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Historie

Die Ottokapelle bleibt, wo sie ist

Wem gehört das bedeutsame Kirchlein in Kelheim? Juristen haben eine eindeutige Antwort. Nur Emil Ott sen. hat eine andere.
Von Roland Kugler und Manfred Forster

Der Turm der Spitalkirche spiegelt sich in der Kleinen Donau an der Kelheimer Stadtmauer. Die Besitzverhältnisse um die historisch bedeutsame Kirche ist seit vielen Jahren ein Thema – jetzt könnte ein Ende der Debatte erreicht sein. Foto: Forster
Der Turm der Spitalkirche spiegelt sich in der Kleinen Donau an der Kelheimer Stadtmauer. Die Besitzverhältnisse um die historisch bedeutsame Kirche ist seit vielen Jahren ein Thema – jetzt könnte ein Ende der Debatte erreicht sein. Foto: Forster

Kelheim.Der Turm der Ottokapelle spiegelt sich an diesem sonnigen Frühjahrsmorgen in der Kleinen Donau. Schon viel Wasser ist diesen Graben hinuntergelaufen, seit die Besitzverhältnisse um diese Kapelle ein strittiges Thema sind. Und das, obwohl die Kleine Donau ein mehr oder weniger stehendes Gewässer ist.

Die Ottokapelle zwischen den Spitalgebäuden – sie ist ein Juwel, sagt auch Bürgermeister Hort Hartmann. Foto: Forster
Die Ottokapelle zwischen den Spitalgebäuden – sie ist ein Juwel, sagt auch Bürgermeister Hort Hartmann. Foto: Forster

Zugeschrieben wird die Kapelle, die seit gut 700 Jahren an der Wittelsbachergasse steht, der kirchlichen Kirchenspitalstiftung. Seit Jahren ist es Emil Ott sen. ein Anliegen, die Kapelle ins Eigentum der städtischen Spitalstiftung zu schieben – spricht von einem Schreibfehler im Grundbuch in grauer Vorzeit. Einen Beweis wiederum kann er nicht liefern. Die Stadt hat nun dem Hin und Her per Beschluss einen Riegel vorgeschoben, verweist auf umfangreiche Recherchen des Stadtarchivars. Und auch die Regierung von Niederbayern hat sich, nachdem sie von Ott sen. angeschrieben wurde, eindeutig geäußert.

Die spätromanische Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert. Herzog Otto der Erlauchte ließ sie zum Gedenken an seinen Vater Ludwig den Kelheimer erbauen, der 1231 von einem Unbekannten ermordet wurde. Die Kapelle wurde der Überlieferung nach an genau dieser Stelle errichtet, und dem Heiligen Johannes geweiht. Deshalb trägt sie seinen Namen, wird im Volksmund aber meistens nach ihrem Erbauer „Ottokapelle“ genannt.

Die Sache mit dem Schreibfehler

Und das ist die Sache mit den zwei Stiftungen: Es wurden zwei Stiftungen gegründet und 1490 ein Spital eingerichtet. Einmal die Kirchenspitalstiftung: sie wird von der Pfarrkirchenstiftung Maria Himmelfahrt verwaltet, die in Vertretung der Diözese Regensburg die Eigentumsrechte ausübt. Und dann gibt es die Spitalstiftung, sie zur Stadt Kelheim gehört.

Die Kirchenspitalstiftung wiederum ist als Eigentümerin der Kapelle im Grundbuch eingetragen, was aber nach Ansicht von Emil Ott sen. nur auf Grund eines Schreibfehlers geschehen ist und – seiner Ansicht nach –deshalb falsch ist. Seiner Meinung nach ist die städtische Spitalstiftung Eigentümerin der Ottokapelle. Und damit sei die Stadt für sie verantwortlich. An Hand eines Dokumentes kann Ott dies nicht nachweisen. Es habe aber, wie er unserm Reporter gegenüber sagte, im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Streitigkeiten und Prozesse um die Eigentumsverhältnisse gegeben. Ott hat umfangreiches Material gesammelt und sieht die Ottokapelle nach historischen Quellen als städtisches Eigentum.

Ein langwieriges und teures Rechtsgutachten wollte die Stadt diesbezüglich nicht in Auftrag geben. Aber sie beauftragte Stadtarchivar Dr. Wolf-Heinrich Kulke Nachforschungen anzustellen um den Disput zu klären. Die Recherchen bei Grundbucheinträgen ergaben: die Kirchenspitalstiftung ist Eigentümerin.

Die Ottokapelle innen Foto: Ott
Die Ottokapelle innen Foto: Ott

Und zu Otts Argument mit dem Schreibfehler formulierte das Amtsgericht Kelheim in einem Schreiben vom Januar 2016 , dass, selbst wenn es so wäre, die kirchliche Stiftung Eigentümerin sei, da sie sich die Kapelle als Eigentum „ersessen“ habe. Dies ist laut Bürgerlichem Gesetzbuch der Fall, wenn ein Grundbucheintrag 30 Jahre alt ist und man während dieser Zeit das Grundstück in Eigenbesitz gehabt hat. Was bei der Ottokapelle und der kirchlichen Stiftung der Fall ist.

Das hat laut Dr. Kulkes Recherchen auch die Regierung von Niederbayern als Stiftungsaufsicht bestätigt: Mit Schreiben vom 1. März 2018 teilte die Regierung mit, dass sie zwar nicht zuständig sei für Sachverhalte, die zur Klärung von Eigentumsverhältnissen zum Inhalt haben. Das hat sie drei Wochen später in dem Schreiben an Emil Ott sen. genau so wiederholt. Auch, dass an den Recherchen Dr. Kulkes nicht zu zweifeln sei. Herr Ott müsse die Stadt von einem Schreibfehler überzeugen damit eine Grundbuchberichtigung vorgenommen werden könne, sagt die Regierung.

Doch daran hat wiederum die Stadt kein Interesse. Der Stadtrat hat einstimmig beschlossen: „Die Stadt Kelheim wird mangels ausreichender Begründung aber auch im Sinne der Spitalstiftung Kelheim keine Grundbuchberichtigung beantragen“, so der Beschluss. In der Begründung verweist die Stadt auf die notwendige Renovierung der Ottokapelle. Es wären hohe Instandsetzungs- und Unterhaltskosten zu erwarten, die den ohnehin knappen Finanzrahmen der Spitalstiftung bei weitem übersteigen würden. Wobei die Kirche innen in gutem Zustand ist. Anfang der 1990er Jahre wurde sie renoviert.

„Soll wieder zugänglich sein“

Seit zehn Jahren ist die Kapelle verschlossen. Foto: Forster
Seit zehn Jahren ist die Kapelle verschlossen. Foto: Forster

Zu Emil Ott sen. 85. Geburtstag vor zehn Jahren wurde in ihr der letzte Gottesdienst gefeiert. „Ich bin dort aufgewachsen. Die Ottokapelle war früher offen, sie ist kulturgeschichtlich sehr interessant und wertvoll. Jetzt ist sie seit Jahren verschlossen, sie soll für die Öffentlichkeit wieder zugänglich sein“ erklärt er seine Beweggründe. In diesem Ansinnen folgt ihm sogar Kelheims Bürgermeister Horst Hartmann. „Die Kirche ist ein Juwel“, sagt er. Und berichtet, dass die Stadtführer immer wieder anfragen, ob sie mit ihren Gruppen die Ottokapelle besichtigen können. Doch alleine es fehlt der Zugriff zum Schlüssel. Der liegt bei der Eigentümerin, der Spitalkirchenstiftung. bzw. im Kelheimer Pfarrhof - offenbar unerreichbar. Dort wollte man sich trotz mehrfacher Anfragen unserer Redaktion nicht dazu äußern.

In der Pfarrei steht ein Wechsel an: Pfarrer Hans Maier verlässt Kelheim im August.

Mit seinem Nachfolger Reinhard Röhrner soll eine neue Ära in Maria Himmelfahrt beginnen. Röhrner freut sich auf „viele offene Menschen“. Und er wird gleich zu Beginn mit einer Baustelle konfrontiert sein, denn im Pfarrhaus steht eine Sanierung an. Seit 50 Jahren ist dort nichts Größeres mehr gemacht worden.

Einen Einblick in die Ottokapelle gibt der Kelheimer Kunstführer.

Immerhin scheint es so zu sein, dass mit dem Beschluss des Stadtrats, der auf der juristischen Aussage des Amtsgerichts basiert und den Schreiben der Regierung das Ende eines jahre- wenn nicht sogar jahrzehntelangen Hin und Her um die Ottokapelle erreicht ist.

Ott sen. akzeptiert die Entscheidung des Stadtrates, wie er gegenüber unserem Reporter sagte. Auch wenn er, wie er anfügte, noch immer anderer Meinung sei.

Schon vor Jahren äußerten Kelheimer Kritik am Zustand von kirchlichen Denkmälern im Zuständigkeitsbereich der Stadtpfarrei Maria Himmelfahrt.

Weitere Berichte aus Kelheim finden Sie hier.

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Bewertung aus juristischer Sicht

  • „Wer als Eigentümer eines Grundstücks im Grundbuch eingetragen ist, ohne dass er das Eigentum erlangt hat, erwirbt das Eigentum, wenn die Eintragung 30 Jahre bestand und er während dieser Zeit das Grundstück im Eigenbesitz gehabt hat.“

    Amtsgericht Kelheim, 12. September 2016

  • „Sämtliche Eintragungen, auch in den historischen Grundbüchern von 1937 sowie im Ur-Grundbuch aus dem Jahr 1900 im Staatsarchiv Landshut, sind eindeutig: Als Eigentümerin ist von Beginn an die Spitalkirchenstiftung und nicht die städtische Spitalstiftung verzeichnet. Auch im Original des Urkatasters im Vermessungsamt Abensberg aus dem Jahr 1817 ist die Spitalkirche, ebenso wie die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt als kirchliches und nicht als städtisches Gebäude verzeichnet.“ Recherchen des Stadtarchivs Dr. Wolf-Heinrich Kulke.

  • „Für weitere Nachforschungen seitens der stiftungsverwaltenden Stadt Kelheim besteht (...) aus Sicht der Regierung von Niederbayern (...) kein Anlass.“

    Regierung von Niederbayern, 26. März 2018 auf eine Anfrage von Emil Ott sen.

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