Finanzierung:

    Schon der laufende Klinik-Betrieb ist defizitär – Geld für solche Riesen-Investitionen bleibt da nicht übrig. Stattdessen hilft zum einen der Freistaat: Man rechne mit 27,7 Millionen Euro Fördermitteln, so Landrat und Aufsichtsrats-Vorsitzender Martin Neumeyer. Für die restlichen 22,6 Millionen nimmt die Klinik-GmbH Kredite auf. Abstottern muss diese der Landkreis, als alleiniger GmbH-Gesellschafter. „Eine echte Herausforderung, aber für unsere Krankenhausversorgung vor Ort unabdingbar“, bilanziert Landrat Neumeyer. (hu)

Die technische Modernisierung, vor allem aber das Platz-Plus auf den Pflegestationen werde im Haus heiß ersehnt, bestätigt Geschäftsführerin Reich: Seit Stilllegung des B-Baus mit 80 Betten fungiert ein deutlich weniger geräumiger Modul-Bettenbau mit nur 40 Betten als Ausweich-Quartier; auch im übrigen Haus mussten die Patienten teils enger zusammenrücken. Aktuell seien maximal 182 Betten verfügbar, so Reich; mit dem neuen B-Bau sollen dann wieder tatsächlich 200 Betten nutzbar sein – so viele hat die GBK laut Krankenhaus-Bedarfsplan des Freistaats. Ob der von der GmbH angekaufte Modulbau danach wieder verkauft oder aber stehen bleibt und umgenutzt wird, sei noch nicht entschieden.

Der gelbe Pfeil markiert den alten B-Bau. Das Flachdach-Gebäude links davon ist der Modul-Bettenbau. Luftbild: Dr. Satzl
Der gelbe Pfeil markiert den alten B-Bau. Das Flachdach-Gebäude links davon ist der Modul-Bettenbau. Luftbild: Dr. Satzl

13.000 Tonnen Boden und Gestein sind abzutragen

Als Architekt Leinhäupl seine Pläne für die künftige Anfahrt zur Notaufnahme, für den Wirtschaftshof und Stellplätze vorstellte, hätten Klinik-Leitung und Aufsichtsrat erst mal kräftig geschluckt, blickt der Landshuter Planer zurück. Zu gewagt schien das Unterfangen: einen Teil des Goldbergs, der hinter dem Krankenhaus liegt, abzutragen, um mehr Platz zu schaffen. Nicht zuletzt der Verweis auf sein eigenes Unternehmen, das sich in den Landshuter Burgberg hineingegraben hat, hat die Entscheider aber offenkundig überzeugt. Sie stimmten der Hangaufweitung zu.

Zufahrts- und Wirtschaftsflächen am Kelheimer Krankenhaus sind bislang Mangelware. Dafür wird nun dem Goldberg mehr Platz abgerungen – mit einer aufwendigen Hangaufweitung. Foto: Hutzler
Zufahrts- und Wirtschaftsflächen am Kelheimer Krankenhaus sind bislang Mangelware. Dafür wird nun dem Goldberg mehr Platz abgerungen – mit einer aufwendigen Hangaufweitung. Foto: Hutzler

Dafür müssen nun schichtweise rund 6500 Kubikmeter Boden und anstehendes Gestein abgetragen werden; das entspreche etwa 13 000 Tonnen Material. Der harte Kalkstein ist laut Architektin Martina Rauchenecker – die Kollegin Leinhäupls ist Planungsleiterin für das Projekt Goldberg – ein durchaus begehrter Baustoff, etwa für den Straßenbau. Mit jeder abgetragenen Gesteinsschicht wird im Gegenzug die Stützmauer höher gezogen, die den dahinterliegenden Hang abfangen muss. Letztendlich wird sie eine Höhe von zwölf Metern erreichen, aktuell ist ungefähr die halbe Höhe geschafft. Bei jeder Etappe werden zunächst Stahlanker ins dahinterliegende Gestein getrieben und die Löcher mit Beton vergossen – eine Art überdimensionaler Dübel. Dann werden flächig Stahlgeflecht-Matten angebracht und mit Spritzbeton ausgegossen. Eine Absicherung dieser Verkehrsflächen in den Untergrund ist hingegen nicht nötig – für die künftige Nutzung sei der Untergrund tragfähig genug, so Peter Leinhäupl.

Die Hälfte der Hangaufweitung ist schon geschafft, berichtet Bauleiter Rapp; bis Anfang August hofft er, diesen Bauabschnitt abschließen zu können. Den damit geschaffenen zusätzlichen Platz kann er für den dann beginnenden B-Bau-Neubau gut gebrauchen.

Diese Maschine bohrt die Löcher, in die erst Stahlanker versenkt werden; danach werden sie mit Beton ausgegossen. Foto: Hutzler
Diese Maschine bohrt die Löcher, in die erst Stahlanker versenkt werden; danach werden sie mit Beton ausgegossen. Foto: Hutzler

Was er ebenfalls gut gebrauchen könnte, wären genügend bauausführende Firmen. Doch damit „schaut’s zur Zeit nicht gut aus“, bestätigt Architekt Leinhäupl seufzend. Angesichts der boomenden Baukonjunktur steigen die Preise, und die meisten Baufirmen sind mehr als ausgelastet. Bei den öffentlichen Ausschreibungen für die Arbeiten am Goldberg sei die Beteiligung deutlich niedriger als in früheren Jahren üblich, so Leinhäupl.

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